FeedKürbis (Cucurbita L.)
PflanzenreichBrockhaus 1882

Kürbis (Cucurbita L.), eine zu den Cucurbitaceen gehörige meistens kletternde oder rankende Pflanzengattung, der Gurke nahe verwandt und gleich dieser mit einhäusigen gelben Blüten und mit zu einem Cylinder verwachsenen Staubbeuteln, aber von ihr durch Samen mit verdicktem, stumpfem Rande und durch geteilte Wickelranken unterschieden. Sie umfaßt mehrere Arten mit vielen Formen, deren Früchte entweder für die Küche (Speisekürbisse) oder zur Viehfütterung nutzbar, oder wirtschaftlich unbedeutend und nur durch Eleganz oder Bizarrerie der Gestalt oder durch schöne Farben ausgezeichnet sind (Zierkürbisse). Der Centner⸗ oder Melonenkürbis (C. maxima Duch.) hat große, nierenförmige, runde, stets tief geteilte Blätter; alle grünen Teile sind steifhaarig, doch die Haare niemals stechend. Die Abschnitte des Kelches sind bis zu einer gewissen Länge miteinander verwachsen, ohne Rippen und nur mit einigen Nerven, von der Basis bis zur Spitze verschmälert; der Fruchtstiel ist immer rund und ungerippt, oft nach der Blüte um vieles sich verdickend. Unter den Formen mit sehr großen, bald mehr kugeligen, bald mehr platt gedrückten und mehr oder weniger melonenartig gerippten Früchten, die nicht selten über 50—60 kg schwer werden, sind wegen der Feinheit und Haltbarkeit des gelben Fruchtfleisches am meisten geschätzt der spanische und der graue Boulogner Centnerkürbis. Hierher gehört auch der Valparaisokürbis, von der Form einer riesigen Citrone, 40—50 em lang bei 30—35 em Durchmesser, ohne Rippen, mit netzartig aufgerissener Oberhaut, wie bei der Netzmelone, und mit orangegelbem, süßem, sehr delikatem Fruchtfleische. Auch der Ohiokürbis ist wegen der guten Beschaffenheit der Frucht sehr beliebt. Der Bisamkürbis (C. moschata Duch.), mit langen, leicht sich einwurzelnden Ranken, welche gleich den Blättern mit zahlreichen weichen Stacheln besetzt sind, hat fünfeckige, dunkelgrüne, silberweißgefleckte Blätter. Die Abschnitte des Kelchs sind fast bis zur Basis frei; der Fruchtstiel mit fünf Rippen tritt mit verdicktem Ende in die Frucht ein. Das Fruchtfleisch hat einen mehr oder weniger bisamartigen Geruch und Geschmack. Hierher gehört unter andern der Neapeler Mantelsackkürbis mit 50—60 em langer, in der allein die Samen einschließenden Mitte dünner, am Ende stark aufgetriebener, 15—20 em dicker Frucht von dunkelgrüner, später gelblicher Farbe und mit orangegelbem, zuckerigem, parfümiertem Fleische. Der Gemeine Kürbis (C. Pepo L.) hat gelappte, oft tief eingeschnittene Blätter, mit öfters stechenden Haaren. Der Fruchtstiel ist fünfeckig, unverdickt in die Frucht eintretend und zur Zeit der Reife sehr hart. Die Abschnitte des Kelchs sind bis zu einer gewissen Länge verwachsen, über der Basis oft eingeschnürt, in der Spitze verschmälert. ißt, sind unter C aufzusuchen. Hierher gehört zunächst der Feldkürbis mit großer langer oder runder Frucht von verschiedener arbe; sie wird meistens zur Viehfütterung benutzt. Für den Küchengebrauch sind von Wert der Markkürbis, dessen Frucht länglich, 2540 em lang ist bei einem Durchmesser von 12 em, mit 5—10 Rippen, glatt, gelblich und weiß; der Birginische Kürbis, nicht rankend, mit 35—40 em langer, nach dem Stiel etwas verjüngter, fünfrippiger, weißer Frucht; der brasilianische Zuckerkürbis, mit länglicher, ziemlich kurzer, in der Mitte angeschwollener grüner, später orangegelber Frucht mit fünf schwachen Rippen und mit vielen flachen Warzen. Das reichliche gelbe Fleisch ist zuckersüß. Eine eigentümliche Form des Feldkürbisses ist die Bischofsmütze oder der Pastetenkürbis, eine nicht rankende Pflanze mit großen, ganzrandigen oder schwach-fünflappigen Blättern und etwas scheibenförmiger, auf einer Seite flacher, auf der Stielseite gewölbter Frucht mit flachem, fünf⸗ oder zehnlappigem Rande. Sie ist gelb, grün, orange oder grün und weiß gestreift und ihr Fleisch zwar nicht besonders süß, aber fest und ziemlich mehlig. Interessant ist auch der Fürkenbundkürbis, dessen Name der Form der Frucht vollkommen entspricht. Letztere wird 3—4 kg schwer und ist je nach der Varietät verschieden gefärbt, meistens in zwei oder drei Farben gestreift, in Grün, Gelb und Rot. Das reichliche Fleisch ist orangegelb, süß und mehlig. Zu einer andern Gattung gehört der Flaschenkürbis (Lagenaria vulgaris Ser.) mit ästigen Ranken, welche, wie auch die Blätter mit einer weißen, moschusartig riechenden Behaarung überzogen sind. Die Blüten sind weiß, die männlichen mit glockig-fünflappigem, die weiblichen mit napfförmigem Kelche, die Blumenkrone radförmig. Diese Art ist in mehrere Formen ausgegangen mit gelblichweißer, grünlicher oder rotbrauner, mehr oder weniger langhalsiger Frucht (Calabasse, Pilgerflasche, Pulverhorn, Siphon, Herculeskeule u. s. w.). Diese K. werden wegen der äußerst hartholzigen Frucht, welche man ihres Inhalts entleert und als Gefäße für Flüssigkeiten benutzt, in den Tropen allgemein kultiviert.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 694Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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