Korallen, Abteilung aus der Klasse der Polypen. Unter den festsitzenden Polypen bilden die meisten ein bald kalkiges, bald häutiges oder uen niges Gerüst, welches ursprünglich aus einzelnen krystallähnlichen Stückchen besteht und der Korallenstock genannt wird. Bei den meisten ist dies feste Gerüst so angeordnet, daß es eine Zelle, gewöhnlich mit radiären Scheidewänden versehen, darstellt, bei vielen aber, namentlich den sog. Gorgoniden, bildet das Gerüst eine innere Achse, die von einem dicken Muttergewebe bekleidet ist, in deren 1760. die Polypen eingewachsen sind. Die Koralenpolypen selbst sind sackförmige Strahltiere mit sechs oder acht, oder einer Multiplikation dieser beiden Grundzahlen entsprechenden Zahl von Fühlern (Tentakeln), einem Magensacke mit Spalten am Grunde und radiär gestellten Scheidewänden, an denen die Geschlechtsteile aufgehängt sind. Die Vermehrung der Polypen geht auf zweierlei Weise vor sich: durch freie Junge und durch Sprossen. Die freien Jungen entwickeln sich aus Eiern und werden durch den Mund ausgeworfen. Sie sind infusorienähnlich ringsum mit Wimperhaaren besetzt, schwimmen eine Zeit lang frei im Meere umher, setzen sich dann fest und bilden so einen neuen Polypenstock. Die Sprossenbildung geschieht an bestimmten Stellen des Polypenkörpers oder des Muttergewebes, welches von Kanälen durchzogen ist, die mit den Spalten im Magensacke des Polypen im Zusammenhange stehen, und in denen die Ernährungsflüssigkeit cirkuliert. Bei einigen Arten lösen sich diese Knospen nach und nach ab, bei den meisten bleiben sie in stetem Zusammenhange mit den Mutterpolypen, und die Stöcke bilden dann, je nach der Pitee unnd der Knospen, Bäume, Knollen, Federn, Pilze und dergleichen Formen. Solche Kolonien, deren Einzeltiere durch das Gefäßsystem der Matrix alle miteinander in Verbindung stehen, können ins Unendliche fortwachsen, auch wenn die Basis abgestorben V K. kommen in allen Meeren und Breiten vor. Wirkliche Bänke bilden sie durch ihre Anhäufung nur in den tropischen Meeren, wo ganze Inselgruppen und Halbinseln durch sie gebildet worden sind. (S. Korallenbauten.) Ganze Gebirge der verschiedenen Kalkformationen im Jura, der Trias sind solche, in frühern geolog. Perioden aufgebaute Korallenriffe. Im engern Sinne bezeichnet man als Korall oder Edelkorall (Corallium rubrum) eine im Mittelmeere vorkommende Art aus der Familie der Gorgoniden, die sich eine mehr oder minder lebhaft rotgefärbte, baumartig verästelte, innere Kalkachse baut, welche zum Schmuck verwendet wird. Sie wird mit eigens gebauten Schiffen und Netzen in mehrern hundert Faden Tiefe besonders an den Küsten Algeriens und Sardiniens von Fischern, die fast alle aus Procida und Torre del Greco stammen, gefischt und besonders in Neapel zu Perlen, Kameen u. s. w. verarbeitet. Der Wert der jährlich in den Handel gebrachten rohen K. steigt über 1 Mill. Frs. Lacaze-Duthiers hat im Auftrage der franz. Regierung über das Edelkorall, seine Fortpflanzung und Gewinnung genaue Untersuchungen angestellt (Du corailv, [Par. 1865). Vgl. Münter, alüber Korallentierer (Berl. 1872); Dana, «Corals and coral-islandso (Lond. 1875); Häckel, «Arabische K.» (Berl. crat Darwin, The structure and distribution of coralreefso (2. Aufl., Lond. 1876: deutsch von Carus, Stuttg. 1876).