Kuckuck (Cuculus) heißt eine zur Abteilung der Kuckucksvögel gehörige Vögelgattung mit 22 Arten, bei denen der Schnabel von Kopflänge oder kürzer, bis unter die Augen gespalten und mit scharfen ungezähnten Rändern versehen, der Lauf kürzer als die längste Zehe und bis unter das Fersengelenk befiedert und der Schwanz zehnfederig und lang ist. Von dieser Gattung, die jetzt nach nicht eben scharfen Kennzeichen in fünf bis sechs besondere Gattungen zerfällt und den Typus einer zahlreichen, in der ganzen Welt verbreiteten Familie bildet, besitzt Europa nur eine, aber überall verbreitete, doch nirgends häufige Art, den gemeinen Kuckuck (C. canorus), der in ganz Europa, Afrika und einem größern Teile Nordasiens angetroffen wird und in Deutschland als Zugvogel kaum je vor Mitte April eintrifft, wo er dann durch seinen bekannten zweisilbigen, fröhlichen Ruf, den er 10—12, ja 50— 80 mal hintereinander wiederholt, zum willkommenen Verkünder des Frühjahrs wird. Mitte Juli hört der K. zu rufen auf und zieht im August von dannen. Nur die in demselben Sommer geborenen Jungen erwarten zum Abzug die Mitte des Sepptember. Die meisten Arten des K. haben die (sprichwörtlich gewordene) Sitte, ihre Eier in fremde Ne ster, die von kleinern Vögeln, unser einheimischer 3. B. in die von Grasmücken, Bachstelzen, Rotkehlhen u. a., zum Ausbrüten zu legen. Hierbei scheint der Vogel sich in geringer Entfernung von dem fremden Neste des Eies zu entledigen und es dann mit dem Schnabel in das oft enge oder halbgeschlossene Nest zu tragen, und zwar jedes Ei in ein verschiedenes Nest. Der K. ist ein wahrer Insektenfresser, der bei seiner schnellen Verdauung einer außerordentlichen Menge von diesem Futter bedarf; besonders aber zieht er Raupen vor, von denen er auch die langhaarige Bärraupe und andere dergleichen, welche jeder andere Vogel verschmäht, begierig verzehrt. Er wird dadurch äußerst nützlich, und nichts ist verkehrter, als diesen ohnehin nicht zu häufigen Vogel zum Gegenstand der Verfolgung zu machen. Durch die in die Wände des Magens eindringenden und darin festhaftenden langen Haare, vorzüglich der Bärraupe (Euprepia Caja), wird die Innenseite des Magens so haarig, daß sie oft einem nassen Säugetierfell gleicht. Der K. ist 36 em lang, aschgrau, an Brust und Bauch weiß und schwarzbraun gebändert; Füße und Krallen sind gelb. Junge Weibchen sind rostrot und mit graubraunen Querbändern gezeichnet. Der amerikanische Kuckuck oder Kuhvogel (C. Ameri⸗- canus) brütet seine Jungen selbst aus. Am Kap der Guten Hoffnung lebt der jetzt zu einer der neuen Gattungen (Indicator) gehörige Honigkuckuck (C. indicator), der mit großem Geschrei die Bienennester anzeigt, in welche einzudringen ihm nicht gelungen ist. Eine sehr große Art, der Riesenkuckuck (Scythrops praesagus Neinardt, Tafel: Kuckucksvögel, Fig. 1), bewohnt die Molukken bis Neuguinea und Australien. Kuckucksbienen oder Schmarotzerbienen heißen mehrere Bienengattungen, welche nicht selbst bauen, sondern ihre Eier in die Baue anderer Honig sammelnder Hymenopteren legen, wo die ausgekrochenen Larven auf fremde Kosten leben. Die häufigste K. ist in Deutschland die rothörnige Wespenbiene (Nomada ruficornis L., s. Tafel: Insekten IV, Fig. 45).