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ErdkundeBrockhaus 1882

Korea, von den Eingeborenen Korio oder Kokore, von den Japanern Korai, von den Chinesen Kaoli lin älterer Zeit Tschao-Sjan, d. h. Ostland) genannt, ist ein Königreich, weiches mit einem Flächenraume von 218 192 qlem die große, nordöstlich von China gelegene, sich in südl. Richtung von der Mandschurei bis in die Nähe der japan. Insel Kiusiu erstreckende Halbinsel einnimmt. Grenzen derselben sind: gegen N. und NO. das Schneegebirge Schan-⸗jan-alin und unweit der Küste der K. von der russ. Küstenprovinz trennende Fluß Tuman-kang; gegen NW. und W. die chines. Landschaft Schingking und das Gelbe Meer; gegen S. die Straße von K. und .n O. die Japanische See. Da das schmale K. in der Richtung seiner Längenachse von einer die Wasserscheide bildenden Gebirgskette durchzogen wird, haben sich daselbst größere für Schiffahrt und Binnenverkehr zu benutzende Flüsse nicht entwickelt. Die Küste, namentlich die östliche, ist steil und hoch. Unweit der Westküste liegt der aus sehr zahlreichen kleinen, nur zum Teil bewohnten Inseln bestehende Koreasche Archipel, weiter von der Küste entfernt, der Südspitze der Halbinsel gegenüber, die größere Insel Quelpart. Obschon zwischen 34—43 nördl. Br. gelegen, hat K. ein ziemlich rauhes Klima und bei auffallend heißen Sommern sehr kalte Winter. K. ist in den minder hohen Gegenden und den Thälern der mittlern und südl. Provinzen ein fruchtbares Land, das vorzüglich Reis, Getreide, Tabak, Obst, Baumwolle, Hanf und in den nördlichern, mit großen Wäldern bedeckten Gegenden die Ginsengpflanze erzeugt. Der Königstiger streift in K. bis über 42° nördl. Br. hinaus, und Tigerfelle gehören mit zu den Ausfuhrartikeln. Die Viehzucht wird in K. selbst sehr wenig betrieben, nur auf der Insel Quelpart besteht starke Pferdezucht, welche das ganze Land versorgt. Der Bergbau auf edle Metalle, deren Ausbeutung Monopol der Regierung ist, wird sehr lässig betrieben, dagegen wird aus dem Flußsande heimlich einiges Gold gewonnen. (Vgl. Karte: China, Korea und Japan, Bd. IV, S. 275.) Die Bewohner K.s gehören der hochasiat. Rasse an und zeigen physisch mehr mit den Japanern als mit den Chinesen eine gewisse Verwandtschaft. Doch sind sie größer und kräftiger als die Japaner und zeichnen sich durch eine gewisse Energie und Intelligenz aus, eine Folge der Mischung mehrerer Stämme, aus welchen sie hervorgegangen sind. Unter den letztern Stämmen werden namentlich die in der Geschichte Hochasiens bekannten Sien-pi und die im Süden der Halbinsel wohnenden Han IIen Der Sprache nach zeigen die Koreaner mit keinem Volke Asiens nähere Verwandtschaft. Sie gehört morphologisch nicht den einsilbigen Sprachen Südostasiens an, sondern, gleich dem Japanischen, den mehrsilbigen Sprachen des Nordens. Sie ist mit einer Menge chines. Lehnwörter erfüllt, welche nicht der Schriftsprache, sondern einem nördl. Volksdialekt angehören. Sie wird sowohl mit der im Lande allgemein verständlichen chines. Schrift geschrieben, als auch mit einer einheimischen Schrift, welche aus der indischen hervorgegangen ist, daher mit der Einführung des Buddhismus zusammenhängt. Die Zahl der Bevölkerung beträgt nach japan. Nachrichten 7294367, doch soll 1881 eine Zählung eine Bevölkerung von 16227 885 Seelen ergeben haben. Die Einwohner sind Buddhisten mit Ausnahme einiger tausend röm.⸗kath. Christen. Berühmt ist ihr Papier, von dem große Mengen nach China ausgeführt werden, und von welchem verschiedene Arten statt des Leders zur Anfertigung von Hüten, Regenschirmen, Säcken und sogar dauerhaften Mänteln dienen. Ihre Töpfer⸗ und groben Porzellanwaren bilden einen Hauptzweig der inländischen Gewerbthätigkeit. Ihre Gewebe aus Hanf und Baumwolle sind grob, ihre mißt, sind unter C aufzusuchen. Seidenwaren mehr dicht als fein. Ginseng, Felle, Papier, grobe Thonwaren, Goldstaub und Tripang bilden die hauptsächlichsten Ausfuhrartikel. Die Einfuhrartikel bestehen hauptsächlich in Kupfer, Zinn, Garnen, Geweben, Glas und Schwefelhölzern. In den Vertragshäfen wurden 1883 von Japanern für 852696 Yens Waren importiert. Die Koreaner sind tüchtige Seeleute und Fischer, die selbst Walfischfang längs der Küste betreiben. K. war von den ostasiat. Ländern das letzte, welches noch bis vor kurzem an dem System gänzlicher Abschließung von den westl. Völkern beharrte. Der Handelsverkehr zwischen K. und China ist wenig bedeutend und fand früher nur über Land, auf einem schmalen, über ein durchaus wüstes und unbewohntes neutrales Grenzland führenden Wege statt. Die Handelsbeziehungen von K. mit Japan, welche bisher noch unbedeutender als die mit China waren, haben sich in neuester Zeit sehr