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ErdkundeBrockhaus 1882

Kreml bezeichnet im Russischen eine Festung oder einen mit einem Wall und einer Mauer umgebenen, meist im Mittelpunkte einer Stadt gelegenen Stadtteil, in welchem Sinne man von den verschiedenen K. zu Smolensk, Groß-Rowgorod, Wladimir, Nishnij-Nowgorod, Kasan sprechen kann. Indessen wird vorzugsweise der K. zu Moskau als solcher bezeichnet. Der K. in Moskau, einer der fünf Hauptteile der alten Kapitale des Reichs, in einer fieße von 30 m über der hart an seinem Fuß hinfließenden Moskwa erhaben, hat 5 kmeim Umfang und ist von einer dicken, mit vielen alten Wachttürmen versehenen Mauer umgeben, die überall Boult und steil zu Gärten, Kaipromenaden und Boulevards abfällt. Der K. enthält bloß Krongebäude, darunter das 1849 neuerbaute kaiserl. Residenzschloß; das 1701—3 erbaute Arsenal mit einer Sammlung kostbarer Waffen, auch vielen erbeuteten Kanonen, die rings um dasselbe aufgestellt sind; ferner die Schatzkammer; den frühern Palast des moskauer Patriarchen, das jetzige Synodalgebäude, endlich zwei Klöster und mehrere Kathedralen, Kirchen und Kapellen. Unter den Kirchen zeichnen sich namentlich aus die Uspenskische Kathedrale, worin die Zaren gekrönt werden, die Archangelskische oder Begräbniskathedrale mit den Grüften aller Großfürsten und Zaren bis auf Peter d. Gr. und die Kirche, wo das Heilige Öl bereitet wird. Auch verdient Erwähnung der 85 m hohe, freistehende, mit Üßt, sind unter C aufzufüchen. echtem Dukatengold vergoldete Glockenturm, der sog. Iwan Welikij, d. i. der große IJwan, mit der riesigen, an seinem Fuß auf hohem Gestell ruhenden, 480000 Pfd. schweren, jedoch durch den Sturz zerbrochenen Glocke, dem Zar-Kolokol, und einer andern, ebenfalls sehr kolossalen Glocke, die 120000 Pfd. wiegt und auf der Höhe des Turms noch in Thätigkeit ist. Eins der Hauptthore, durch welches man in den K. gelangt, ist die Spaskaja Worota, in der eine ewige Lampe brennt, vor der alle Durchpassierenden mit entblößtem Haupte sich bekreuzen müssen. Schon 1280 wird eines Palastes gedacht, den der jüngste Sohn des Großfürsten Alexander Newskij, Dan. Alexandrowitsch, im K. erbaute; doch ward derselbe erst seit der Zeit berühmt, als der Großfürst Iwan Danilowitsch Kalita feinen Herrschersitz 1328 von Wladimir nach Moskau verlegte, wobei er zugleich den K. mit einem hölzernen Bollwerk umgab. Zweimal, 1355 und 1365, brannte der ganze K. ab, worauf ihn der Großfürst Dmitri Iwanowitsch Donskoi 1367 von Stein wieder aufbaute. Erneut und bedeutend erweitert wurde er von IJwan Wassiljewitsch I. Napoleon I. versuchte bei seinem Rückzuge aus Moskau 23. Okt. 1812 den K. zu sprengen, doch gelang dies nur im geringen Maße, und schon unter Alexander I. war jede Spur der Zerstörung verwischt. Vgl. Weltmann, Dostopamjatnosti Moskowskago Kremlja ( Denkwürdigkeiten des Moskauer Kremlo, Mosk. 1843).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 596Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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