Malta (bei den Alten Melite), eine jetzt den Engländern gehörende Insel im Mittelländischen Meere zwischen Sicilien und der afrik. Küste, hat mit den ganz nahe dabeiliegenden Inseln Gozzo, Comino und den unbewohnten Cominotto und Filfola einen Flächeninhalt von 322,6 akm, wovon auf M. allein kommen. Die Inseln sind außerordentlich dicht bevölkert und zählen (1881) 149 782 E. ohne die 10771 Mann starke Garnison. Der Boden, bestehend aus verwittertem Kallfelsen, mit Höhlen und Grotten, ist ziemlich hügelig und voll Steinklippen. Das Klima ist heiß, doch durch Seewinde abgekühlt und gesund. An Ziegen, Schafen, Eseln, Geflügel, Fischen und Honig fehlt es nicht. Man baut Hülsenfrüchte, Gemüse, Sodapflanzen, besonders viel Weizen, Baumwolle, Zuckerrohr, s chönes Obst und Südfrüchte, diean Güte die italienischen übertreffen, auch etwas Wein, der dem spanischen gleichkommt. Die Flora ist sehr üppig, besonders waren die Rosen schon im Altertum berühmt. Man bricht Marmor, Alabaster und gute Bausteine; Salz wird aus Seewasser bereitet. Der Gewerbfleiß beschränkt sich auf die Verfertigung von baumwollenen und seidenen Zeugen, von Cigarren und Tischlerwaren. Dagegen sind Handel, Schiffahrt und Fischerei sehr bedeutend. Die Einwohner bekennen sich zur kath. Kirche und gehören meistens dem maltesischen (semitischen Volksstamm an. Offentliche Geschäftssprache ist seit 1823 das Englische; doch wird auch italienisch und auf dem Lande ein mit Wörtern vieler andern Sprachen gemischtes, verdorbenes Arabisch gesprochen. M. ist in 26 Casals oder Dorfdistrikte getheilt. Im J. 1879 war die Zahl der Schulkinder 9595; dazu in den beiden Lyceen zu Valetta und Vittoriosa und in der Universität 768 Studierende. Die Insel ist der Mittelpunkt des engl. Dampfschiffahrtssystems im Mittelmeere, aber auch strategisch wichtig, indem die Engländer durch dieselbe und durch Gibraltar das Mittelmeeer beherrschen, und ist daher sehr befestigt. Hauptstadt ist Lavaletta, vor 1570 war es Citta-Verchia. M. und Gozzo waren um 1400 v. Chr. tyrischphöniz. Kolonien, von deren Bauwerken sich noch jetzt auf Gozzo Spuren finden. Schon während der heroischen Zeit soll die Insel den Griechen bekannt gewesen sein, die sie angeblich damals Ogygia benannten und die Nymphe Kalypso dahin versetzten, deren Grotte noch jetzt gezeigt wird. Die Inseln wurden um 400 v. Chr. von den Karthagern besetzt, an deren Stelle im zweiten Punischen Kriege die Römer traten. Hier scheiterte 58 n. Chr. der Apostel Paulus, der nach der Sage bereits damals eine christl. Gemeinde gegründet haben soll, und noch zeigt man die Höhle, in der er sich damals aufgehalten. Im J. 454 n. Chr. eroberten die Vandalen die Insel, 494 die Goten, 533 die Byzantiner unter Belifar, 870 die Araber, die dieselbe Maltache nannten und mit einer geringen Unterbrechung bis 1090 besaßen, in welchem Jahre sie die sicil. Normannen einnahmen und als ein Marquisat mit Sicilien verbanden, dessen Schicksale sie bis 1530 teilte. Karl V. gab die Insel dem Johanniterorden (s. d.), der dann den Namen Malteserorden erhielt, als ein Lehn des Königreichs Sicilien. Bonaparte nahm M. auf seinem Zuge nach Agypten 1798 unter dem Großmeister von Hompesch (s. d.) durch Verrat ohne Widerstand ein; doch mußte sich die franz. Besatzung 1800 an die Engländer ergeben, in deren Besitz M. seitdem geblieben ist. Die Insel steht unter einem brit. Gouverneur, die Verwaltungs⸗ und Justizbehörden aber wählen die Bewohner aus ihrer Mitte. Die Staatseinkünfte und Staatsausgaben betragen (1882) 206 000, die Staatsschuld 384000 Pfd. St. Als Souverän von M. stiftete 1818 König Georg III. von Großbritannien den St. Michaels⸗ und Georgsorden. Vgl. Boisgelin, «Ancient and modern N. v (2 Bde., Lond. 1805); Bres, (M. antica illustratay (Rom 1816); d'Avalos, «Tableau historique, politique, physique et moral de Malter (Par. 1830); Tullack, AXM. under the Phoenicians, Knights and Englisho (Lond. 1861); H. Prutz, „Die Insel M. v län «Unsere Zeito, Jahrg. 1883,