Lahr, Fabrikstadt im Kreise Offenburg des Großherzogtums Baden, sehr anmutig im Thale der Schutter, 15 km südwestlich von Offenburg gelegen, durch eine Zweigbahn nach Dinglingen mit der Badischen Staatsbahn verbunden, ist Sitz eines Bezirksamts, eines Amtsgerichts, eines Hauptsteueramts und einer Reichsbanknebenstelle, und zählt (1880) 9390 meist prot. E. Der sehr wohlhabende und betriebsame Ort hat drei Kirchen (eine alte protestantische mit merkwürdigen Grabdenkmälern, die 1877 erbaute evang. Christuskirche und eine neue katholische), ein Gymnasium, eine Töchterschule, ferner eine Gewerbeschule, eine Industrieschule und ein Hospital. Die Fabrikindustrie erstreckt sich vorzugsweise auf Cichorien, Schnupf—⸗ tabak, Cigarren, Saffian und Kartonagen. Daneben fertigt man auch Baumwollwaren, Hüte, Roßhaar⸗ und Seegrasmatratzen, Pappdeckel, Goldleisten, Leim, Blumen, Leder, Essig, Tuch. Zu L. erscheint der beliebte Volkskalender «Der Lahrer Hinkende Boter in einer fast 1 Mill. starken Auflage. Auf Anregung dieses Kalenders ist eine großartige Sammlung zum Zweck der Errichtung eines deutschen Reichswaisenhauses ins Leben getreten, das nunmehr an der Lehne des Berges Altvater in herrlichster und gesundester Lage baulich vollendet und zur Aufnahme von 100 Waisen ohne Unterschied der Konfession eingerichtet ist. Eine Zierde der Stadt ist der prachtvolle große Stadtpark mit Villa, ein Vermächtnis des lahrer Bürgers Jamm. Chedem bildete L. mit mehrern Dörfern die Herrschaft Lahr, in der Ortenau, welche im Besitz der Grafen von Geroldseck war und durch eine Erbtochter 1426 an Nassau kam, 100 Jahre später aber von der andern Linie der Grafen von Gexoldseck in Anspruch genommen wurde. Der deshalb geführte Prozeß dauerte über 100 Jahre und endete 1625 damit, daß die Herrschaft bei Nassau blieb. Im Luneviller Frieden (1801) wurde L. an Baden abgetreten.