FeedBrodzinski (Kazimierz)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Brodzinski (Kazimierz), namhafter poln. Dichter, geb. 8. März 1791 zu Krolöwka im Kreise Bochnia, trat 1809 zu Krakau in die Reihen der vaterländischen Streiter und ward Unteroffizier bei der Artillerie. Schon damals ließ er seine ersten Gedichte: Pienia wiejskier (Krakau 1811), erscheinen, in denen der volkstümliche Ton und Charakter trefflich wiedergegeben war. Er zog 1812 mit den Franzosen gegen Rußland, kam mit den Resten des poln. Heers 1813 als Artillerieoffizier nach Krakau zurück und folgte dann dem Zuge durch Osterreich und Sachsen. In der Schlacht bei Leipzig gefangen enommen, wurde er auf Ehrenwort entlassen und ebte nun ein Jahr in Krakau, dann in Warschau, wo er sich ausschließlich der Poesie und den Studien zuwandte. Seit 1818 erteilte er Unterricht in der poln. Litteratur im Piaristenkonvikt auf Zoliborz zu Warschau, bis er 1821 Professor am Lyceum und 1826 Professor der poln. Litteratur an der Universität wurde. Durch seine Gedichte, unter denen das idyllische Epos Wieslawy (deutsch von Schönke, Posen 1867) allgemeinen Beifall fand, besonders aber durch die in Paum Siene erschienenen Abhandlungen trug er vie zum Siege der neuen romantischen Dichterschule bei. Seit Auflösung der Universität im J. 1832 lebte er amtlos in Warschau, an einer Brustkrankheit leidend. Er starb 10. Okt. 1835 zu Dresden. Eine Sammlung seiner Schriften erschien in 10 Bänden (Wilna 1842—44; neue Ausg. von Kraszewski, 8 Bde., Warsch. 1872 —74). Auch als übersetzer des Hiobe, des Goetheschen Werther», Schillerscher Dramen, serb. und böhm. Volkslieder und der lat. Elegien des Jan Kochanowski war er thätig.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 567Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6