Kriegsmaschinen, wie sie bei den Kulturvölkern des Altertums, insbesondere bei den Griechen und Römern, und später im Mittelalter vor der Erfindung des Schießpulvers vorkamen, zerfallen in zwei Gruppen, d. i. Deckungsmittel und Zerstörungsmittel, letztere wieder in solche, die aus nächster Nähe wirkten, das sog. Stoßzeug, und in Schleuder- oder Schieß⸗ und Wurfmaschinen. Zu den Deckungsmitteln des Altertums gehörten die offenen Schirme (plutei) aus leichtem Holz, mit Blech oder Fellen überzogen, gewöhnlich auf Blockrädern beweglich, zur Sicherung der Schützen beim Angriff bestimmt, und die Sturmdächer (rinege), niedere, ebenfalls bedeckte Lauben, welche die mit Untergrabung der Mauern oder Ausfüllung der Gräben beschäftigten Mannschaften gegen herabgeworfene Steine und Feuertöpfe schützten. Ein Sturmdach auf Rädern hieß Schildkröte (testudo oder auch musculus). mißt, sind unter C aufzusuchen. Zerstörungsmittel aus der Nähe waren der Mauerbohrer (terebra), ein etwa 15 em starker Baum, vorn mit einem scharfen Spitzbohrer, der durch ein umgewickeltes Seil in einer Rinne umgedreht und zugleich vorwärts geschoben wurde, um die Fugen fester Mauern zu öffnen und die Steine locker zu machen, und der Mauerbrecher oder Widder (aries), auch Sturmbock, ein circa 20 m langer Baumstamm mit einem starken Metallknopfe, gewöhnlich unter einem Sturmdache aufgehangen, der von 20 bis 50 Soldaten mit großer Gewalt egen die Mauer gestoßen ward, um sie niederzustürzen. Der Widder hing nicht selten auch im untern Stockwerk eines Wandelturms (turris), der, mit Soldaten besetzt, auf Walzen an die Mauer gebracht wurde, zu welcher jene dann mittels einer Fallbrücke (exostra) übergingen. Es gab Wandeltürme, oft über 30 m hoch, 5—15 m ins Gevierte, aus mehrern Stockwerken bestehend, aus deren obern die Krieger durch Pfeilschüsse die Belagerten von der Mauer zu treiben suchten, während aus einem der mittlern Stockwerke die Fallbrücke niedergelassen wurde, nachdem ein Teil der Mauer durch den Sturmbock eingestürzt worden war. Der Sturmhaken (harpago) oder die Teufelskralle diente zum Einreißen der Zinnen und Blendwerke der Belagerten; die letztern benutzten den Haken, sowie eine an Ketten hängende Zange (corvus), um das Sturmzeug zu packen und unwirksam zu machen. Der Hebekasten (tolleno), mit 12—20 Kriegern besetzt, wurde mittels eines Krans auf die Mauer ebracht; die Sturmbrücke (sambuca), eine Art iegender Brücke mit einer 20 m hohen Leiter zwischen einem galgenförmigen Gerüst, diente dazu, um über einen Wassergraben an und auf die Mauer zu kommen. Die Schieß⸗ und Wurfmaschinen beruhten im Altertum auf der Torsionskraft gedrehter Stricke und zerfielen in solche zum geraden Schuß und in solche zum Wurf. Danach unterschied man bei den Griechen Pfeilgeschütze, welche Euthytonen Steinwerfer, welche Palintonen (Fννονα und Lithobolen (A1do6oi) genannt wurden. Beide Arten sind einer Armbrust ähnlich eingerichtet, nur in entsprechend größern Dimensionen, dabei auf festem Untergestell ruhend und mit zwei voneinander getrennten Bogenarmen versehen, deren jeder in einer Partie von ähnlich einer Sägeschnur gedrehten Stricken, aus Haar oder aus Tiersehnen geflochten, den sog. Spannnerven, steckte. Die das Geschoß führende Läuferbahn liegt bei dem Euthytonen horizontal, bei den Palintonen steigt sie unter 45 an; erstere schießen größere Pfeile, letztere werfen Steine oder Balken. Bei den Römern finden sich die Katapulten auch unter dem Namen Skorpionen, an Stelle der Palintonen treten die einarmigen Katapulten, Onager und später Ballisten genannt. (S. unter Balliste.) Als fahrbare Schießmaschinen kamen die Carroballisten vor. Im Mittelalter führten die K. zu deutsch den Namen Antwerk, mittellat. machinae oder ingenia. Späterhin wurde für Antwerk die Benennung Zeug üblich, die Erbauer der K. wurden Zeugmeister, ingenieurs, genannt. Die Deckungsmittel waren ähnlich wie im Altertum und zerfielen in fahrbare Holzbrustwehren, bedeckte Hallen und Rolltürme. Zum Stoßzeug gehörte der Sturmbock (frz. belier), ähnlich dem Widder der Alten, und die Bohrmaschinen, für welche die Namen Tarant, Fuchs und Krebs vorkamen. Das Schuß-⸗ und Wurfzeug war auf wesentlich andern Grundlagen erbaut als im Altertum. Für den flachen Schuß hatte man größere Armbrüste, welche die Namen Wag⸗, Stand⸗ oder Turmarmbrüste führten, und Rutten, d. i. säulenartige Gestelle, welche mittels einer sehr starken stählernen Schnepperfeder Pfeile wegschnellten. Zum Wurf dienten die Gewerffe, bei welchen das Geschoß mittels einer Schleuder am längern Arm eines Schwengels angehängt war, während auf den kürzern Arm des letztern ein sehr bedeutendes Gegengewicht wirkte, das entweder fest oder beweglich sein konnte. Zu den hohen Gewerffen, bei welchen das Gegenwicht fest war, auch durch Menschenkraft ersetzt werden konnte, gehören die Blyde (s. d.), der Tribock (frz. trébuchet), die Petraria. Die niedern Gewerffe hatten bewegliche Gegengewichte und hießen Mangen (s. d.), deren Einrichtung uns nur ungenau übermittelt ist. Die Munition der Gewerffe bestand aus großen, oft kolossalen Steinen, Hagel, schweren Lanzen, Brandstoffen, totem Vieh u. s. w. Litteratur. Von alten Schriftstellern sind zu erwähnen Heron, Philon, Biton, Vitruv; von neuern Lipsius (1590), Dufour, Mémoire sur Partillerie des anciennes et sur celle du moyen àge (Genf 1840); Prinz Louis Napoléon Bonaparte, (Etudes sur le passé et Pavenir de Partillericn (Par. 1851); Rüstow und Köchly, «Geschichte des griech. Kriegswesenso (Aarau 1852).