entwickelt. Über die innern Zustände von K. fehlen zuverlässige Berichte. Man weiß nur, daß an der Spitze des Staats ein unumschränkt herrschender König (seit 1863 Tui Tschy) steht, mit einem zahlreichen, dem chinesischen nachgebildeten Personal von Hof⸗ und Reichsbeamten, und daß das Reich aus 8 Provinzen besteht, welche in 360 Bezirke geteilt sind. Die Hauptstadt des Landes und Residenz des Königs ist Söul, am Flusse Kan-kiang, mit 199 127 E. (nach japan. Nachrichten; nach einer Angabe des Korvettenkapitäns Herbig hat Söul 250000 E.). Die älteste Geschichte von K. ist sehr dunkel und wird nur teilweise durch Streiflichter aus der chines. Geschichte erhellt. Für älteste Bewohner Koreas werden die von den Chinesen so genannten Han im Süden der Halbinsel gehalten, obgleich sie später als die Bewohner ihres nördl. Teils bekannt wurden. Die ersten Mitteilungen eines Europäers über K. sind die des Holländers Heinrich Hamel, 1688, der 1654 an der Insel Quelpart Schiffbruch erlitten und mit 13 Leidensgefährten 13 Jahre in K. in Gefangenschaft zugebracht hatte. Weitere Nachrichten über K. gewährten die Berichte der hauptsächlich zum Zwecke der Küstenaufnahme von den Franzosen, Engländern und Amerikanern ausgesandten Expeditionen. Als im Jan. 1866 eine russ. Fregatte an der Küste von K. erschien, um über die Abtretung eines Landstrichs an Rußland zu unterhandeln, steigerte sR bei der Regierung von K. der Haß und das Mißtrauen gegen die Europäer in dem Maße, daß im März desselben Jahres in der Hauptstadt, wo seit 1837 röm.kath. Missionare nicht ohne Erfolg das Christentum lehrten, 9 von ihnen, hauptsächlich Franzosen, hingerichtet wurden. Um hierfür Rache zu nehmen, suhr der franz. Kontreadmiral Roze Ende Okt. 1866 mit der Korvette Primauguet und zwei kleinen Dampfern den Fluß Kan⸗-kiang hinauf, beschoß die Stadt Kang-hoa, und verbrannte die Regierungsmagazine daselbst. In den J. 1871 und 1872 schickte Nordamerika Expeditionen nach K., angeblich um die Bevölkerung derselben zur Rechenschaft zu ziehen wegen Ermordung der Bemannung des 1866 an der Küste der Halbinsel gestrandeten nordamerik. Schoners General Sherman. Das seit dem 17. Jahrh. bestehende Vasallenverhältnis K.s zu China, welches sich auf Anzeige eines Thronwechsels und Sendung einer jährlichen Gesandtschaft beschränkte, wurde zuerst von Japan durchbrochen, indem letzteres durch den Vertrag von Söul am 27. Febr. 1876 die Unabhängigkeit von Korea anerkannte, und dagegen die Eröffnung mehrerer Häfen für japan. Unterthanen und das Recht konsularischer Vertretung erlangte; 1877 wurde den Japanern Fusan an der Südküste, 1880 Gensan an der Ostküste, 1881 Ningseng oder Jinsen an der Westküste eröffnet; seit 1877 befindet sich ein japan. Ministerresident in Söul. Hierauf schloß 5. Mai 1882 der amerik. Commodore Schufeldt einen Freundschafts- und Handelsvertrag mit K., der im Juli den Ausbruch einer Emeute gegen die Fremden verursachte, welcher aber bald unterdrückt wurde. Am 26. Nov. 1883 wurde ein Handelsvertrag mit Großbritannien und gleichzeitig mit dem Deutschen Reiche abgeschlossen; ferner sind am 26. Juni 1884 mit Italien und am 7. Juli 1884 mit Rußland Verträge abgeschlossen worden, die identisch sind mit den mit Deutschland und Großbritannien unterzeichneten. Angehörigen dieser Staaten sind jetzt gleichfalls die Häfen Chimulpo (Ningseng), Fusan und Gensan geöffnet. Anfang Dezember 1884 kam es in Söul zu blutigen Parteikämpfen; die Anhänger japan. Einflusses ermordeten zuerst sieben Minister, welche in dem Verdacht standen, die chines. Interessen zu begünstigen, und zwangen den König, ein ihm von den Japanern bezeichnetes Kabinett zu ernennen. Letzteres brachte die Chinesen derartig auf, daß sie mehrere der neuen Minister, sowie einen Sohn des Königs, bei einem vom Könige zu Ehren des engl. Generalkonsuls gegebenen Banket, niedermachten und das Gebäude der japanes. Gesandtschaft niederbrannten (7J. Dez.). China und Japan sandten hierauf gemeinschaftlich Truppen nach K., um dort die gestörte Ordnung wiederherzustellen. Litteratur. Klaproth, San kokf tsou ran to sets Ou aperçu général dées trois royaumesv (Par. 1832); Dallet, Histoire de P'église de Corée (2 Bde., Par. 1874); E. Oppert, «A forbidden land: voyages to theé Corea v (Lond. 1880; deutsch „Ein verschlossenes Land. Reisen nach Coreav, Lpz. 1880); Roß, History of Coreay (Lond. 1880); Griffis, Corea, the hermit nation (Lond. 18892). Über die Sprache vgl. Friedr. Müller, «Grundriß der Sprachwissenschafte (Bd. 2, Abteil. 2, Wien 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 530Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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