FeedKrampfader (varix, phlebektasis)
HeilkundeBrockhaus 1882

Krampfader (varix, phlebektasis), die chronische Ausdehnung einer Blutader (Vene), wobei die letztere nicht bloß dicker, sondern auch länger wird und nun als gewundener dicker Strang durch die Haut hindurchscheint. Die K. entstehen, wenn der Rückfluß des Blutes gehindert ist, oder wenn die Venen aus sonst einer Ursache so lange stark mit Blut überfüllt waren, daß sie an ihrer Clasticität eingebüßt haben und sich nach der Entleerung nicht mehr auf ihren frühern Umfang zusammenziehen. Die durch Stauung des Blutes entstehenden K. finden sich am häufigsten in den Beinen, bei Leuten, welche viel stehen; ferner bei Frauen, welche schwanger waren, wo die Gebärmutter durch Druck auf die Bauchgefäße den Blutlauf in den Beinen erschwert hat. Ähnlichen Ursprungs sind die K. am After, die Hämorrhoiden (s. d.), sowie der sog. Krampfaderbruch (s. d.). Die K. an den Beinen (sog. Aderbeine) machen oft heftige Schmerzen, namentlich wenn sie große Knoten bilden und sich durch Druck oder Reibung entzünden. Ferner bersten die K. bei Verletzungen (Stößen u. dgl.) auch leichter als andere Venen und können dann gefährliche Blutungen veranlassen oder infolge der anhaltenden Blutstockung in den Haargefüßen hartnäckige Flechten, sowie schmerzhafte und schwer heilende Geschwüre (Bein- oder Unterschenkelgeschwüre) zur Folge haben. Mitunter bilden sich auch in den Blutaderknoten sehr harte rundliche bis erbsengroße Körper (sog. Venensteine), die aus verkalktem Fibringerinseln bestehen. Beseitigt oder doch wenigstens verkleinert und geschützt werden die K. durch das Tragen von Gummi⸗ oder Schnürstrümpfen; umständlicher ist das Anlegen von Rollbinden oder Kleisterverbänden. Auch die Kälte, in der Form von kalten Douchen und übergießungen, des Eises und der kalten Umschläge mit Alaun⸗, Zink⸗ und Bleilösungen leistet häufig vortreffliche Dienste. Blutungen aus ihnen werden wie andere Blutungen decke die ui man lagere das Bein möglichst hoch, bedecke die blutende Stelle mit einer Kompresse, die mit Carbolwasser befeuchtet, und umwickele das Bein fest mit einer Binde oder einem Tuche; bei starker Blutung sind die Blutadern unterhalb der blutenden Stellen mit den Fingern fest zu komprimieren. Die Bein- oder Unterschenkelgeschwüre heilen sehr schwer; man muß das Bein horizontal legen, die Eiterung durch Aufweichen der alten Krusten, Reizung derselben (mit Höllenstein oder adstringierenden Mitteln) befördern. Am besten behandelt man sie mit feuchtwarmen, Tag und Nacht liegenden Umschlägen (luftdichten Verbänden aus Kautschuktaft). Bei hartnäckigen Fußgeschwüren sind oft Heftpflasterverbände oder Einwickelungen des ganzen Unterschenkels mit Martinschen Gummibinden nützlich.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 569Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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