FeedKriegsspiel
GeschichteBrockhaus 1882

Kriegsspiel bezeichnet gegenwärtig die Ausführung einer taktischen übung auf Plänen mit Truppenzeichen und wird durch die in Italien übliche Benennung Manovyra sulla carta besser charakterisiert als durch das deutsche Wort. Es ist aus dem im 18. Jahrh. im Gebrauch befindlichen Kriegsschachspiel hervorgegangen, hat aber nach und nach die schematischen und einschränkenden Spielregeln immer mehr abzustreifen gewußt, sodaß es jetzt in der That kaum noch ein Spiel zu nennen ist, sondern in Wahrheit ein Manöver auf der Karte darstellt. Die an einem solchen Manöver teilnehmenden Offiziere werden in zwei sich gegenüberstehende Parteien geteilt, deren jede einen Führer hat, während das Ganze von dem Leitendeny die zu lösenden Aufgaben erhält und von ihm beaufsichtigt wird. Pläne in sehr großem Maßstabe (1:8000), auf denen die Truppenstellungen durch 9 markiert werden, bilden die Requisite zum K. Längere Zeit nur zu taktischen Üübungen des Feldkriegs benutzt, ist das K. in den letzten Jahren auch zu übungen im Festungs⸗ und im Seekriege verwendet worden. In Preußen schon seit Decennien vielfach geübt, hat das K. sich seit 1866 und 1870/71 auch in allen Staaten als ein Mittel zur taktischen Ausbildung der Offiziere Eingang zu verschaffen gewußt. Vgl. Verdy du Vernois, Beitrag zum K.5 (Berl. 1876), Meckel, «„Studien über das K.» (Berl. 1873), Naumann, Regimentskriegsspielo (Berl. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 618Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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