Kraszewfki (Jos. Ignaz), einer der namhaftesten Schriftsteller der Polen, geb. 26. Juli 1812 in Warschau, erhielt seine Bildung in Lublin und auf der Universität zu Wilna. Als er sich vergeblich um ein Lehramt an der Universität zu Kiew beworben hatte, widmete er sich auf seinem Gute Omelno in Volhynien ausschließlich der schriftstellerischen Thätigkeit. Später bekleidete er fünf Jahre mißt, sind unter C aufzusuchen. hindurch das Ehrenamt eines Kurators des Gymnasiums in Zytomierz. Im J. 1860 siedelte K. nach Warschau über und redigierte hier mit Erfolg die ((iazeta Polskar, verließ aber beim Ausbruch der Revolution 1863 Polen und schlug seinen Wohnsitz in Dresden auf, wo er eine Villa erwarb und 1876 die sächs. Staatsangehörigkeit erlangte. Im Sept. 1879 feierte er in Krakau unter großartiger Teilnahme von ganz Polen sein 50jähriges Schriftstellerjubiläum, er wurde von den Universitäten Krakau und Lemberg zum Doktor der Philosophie ernannt und Ehrengaben im Werte von über 120000 Mark wurden ihm dargebracht; diese schenkte er später größtenteils dem Polnischen wissenschaftlichen Verein in Posen. Als er im Juni 1883 von einer Badereise aus Pau über Paris in Berlin eintraf, wurde er infolge einer Denunziation des Litteraten Adler auf Requisition des dresdener Gerichts verhaftet, darauf nach Dresden gebracht, zugleich erfolgte Haussuchung in seiner Wohnung. Zwar wurde er seines leidenden Gesundheitszustandes wegen freigelassen, doch polizeilicher Aufsicht unterworfen. Mit dem preuß. Hauptmann a. D. Hentsch vor das Reichsgericht in Leipzig gestellt, wurde er 19. Mai 1884 wegen vollendeten Landesverrats, insbesondere weil er das Deutsche Reich schädigende Schriftstücke, Geheimnisse der deutschen Militärverwaltung betreffend, an fremde Regierungen befördert, sowie wegen der Aufforderung zum Landesverrat unter Annahme mildernder Umstände zu drei Jahren sechs Monaten Festungshaft verurteilt und wenige Tage darauf zur Verbüßung dieser Strafe nach Magdeburg gebracht. Als Schriftsteller hat K. eine außerordentliche Produktivität entwickelt. Er schrieb außer vielen Journalartikeln 450 Bände und versuchte sich fast in allen Gattungen der Litteratur. Das Vorzüglichste leistete er als Novellist und Romanschriftsteller. Seine Erzählungen, welche dem poln. Familien⸗ und Nationalleben entnommen sind und in denen er zur Versittlichung und Förderung des materiellen Wohlstandes seines Volks menschliches Ringen und Leiden geistreich, anschaulich und fesselnd schildert, haben den größten Einfluß ausgeübt und viel dazu beigetragen, in den gebildetern Kreisen seiner Landsleute die vorherrschende franz. Lektüre gegen die polnische in den Hintergrund zu drängen. Sie atmen indeß fast sämtlich glühenden Deutschenhaß. Unter die besten seiner Romane gehören „Swiat i poctap ((Welt und Dichtero, Posen 1839), (4 Bde., Warsch. 1843), Chata za wsig (3 Bde., Petersb. 1854) und 4Ostap i Jarynas (deutsch, von Fritz, 2 Bde., Bresl. 1856), Sfinxo (deutsch, Wien 1880), (Der verlorene Sohno (deutsch, Wien 1881), (Morituris (deutsch, Lpz. 1880), (Resurrecturiv (deutsch, Lpz. 1881). Histor. Romane sind: Hrabina Coselo (Gräfin Coselo, deutsch, Wien 1880), Graf Brühlv (Warsch. 1876). Von den poetischen Werken ist zu erwähnen: Anafielaso (3 Bde., Wilna 1840—43), das die Hauptepochen der ältern litauischen Geschichte darstellt. Wichtig in kritischer und litterarhistor. Hinsicht sind seine Abhandlungen, die er in den «Studya literackies (Wilna 1842) und 4Nowe studya literackio (2 Bde., Warsch. 1843), sowie der Zeitschrift Kthenaeumy veröffentlichte. Ihnen schließen sich die ͥVorlesungen über Danten (deutsch von Bohdanowitsch, Dresd. 1870) an. Von den Reiseschilderungen sind hervorzuheben WSspomnienia Podlasia, Wolynia i Litwyo (2 Bde., Wilna 1840), Wspomnienia Odessyʃ (3 Bde., Wilna 1845—46) und Kartki z podrôy 1858—64r.„ (Warsch. 1866). Unter den histor. Werken sind wichtig CWimo od boczatkéw jego do 17505 (4 Bde., 1840—42), (Litwar (2 Bde., Warsch. 1847-50), Polska w czasie trzech rozbiorwo (Kulturgeschichte Polens im Zeitalter der Teilungo, 3 Bde., Posen 1873 K.s erschien in 12 Bänden (Wien 1880—81). Unter dem Pseudonym Boleslawita schrieb K. Schilderungen aus dem poln. Aufstande von 1863. Vgl. Bohdanowitsch,K. in seinem Wirken»(Dresd. 1870). mitat, seit w1876 mit Mittelszolnok zu dem Komitat Szilgäy (s. d.) vereint.