FeedKronstadt
ErdkundeBrockhaus 1882

Kronstadt (ungar. Brass6, rumän. Brasiovu), Stadt in Siebenbürgen und Hauptort des gleichnamigen Komitats, an der Linie Großwardein-K.⸗ Predeal (rumän. Landesgrenze) der Ungar. Staatsbahn, hinter und zwischen Bergen, an eine Waldwand gelehnt, in einer herrlichen Gegend, ungefähr 600 müber dem Meere, am Fuße der Hochgebirge. Unter den Gebäuden der innern Stadt zeichnet sich die evang. Domkirche aus. Dieselbe wurde 1385 —1425 erbaut, litt 1516 und 1534 durch Erdbeben und im April 1689 durch den großen Brand, welcher damals die ganze Stadt verheerte. Die Kirche enthält ein merkwürdiges Orgelwerk von Buchholz in Berlin und einen kunstvollen Altar aus neuerer Zeit von Schönthaler in Wien mit einem Bilde von Martersteig. Andere ansehnliche Gebäude sind das Rathaus, das in der Mitte des 16. Jahrh. erbaute Kaufhaus und die kath. Kirche, ferner das rumän. Gymnasium, die evangelische Mädchenschule, das Schützenhaus, eine große Infanteriekaserne und das Zinshaus der Pensionsanstalt. Auf der Nordostseite der Stadt liegt auf einem Bergrücken eine kleine Festung. Unter den drei Vorstädten ist die bedeutendste die Obere oder Rumänische Vorstadt, welche sich 5 Km weit in die Schluchten der Gebirge erstreckt. K. ist der Sitz der Komitatsbehörde, eines Gerichtshofs und anderer landesfürstl. Behörden, eines infulierten Abts, eines griech. nichtunierten Erzpriesters, und hat für alle drei Konfessionen Lehranstalten, unter denen sich das rumän. Gymnasium nächst den evang. Anstalten auszeichnet. Die Zahl der Einwohner beläuft sich (1881) auf 29584, darunter 9599 Deutsche, 9508 Magyaren und 9079 Rumänen; der Rest sind Armenier, Griechen und Juden. K. ist die bedeutendste Handels- und Fabrikstadt Siebenbürgens. Die hauptsächlichsten Erzeugnisse des Gewerbfleißes sind Tuch, Leder, Schnüre, Kerzen, Lederzeug, Schuhe, Aumh be Feldflaschen, Wachstuch, Papier u. s. w. Auch bestehen ein Kupferhammer, mehrere Petroleumraffinerien, eine Zündwarenfabrik, eine Papierfabrik, mehrere Tuchfabriken, Kunstmühlen u. s. w. Der früher besonders nach der Moldau und Walachei sehr lebhafte Handel hat bedeutend abgenommen. Es bestehen mehrere große Geldinstitute, so die allgemeine Sparkasse, die allgemeine Pensionsanstalt, der oterehurtan die Erste Siebenbürger Bank. Letztere hat am Bahnhof Lagerhäuser errichtet, durch welche der Produktenhandel neuen Aufschwung erhält. Die Umgebung K.s führt den Namen Burzenland, nach dem Bache Burzen, welcher dem Alt oder der Aluta zufließt. K. soll schon zu Anfang des 13. Jahrh. angelegt worden sein. Im 16. Jahrh. war die Stadt der Ausgangspunkt der luth. Reformation in Siebenbürgen, und ihr Reformator Honterus stand mit Luther in naher Beziehung. Ihren früher bedeutenden Handel nach dem Orient schützten die Könige von Ungarn durch ausgedehnte Privilegien. K. war sonst stark befestigt, doch sind die Werke jetzt zum Teil verfallen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 633Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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