FeedKosmos (grch.) bedeutet eigentlich Schmuck
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Kosmos (grch.) bedeutet eigentlich Schmuck, Ordnung, dann die geordnete Welt, Weltordnung, Weltall, daher Kosmographie Weltbeschreibung im Gegensatz zu der Geographie oder Erdbeschreibung, und kosmische Verhältnisse lolche, welche die Natur im großen und ganzen, die Delialt heherr nebst den allgemeinen, das ganze Weltall beherrschenden Kräften der Schwere, des Lichts, des Magnetismus und der Elektricität betreffen, zum Unterschiede von tellurischen Verhältnissen als solchen, welche sich allein auf den Erdball beziehen, wie z. B. Klima, Witterung, Beschaffenheit des Bodens u. dgl. Den Alten war der K. die Kugel des Sternenhimmels um die Erde als ihren Mittelpunkt. Die Bewegung des Himmels war den Aritotelikern die Grundbewegung, aus welcher alle Bewegungen der Elemente und lebendigen Organismen herstammten, zugleich die vollkommenste aller Bewegungen als eine Vereinigung von Bewegung und Ruhe, weil eine sich um ihre Achse drehende Kugel, indem sie sich bewegt, doch zugleich auf ihrer Stelle bleibt. Der K. galt der größten Mehrzahl der alten Philosophen für ein beseeltes Wesen. Die ionische, eleatische, peripatetische und stoische Schule hielt ihn für die höchste Gottheit selbst; den Platonikern hingegen galt er für ein erzeugtes Ebenbild des höchsten Gottes, ein Wunderwerk von Schönheit und Harmonie. Anaximander und die Epikureer hingegen nahmen eine Vielheit von Welten an und leugneten dadurch den Begriff der höchsten Gottheit in dem Sinne, wie ihn beinahe das ganze übrige griech. Altertum auffaßte. Nach Aristotelischer Vorstellung besteht der K. aus den Sphären der Gestirne, welche als hohle, bewegliche Kugeln oder Hülsen gedacht werden, an deren jeder das Gestirn ihres Namens befestigt ist. Um die Erde zunächst bewegt sich die Sphäre des Mondes, um diese die des Merkur, dann der Venus, der Sonne, des Mars, des Jupiter, des Saturn und zuletzt des Fixsternhimmels. Die Sphäre des Fixsternhimmels besteht aus feurigem Ather als dem feinsten und leichtesten Stoff, die in der Mitte ruhende kugelförmige Erde aus den schweren Niederschlägen der gröbsten Elemente. Diese Anschauung, durch Eratosthenes und Ptolemäus mit mathem. Genauigkeit weiter ausgeführt, bildete das während des Mittelalters herrschend gewesene Ptolemäische Weltsystem. Diese Ansicht wurde aber schon im Altertum von einem Zweige der Pythagoräischen Schule, an dessen Spitze Aristarch von Samos stand, mit der Behauptung bekämpft, daß die Sonne der Mittelpunkt der Welt sei, um welchen die Erde sich bewege. Mit dem Glauben des Altertums an eine Beseelung des K. line die Vorstellung zusammen, die Teile und Glieder organischer Wesen in den Teilen und Gliedern des K. wiederzufinden, wie z. B. ein dem Orpheus zugeschriebener Hoymnus in Sonne und Mond die Augen der Gottheit, in der Erde und den Gebirgen ihren Leib, im Ather ihren Verstand, in der Luft ihre geflügelten Schultern erblickt. Diese Vorstellungsweise wurde in späterer Zeit von den Naturphilosophen des 16. Jahrh., Paratelsus an der Spitze, dahin erneuert, daß man die Welt für einen menschlichen Organismus im großen (Makrokosmos), den Menschen für eine Welt im kleinen (Rikrokosmos) erklärte. Als durch Kopernikus das Ptolemäische System gestürzt wurde, ließ sich auch die Sonne als ein bloßer Fixstern unter Fixsternen nicht länger mehr als der Mittelpunkt des Weltgebäudes behaupten, und es trat an die Stelle einer sich umdrehenden Kugel ein völlig gestaltloser und unermeßlicher Ocean von Welten über Welten. Giordano Bruno, Kepler, Newton befestigten das Kopernikanische System, und es entstand nunmehr die Frage, ob die Welt vielleicht ohne alle Grenze sei und sich völlig ins Unendliche erstrecke, und ob auch die andern Weltkörper wie unsere Erde bewohnt seien. Fontenelle bejahte die Frage in seinen berühmten Eutretiens sur la pluralité des mondeso (1686) und Kant in seiner «Allgemeinen Naturgeschichte und Theorie des Himmelso (1755). Neuere Naturphilosophen, wie Schubert in Die Urwelt und die Fixsterne⸗ (1822), haben die Unendlichkeit der Welt wieder verneint. Die Ansicht von einer Beseelung des Weltalls ist in neuester Zeit zuerst im allgemeinen durch Schelling in seinem Buche «über die Weltseeler (Jena 1798) und hernach in speziellerer Durchführung durch Fechner in dessen Zendavesta, oder über die Dinge des Himmels und des Jenseits⸗ (Opz. 1851) erneuert worden. — Die mytholog. Ansichten des Altertums von der Entstehung der Welt sind enthalten in den Kos mogonien, welche zumeist auch Theogonien oder Berichte von der Geburt der Götter sind, wie die Hesiods, der isländ. Edda und die in Manus Gesetzbuch. »(Kosmoso nannte auch A. von Humboldt das ⸗Werk seines Lebensy. Dasselbe umfaßte zunächst vier Bände (Stuttg. 1845, 1847, 1850 und 1858). Ein fünfter Band in zwei Teilen (1862) enthält nur wenige Fragmente von Humboldt selbst und ein Register zu dem ganzen Werke von Buschmann. Dasselbe sollte nach Humboldts eigenem Ausspruche «eine denkende Betrachtung der durch die Empirie gegebenen Erscheinungen, die Zusammenstellung des Entwickelungsfähigen zu einem Naturganzenv sein. Der erste Band ist ein selbständiges Ganzes, eine übersicht des Weltganzen und seiner Gesetze; der zweite ist eine Geschichte der Kosmographie im weitesten Sinne bis zum 17. Jahrh.; der dritte enthält eine nähere Ausführung des astron. Teils des ersten Bandes; im vierten und fünften wird mit der nähern Ausführung des tellurischen Teils im ersten Bande begonnen, doch ist das Werk Bruchstück geblieben. Der Kosmosv war eine Oppositionsschrift gegen die sog. Naturphilosophen der Schelling-Hegelschen Schule, welche die Natur aprioristisch, rationell ohne Erfahrungsstudien erklären wollte. Daher begegnet man im Kosmoso keiner neuen Lehre. Humboldt sammelte und ordnete vielmehr nur das, was seine Zeitgenossen und er selbst bereits ermittelt hatten. Tausende von Wahrheiten, Thatsachen, Messungen und Werten wurden gegeben. Sie waren das Beste und das Genaueste was die damalige Wissenschaft zu bieten hatte. Vgl. B. von Cotta, Briefe über Humboldts K.» (3 Bde., Lpz. 1850—51).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 552Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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