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ErdkundeBrockhaus 1882

Villingen, Kreisstadt in Baden, an der Brigach, Station der Linie Offenburg-Singen der Badischen Staatsbahnen (Schwarzwaldbahn), in welche hier die Württembergische Obere Neckarbahn einmündet, Sitz eines Bezirksamts und Amtsgerichts, hat eine höhere Bürgerschule, ein von Ursulinerinnen geleitetes Mädcheninstitut, eine Haushaltungsschule, eine Gewerbe⸗, Musik⸗, Zeichen⸗ und landwirtschaftliche Winterschule und zählt (1880) 6141 meist kath. E., die hauptsächlich Gewerbe und Landwirtschaft betreiben. Als ein Hauptort der Schwarzwälder Uhrenfabrikation befinden sich hier bedeutende Fabriken aller Sorten Uhren und Musikwerke (Orchestrions); ferner eine Teigwarenfabrik, Metalltuchweberei, Glockengießerei, mechan. Werkstätten, eine Kunsttöpferei, Ziegeleien, eine Holzimprägnierungsanstalt, ein Kleinhammer, mehrere Kunst- und Sägemühlen, sowie Handel mit Früchten, Mehl und Holz. Bemerkenswert ist das Pfarrmünster mit Kirchenschatz, die städtische Altertümersammlung im alten Rathaus, der Kreuzgang im Waisenspital (ehemals Franziskanerkloster), der roman. Turm im Friedhof (Altstadt), die Burgruinen Türneck und Warenburg. Das Dorf V., urkundlich schon 817 genannt, wurde 999 von Kaiser Otto III. zum Marktflecken erhoben und dieser dann 1119 von Berthold III. von Zähringen an die jetzige Stelle verlegt. V. spielt eine Rolle im Bauernkriege, Dreißigjährigen Kriege (drei Belagerungen 1633 und 1634) und im Spanischen Erbfolgekriege (1703 und 1704). Bis 1218 zähringisch, bis 1326 fürstenbergisch, von da an österreichisch, kam V. 1805 an Württemberg und 1806 an Baden. — Der Kreis Villingen zählt auf 1030 qkm 70614 E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 273Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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