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ErdkundeBrockhaus 1882

Kurdistan, d. h. das Land der Kurden in Vorderasien, ist kein genau begrenztes Gebiet und erstreckt sich auf dem südl. Abhange des armen. Hochlandes und dem nordwestlichen des Zagrosgebirges, in dem Raume zwischen diesen beiden Gebirgen und dem Tigris ungefähr von 34 bis 39* 30 nördl. Br. und 38 bis 48 östl. L. von Greenwich, ein Raum von etwa 154200 qkm. Der größte Teil des Landes ist sehr gebirgig und rauh; doch sind die streifenartigen Thäler meist sehr fruchtbar und schön. Nur die Gegend längs des Tigris im südl. Teile des Landes ist ebener, aber im Sommer dürr und glühend heiß. Die Kurden sind ein räuberisches, zum Islam sich bekennendes Nomadenvolk indogerman. Stammes, das seit undenklichen Zeiten schon, immer dieselbe Lebensart führend, hier haust und den Alten unter den Namen der Karduchen und Gordyäer bekannt war. Ihre Zahl schätzt man auf 1500000 in der Türkei und 750000 in Persien. Sie selbst nennen sich Kirmandschi, halten sich für die unmittelbaren Nachkommen Noahs und zerfallen in 24 Stämme unter eigenen Häuptern; sie sind weit über ihre eigentliche Heimat hinaus verbreitet, besonders häufig in Armenien und Mesopotamien; aber sie wandern auch nicht selten als Hirten, Karawanenführer oder Räuber in Kleinasien und im Osten bis an das Grenzgebirge zwischen Persien und Turkestan, namentlich nach Chorasän. Nur wenige Stämme sind seßhaft, die meisten ziehen im Sommer mit ihren Herden in die kühlen Gebirge und im Winter in die niedrigern Gegenden am Tigris und Euphrat. Außer der Zucht von Ziegen, Schafen, Rindern, auch Kamelen und ausgezeichneten Pferden treiben sie einigen Ackerbau. Sie sind ein Reitervolk; obschon sie unter eigenen Fürsten leben, so ist ihr Gebiet doch nominell der Pforte und dem pers. Reiche unterworfen, und zwar so, daß jene den bei weitem größern nördl. Teil, der besonders die Vilajets Diarbekr (s. d.) oder K. im engern Sinne, und Erzerum, sowie einen Teil von Bagdad einnimmt, dieses dagegen nur den kleinern südl. Teil besitzt. Indes weder die Pforte noch die pers. Regierung besitzt die Macht, die Kurden in wahrer Abhängigkeit zu halten. Im türkischen K. sind Diarbekr (s. d.) und Bitlis (s. d.) oder Bedlis die bedeutendsten Orte; im persischen K. Kirmanschah (s. d.). Neben den Kurden leben aber noch andere Völkerschaften in K., so namentlich Türken im türkischen und Perser im pers. Teile; außerdem einige Beduinenhorden, vorzüglich aber Nestorianer. Die kurdische Sprache bildet einen Zweig des iranischen Sprachstammes und ist, obgleich dem eigentlichen Neupersischen nahe verwandt, doch nicht als ein bloßer Dialekt desselben, sondern mehr als eine eigene Schwestersprache zu betrachten. Man unterscheidet zwei Hauptdialekte außer dem Kirmandschi: das Zaza und das Guran. Die noch wenig bekannten Sprachen der Luren und Bachtijari (s.d.) sollen ebenfalls kurdische Mundartensein. Eine eigentliche kurdische Litteratur gibt es nicht, wenn auch einzelne Dichter und Geschichtschreiber genannt werden. Die meisten Kurden, zumal die Vornehmen, reden, vorzüglich im Osten, auch wohl persisch, im Westen türkisch, und in schriftlichen Verhandlungen bedienen sie sich nur dieser beiden Sprachen. In ihren wenigen Schulen wird etwas Arabisch, vom Kurdischen aber nichts gelehrt. Vgl. Rich, Narrative of a residence in Koordistan (2 Bde., Lond. 1836); Wagner, «Reise nach Persien und dem Lande der Kurdeno (2 Bde., Lpz. 1852); Lerch, Forschungen über die Kurdenv (2 Hefte, Petersb. 1857—58).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 695Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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