Kronstadt, Seefestung und Hafenplatz im russ. Gouvernement Petersburg, 48 km westlich von Vetersburg an der schmalsten Stelle des Finnischen Meerbusens, der Newamündung gegenüber auf einem hohen, 8 km langen, aber nur schmalen Kalkfelsen, der Kotlin-Ostrow, d. h. Kesselinsel (finn. Retusari, d. h. Ratteninsel), gelegen, und durch diese Lage wie durch die Stärke ihrer Werke das Hauptbollwerk Petersburgs, der bedeutendste Kriegs- und belebteste Handelshafen des Reichs, ward 1710 von Peter d. Gr. auf der den Schweden 1703 entrissenen wüsten Insel als Hafen von Petersburg gegründet und mit Forts versehen, die später beträchtlich erweitert und verstärkt wurden, sodaß die im Mai 1855 erschienene engl.⸗franz. Flotte nur Rekognoszierungen wagte. K. ist Sitz der Admiralität und eines Militärgouverneurs, hat gerade, regelmäßige Straßen, viele schöne Gebäude, vier griech. Kirchen, eine luth., eine engl. und eine kath. Kirche, eine Moschee und die großartigsten Marineanstalten, ein Gymnasium, ein Theater, eine Matrosen-und eine Steuermannsschule, ein Marinearsenal, eine Stückgießerei, ein Marinelazarett, Kasernen, Schiffswerfte, Docks, Zollgebäude und bedeutende Magazine und zählt (1882) 48 276 E. Es bestehen drei abgesonderte Hafenbassins: der Kauffahrteihafen für 1000 Schiffe, der Mittelhafen für die Ausrüstung der Kriegsschiffe, beide sehr tief, und der Kriegshafen, welche sämtlich außer den eigenen Festungswerken durch das nahe, auf zwei kleinen verschanzten Nachbareilanden ebenfalls von Peter d. Gr. schon 1701 erbaute starke Fort Kronslot (Kronschloß) gedeckt sind. Zum Schutze der eigenen Flotte und zur wirksamen Sperrung des Fahrwassers ist seit 1871 die äußere Verteidigungslinie von K. auf 4 Km und darüber von der Mitte der Stadt hinausgelegt worden. Dieselbe besteht aus 30 Werken, von denen 14 am Lande, 9 im südl. und 7 im nördl. Fahrwasser liegen, und bis in die neueste Zeit sind die Werke und deren Armierung verstärkt worden. Bemerkenswert ist in der Stadt der große, ganz mit Granit gepflasterte Kanal, der von Peter d. Gr. angefangen und von Katharina II. beendet wurde, sowie das Häuschen, in dem Peter d. Gr. 1710 wohnte. Obgleich in dem hier bei der Nähe der Newamündung noch süßen Wasser die Schiffe leicht faulen und durch die lange Dauer des Eises, gewöhnlich von Ende November bis in den April, das Aus- und Einlaufen der Schiffe behindert wird, ist K. doch der wahre Handelshafen von Petersburg und der Mittelpunkt des Handels von Nordrußland. Alljährlich laufen über 4000 Schiffe ein und aus. Dazu kommt noch die stete Dampfboot-Verbindung zwischen K., Petersburg, Peterhof und Oranienbaum. Auch müssen Dampfschiffe von Reval, Helsingfors, Stockholm, Stettin, Lübeck und Havre jederzeit hier anlegen. Die durch den starken Seeverkehr herbeigeführte Frequenz wird noch vermehrt durch die übungen der kaiserl. Ostseeflotte, welche hier stationiert ist, und die einen großen Teil ihrer überzähligen Truppen hier einquartiert. Eine Menge von kleinern Schiffen befördert die von den ausländischen Seeschiffen gebrachten Güter nach Petersburg; regelmäßige Dampfboot-Verbindung findet ferner statt mit Riga, Stockholm (über Wiborg und Helsingfors), Stettin (über Swinemünde), Lübeck und Hull lüber Kopenhagen).