FeedKohäsion
NaturlehreBrockhaus 1882

Kohäsion oder Synaphie (Zusammenhaften) nennt man die Kraft, vermöge welcher die Teilchen eines und desselben festen oder auch flüssigen Körpers zusammenhaften. Luftförmige Körper zeigen keine K., bei flüssigen ist sie äußerst gering, und nur bei starren Körpern hat sie einen mehr oder weniger hohen Grad. Was das eigentliche Wesen und die Natur dieser Kraft betrifft, so haben die Philosophen und Naturforscher seit den ältesten Zeiten die verschiedensten Ansichten darüber ausgesprochen. Nach den Peripatetikern war die K. oder Härte eine Qualität zweiter Ordnungo oder eine Folge der Trockenheit, welche ihnen für eine Qualität erster Ordnunge galt. Die Scholastiker schrieben sie einem aursprünglichen Leimey oder kleinen Häkchen an den Atomen zu. Galilei wollte sie aus dem Abscheu der Natur vor dem leeren Raum (horror vacui), Cartesius aus der Ruhe der Atome, Leibniz aus deren der Luft 9 Bewegung, Bernoulli aus dem Drucke der Luft oder des Athers, Winkler aus dem Elementarfeuer oder der Elektricität, Ritter aus dem Magnetismus und Kant aus der allgemeinen Anziehung und Abstoßung erklären. Das eigentliche Wesen der Kohäsionskraft ist für uns jedenfalls unergründlich. Bestimmt man durch Versuche die Größe der Kraft, welche die K. der Trennung der Teilchen eines Körpers entgegensetzt, so nennt man die Belastung in Kilogrammen, welche nötig ist, um ein Stück eines Stoffs von 1 gem Querschnitt zu zerreißen, die absolute Festigkeit (s. d.) dieses Stoffs. Ahnlich kann man das Zerbrechen, Zerdrehen oder Zerdrücken eines Körpers zur Bestimmung der Festigkeit anwenden. ber sofern die K. mehr oder weniger die Wiederherstellung der frühern Gestalt, nachdem diese durch äußere Kräfte verändert worden ist, bewirkt, heißt sie Elasticität (s. d.). Je nach der Art, wie durch die K. der Zusammenhang der Teilchen eines Stoffs erhalten wird, nennt man den Stoff weich oder hart, geschmeidig und elastisch oder spröde. Es gibt Stoffe, welche je nach ihrer Behandlungsweise sehr verschiedene Kohäsionsverhältnisse zeigen. So z. B. wird der Stahl, bis zum Weißglühen erhitzt und dann schnell abgekühlt, glashart oder spröde, durch schwaches Erwärmen (Anlassen) wieder elastisch (3. B. Uhrfederstahl), durch noch weiteres Erwärmen und langsames Kühlen weich, biegsam. Ahnliche Verhältnisse 1 das Glas, so z. B. sind die zu rasch abgekühlten Bologneser Fläschchen und Glasthränen oder Glaswürmer höchst spröde, derart, daß sie schon beim Ritzen zerspringen. Dagegen hat das Hartglas von de la Bastie (1874) durch Erhitzen bis zur schwachen Rotglut und Eintauchen in ein 300 C. warmes Olbad seine Sprödigkeit derart eingebüßt, daß es nicht nur plötzliche große Temperaturwechsel, sondern auch heftige Schläge, Stöße u. dgl. m. aushält. Ebenso widerstandsfähig verhält sich das durch starke Pressung erzeugte Preßhartglas von Friedr. Siemens. In krystallinischen Körpern ist die K. der Teilchen im allgemeinen nach verschiedenen Richtungen gegen die Krystallachsen verschieden groß. (S. Aggregat, Anziehung, Adhäsion, Krystallisation.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 395Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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