Lahöre (Lahaur), eine aus drei Distrikten bestehende Division der brit.⸗ind. Lieutenantgouverneurschaft Pendschab mit einem Areal von 23208 qkm und einer Bevölkerung von 1889 495 Seelen. Die Hauptstadt L. ist auch Hauptstadt des Pendschab (s. d.) und des ganzen bis 1849 selbständigen Staats der Sikhs (s. d.), in einer wohlangebauten Ebene gelegen, mit festen Mauern, einem tiefen Graben und Verschanzungen, welche eine Linie von 11 km bilden, sowie mit den herrlichsten Gärten und Parkanlagen umgeben, und zählt (1881) 149369 E., welche Baumwollstoffe, Flanell und gute Waffen Tage miltiä und Handel treiben. L. ist durch seine Lage militärisch wichtig; obgleich von seinem alten Glanze, den es als eine Residenzstadt der Großmoguln hatte, sehr herabgesunken, indem die jetzige Stadt L. nur noch die westlichste Ecke der alten 15 Km langen und 1—2 Mill. E. zählenden Hauptstadt einnimmt, ist sie immer 22 eine der bedeutendsten Städte Hindostans. In der Nordwestecke steht auch die Citadelle, welche große Magazine und Werkstätten für Kriegsbedürfnisse einschließt. L. zeichnet 110 durch gute Bauart aus und hat zwar enge, aber lange und gerade Straßen, steinerne Häuser, besuchte Märkte, viele Karawanserais, zahlreiche Paläste und Mausoleen, Moscheen und Pagoden, Heiligengräber, Wallfahrtsstätten und mehrere Prachtbauten früherer Zeiten. Unter den letztern sind besonders bemerkenswert die von Aureng-Zeyb erbaute große Kaisermoschee mit vier hohen Minarets aus roten Sandsteinquadern, deren Hauptgebäude aber unter der Sikhsherrschaft Pulvermagazine waren; das Schah-Dura oder das Mausoleum des Kaisers Dschehangir, am rechten Ufer des Rawi, ein Quadratbau mit 20 m hohen Minarets an den vier Ecken, aus wechselnden Schichten von Marmor und roten Steinen, bisher aber als Kaserne benutzt; der alte prachtvolle Großmogulpalast, später Residenz Randschit-Singhs, Sumum-Bardj genannt, zu welchem eine weite Marmorhalle führt. Zu den berühmtesten Anlagen gehört der Garten Dschehangirs, Schalimar genannt, der aus drei großen, übereinander sich erhebenden Terrassen besteht, und in welchem eine weit hergeleitete Wasserleitung 450 Fontänen emporwirft. Die Stadt besizt verschiedene Regierungs-Schulanstalten für Volls⸗ und höhere Bildung, namentlich ein gelehrtes Institut mit 550 Schülern. L. war bis 1008 Residenz alteinheimischer Hindu-Radschas, dann der ersten mohammed. Eroberer Indiens, der Ghasnewiden, bis 1186; hierauf der Ghuriden. Es wurde 1225 von dem Chowaresmier Dschelaleddin-Mankberni, 1241 von den Mongolen unter Turme-Khirin-Chan erobert und geplündert, 1525 vom Sultan Babur eingenommen, gehörte seitdem zum Reiche der Großmoguln und rivalisierte als eine der Pracht⸗ und Residenzstädte derselben im 17. und 18. Jahrh. mit Delhi. Zu L.. wurden in jener Zeit die größten Kulturgärten angelegt. Die Handwerker und Künstler von L. waren die berühmtesten, und der Handel führte Kaufleute aller Nationen auf die dortigen Märkte. Aber mil dem Verfall des Kaiserreichs sank auch diese Prachtstadt in Ruinen und konnte kaum noch als Residenz der Sikhs, in deren Hände L. 1764 fiel, in einigem Ansehen erhalten werden. Am 22. Febr. 1846 wurde die Stadt und die Citadelle von der brit. Armee besetzt und 9. März daselbst ein Friedensvertrag zwischen dem Maharadscha Dhulib-Singh und der brit. Regierung abgeschlossen. Im letzten Kriege im Pendschab ward sodann 29. März 1849 das Aufhören der Sikhs⸗-Souveränetät und die Einverleibung L.s wie des ganzen Pendschab in das Indobritische Reich proklamiert.