Taktik heißt sowohl die Lehre von der Verwendung der Truppen zum wirksamen Erfolge der Waffen, als auch die praktische Anwendung dieser Lehre. Mit der Strategie (s. d.) oder Heerführung hat sie die Grundbeziehungen aller Kriegsthätigkeit der Truppen: Aufstellung, Bewegung und Gefecht. Beide bedingen und ergänzen sich gegenseitig, sind also durch keine scharfe Grenzlinie zu sondern; nur die Geltung für den Kriegszweck unterscheidet sie. Die Strategie verfolgt die Entscheidung des Kriegs durch die gänzliche Niederwerfung des Gegners, die T. aber lehrt die Truppen zur Herbeiführung der Entscheidung durch das Hauptmittel, das Gefecht und die Schlacht, zu verwenden. Jede Truppengattung hat ihre eigene T., welche auf die Eigentümlichkeit der Waffe, ihre Ausrüstung, Gefechtskraft in der Offensive und Defensive, ihre Anwendbarkeit im Terrain und daraus entspringende Selbständigkeit basiert ist. Die T. der einzelnen Waffeno und deren Einübung ist als niedere oder Elementartaktik bezeichnet worden. Die Verbindung der Truppengattungen zu Truppenkörpern ergibt dann für deren Verwendung eine &T. verbundener Waffene, welche man auch höhere Taktik genannt hat. Insofern sich nun allgemeine Normen für Aufstellung, Bewegung und auch für Gefecht festsetzen lassen, gibt es eine reine oder formelle T., im Gegensatze der angewandten oder intellektuellen T., welche die Anwendung dieser allgemeinen Regeln unter bestimmten Umständen und Verhältnissen im Felde lehrt. Letztere handelt von den Märschen, dem Sicherheits- und Kundschaftsdienste, der Lagerung, von den Quartieren, den Rekognoszierungen, Gefechten im besondern Terrain, Schlachten, endlich vom kleinen Kriege. Vgl. von Brandt, «Grundzüge der T.v (3. Aufl., Berl. 1859); von Decker, Die T. der drei Waffen (3. Aufl., 2 Bde., Berl. 1854); von Verdy du Vernois, «Studien über Truppenführung⸗ (2 Bde., Berl. 1873—76); Meckel, Lehrbuch der T.v(2 Bde., Berl. 1874 —76); von Scherff, Von der Kriegführunge (2. Aufl. der „Lehre von der Truppenverwendung als Vorschule für die Kunst der Truppenführunge, Berl. 1883).