Sonne. Dieser Himmelskörper, von welchem Licht und Wärme ausströmen, der Haupt⸗ und Centralkörper, um den sich alle Planeten, die Kometen, Meteorschwärme u. s. w. bewegen, stellt sich uns als eine kreisrunde und glänzende Scheibe dar. Zufolge dieser Darstellung muß dieser Weltkörper eine der Kugelgestalt sehr nahe kommende Form haben, da nur eine Kugel dem Auge in allen Stellungen auf die angegebene Art erscheinen kann. Aus der Erscheinung der Sonnenflecken (s. d.) hat man gefolgert, daß sie sich in etwa 25 Tagen von Westen nach Osten um ihre Achse dreht; auch hat sie eine im Raume fortschreitende Bewegung. Daß die Erde nebst allen Planeten sich um die Sonne bewegt, lehrte schon Kopernikus (s. d.): aber die wahre astron. Beziehung der S. nicht nur zu der Erde, sondern überhaupt zu allen Haupt⸗ und Nebenplaneten unsers Systems hat uns erst Kepler (s. d.) kennen gelehrt. Ihre mittlere Entfernung von der Erde beträgt nach den neuesten Unter-Drobnahtn aus den Venusdurchgängen, den Marsbeobachtungen in dessen Sonnen⸗ und Erdnähe, aus den Bewegungen der Erde und des Mondes etwa 23300 Erdhalbmesser oder 148 670000 km, der scheinbare Halbmesser der S. aber zur Zeit, wo sie sich in der mittlern Entfernung von der Erde befindet, fast 961 Sekunden. Doch ändert sich derselbe im Verhältnis mit der Entfernung der S. und beträgt zur Zeit der größten Entfernung 945, zur Zeit der kleinsten 977 Sekunden. Aus diesem scheinbaren Halbmesser der S. in Verbindung mit ihrer Entfernung von uns folgt, daß ihr wahrer Halbmesser 693000 Km beträgt. Ihre Oberfläche enthält daher über 6 Bill. Quadratkilometer und ihr Körperinhalt ber 1,4 Trill. Kubiklilometer, sodaß sich aus der S. über 1280000 der Erde gleiche Kugeln bilden ließen. Auch an Masse ist die ungeheuer groß, da sie die Masse der Erde 355000 mal und die aller Planeten ihres Systems zuhin nbengenommen gegen 800 mal übertrifft. über ie physische Beschaffenheit des Sonnenkörpers sind die Astronomen von jeher verschiedener Meinung gewesen. Nach der von Herschel aufgestellten Hypothese ist die S. ein mit einer leuchtenden Atmosphäre umgebener, für sich aber dunkler Körper, auf dessen Oberfläche sich, gleichwie auf der Erde, Berge und Thäler befinden. Jene Atmosphäre ist nach Herschel eine dreifache. Den Sonnenkörper umgibt zunächst eine dunkle, wolkenartige Schicht, welche durch eine zweite, sehr elastische und durchsichtige Schicht von der äußersten, der Atmosphäre, entfernt gehalten wird. Demnach wäre eigentlich die letztere für uns die Quelle des Lichts und der Wärme. Die ältere Ansicht, von Galilei besonders ausgesprochen, daß die S. eine weißglühende, feste oder flüssige Masse sei, hat durch die neuern Untersuchungen des Sonnenspektrums wieder die Herschelsche Hypothese verdrängt. Man denkt sich, daß der feurigflüssige Körper der S. umgeben ist von einer Chromosphäre, in welcher von der feurigen Masse aus mächtige Eruptionen oder Lichtentwickelungen stattfinden. Diese letztern, bekannt unter dem Namen Protuberanzen (s. d.), konnte man früher nur bei totalen Sonnenfinsternissen beobachten. Die totale Sonnenfinsternis im Aug. 1868 lieferte das wichtige Resultat, daß man diese Tagedeeht wah mit dem Spektroskop auch zu jeder Tageszeit wahrnehmen kann. Der Astronom Jansen und fast gleichzeitig auch Lockyer waren die ersten, welche mit dem Spektroskop an der Stelle, wo Protuberanzen am Sonnenrande erscheinen, helle Linien sahen. Seit dem Sommer 1872 sieht man bei geöffnetem Spalt im Spektroskop (wie Huggins und Zöllner gezeigt haben) die Protuberanzen in ihrer ganzen Ausdehnung. Die vielfachen Beobachtungen der Protuberanzen haben konstatiert, daß dieselben sehr raschen Veränderungen unterworfen sind, die oft Gestalt und Größe innerhalb weniger Sekunden wechseln. Nach den neuesten Wahrnehmungen mehrerer Astronomen hat man die Ansicht aufgestellt, daß an den Stellen, wo Protuberanzen sichtbar werden, bald darauf Flecken erscheinen, und danach würde die Häufigkeit der Protuberanzen ebenso wie die der Sonnenflecken einer elfjährigen Periode unterworfen sein, was sich bei dem letzten Sonnenflecken-Minimum bestätigte. Die Sonnenflecken mit ihrer Umgebung (Penumbra) hält man nach der Kirchhoffschen Hypothese für dichtere Wolkengebilde, welche über der feurigflüssigen Masse sich erheben. Durch Vergleichung der Linien im Sonnenspektrum mit den Linien im Spektrum irdischer Stoffe denkt man sich in der Sonnenatmosphäre, welche eine Temperatur von vielen tausend Graden haben soll, die Stoffe Natrium, Calcium, Magnesium, Eisen u. s. w. in gasförmigem Zustande; auch die Existenz von Sauerstoff ist neuerdings nachgewiesen. Vgl. Secchi, „Die S.» (deutsch von Schellen, Braunschw. 1872); Young, Die S.» (deutsche Ausgabe, Lpz. 1882).