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GeschichteBrockhaus 1882

Laibach (ital. Lubiana, slowen. Ljubljana), Hauptstadt des österr. Kronlandes und Herzogtums Krain (1816 — 49 Hauptstadt des Guberniums L. wie zugleich auch des ganzen Königreichs Illyrien), liegt in einer ausgedehnten, durch die Nachbarschaft der Hochalpen reizenden Ebene, zu beiden Seiten der nie zufrierenden, hier von fünf Brücken überspannten Laibach, 11 Em von deren Mündung in die Save, an der Ostevreichischen Südbahn (Linie Wien-Triest) und der Kronprinz-Rudolf-Bahn (Linie Tarvis-L.). Sie ist in acht ältern Teilen unregelmäßig und eng, aber reinlich und im ganzen angenehm und hat mit ihren acht Vorstädten 1880) 26284 E. Die Volkssprache ist die slowenische, die Umgangssprache der Gebildeten die deutsche. L. ist Sitz der Landesregierung für Krain, des Landesausschusses, eines Landesgerichts, des städtischen delegierten Bezirksgerichts für Stadt und Umgebung, eines Fürstbischofs, der Landesfinanzdirektion, eines Revierbergamts, einer Handels- und Gewerbekammer u. s. w. Die öffentlichen Plätze sind geräumig, der Kongreßplatz durch eine in Sternform angelegte Allee geziert, in deren Centrum die Bronzebüste Radetzkys von Fernkorn auf einem Marmorpiedestal; auf dem Jakobsplatz ist eine Mariensäule mit den vier Cvangelisten. Auf dem Hauptplatze steht vor dem Rathause ein Brunnen aus carrarischem Marmor mit Statuen vom ital. Bildhauer Robba. Ausgezeichnete Gebäude sind: die Kathedrale zu St. Nikolaus mit schönen Gemälden und Fresken von J. Quaglio, und unter den zehn andern Kirchen die Pfarrkirche zu St. Jakob mit den reichsten Marmorskulpturen von Robba und Contiero, die schöne Kirche der Ursulinerinnen, die Tirnauer Vorstadt-Pfarrkirche und die 1852 eingeweihte evang. Kirche, letztere beide im byzant. Stil, endlich die 1883 vollendete Herz-Jesukirche. Außerdem sind zu erwähnen das Rathaus in ital. Bauart, wie die meisten Kirchen und öffentlichen Gebäude, das Landhaus (Wohnung des Landespräsidenten), die alte Burg (Wohnung des Landeshauptmanns), das Deutsche Haus, das Schauspielhaus, die Kasernen, das fürstl. Auerspergsf 66 Palais (sog. Fürstenhof), das gräfl. Auerspergsche Palais, der Bischofshof, die Redoute mit dem Sitzungssaale des Landtags, das Coliseum (eine große Militär-Bequartierungsanstalt) und das Casino. Das Kastell auf dem Schloßberge wird als Provinzialstrafhaus verwendet. L. hat ein Ober⸗ und ein Untergymnasium, ein bischöfl. Seminar, eine theol. Diöcesanlehranstalt, eine Lehrer⸗ und Lehrerinnenbildungsanstalt, eine Oberrealschule, eine Handelslehranstalt und eine Tierarzneischule. Das Landesmuseum besitzt geschichtliche und naturwissenschaftliche Sammlungen, namentlich reichhaltig an Funden aus der Pfahlbautenzeit am Laibacher Morast. Außer der Landwirtschaftsgesellschaft für Krain besteht zu L. auch ein Historischer Verein für das Kronland. Die Philharmonische Gesellschaft wurde schon 1702 begründet. Auch besitzt die Stadt ein großes Krankenhaus und ein neuerbautes Zwangsarbeitshaus. In L. bestehen eine Baumwollspinnerei, Glockengießerei, Feuerspritzenfabrik, Thonöfen⸗ und Thonwarenfabrik, Tuch⸗, Gas⸗, Papier⸗, Ol⸗, Cichorienfabriken und eine k. k. Tabak-Hauptfabrik. Wichtig ist auch der Handel. Von den 23000 ha des Laibacher Moors ist durch den Gruberischen Kanal und Tieferlegung der Laibach der größte Teil urbar gemacht worden. L. ist das alte Emona oder Hemona, das Kaiser Augustus 34 v. Chr. gründete. Das röm. Castrum, von dem sich noch Reste vorfinden, 1* die Stelle der Vorstadt Gradise ein. Seine höchste Blüte scheint Emona zur Zeit der Belagerung durch Maximus (388 n. Chr.) gehabt zu haben. Bei Attilas Zug nach Italien (452) entging es der Zerstörung, denn wir finden es als Bischofssitz 579 und vom Geographus Ravennas im 7. Jahrh. erwähnt. Unter der fränk. Herrschaft wieder emporblühend, verheerten es 900 die Ungarn. Seit 976 die Hauptstadt des mit Kärnten zu einem deutschen Herzogtum vereinigten Krain, 1270 von König Ottokar von Böhmen erobert, wurde die Stadt 1276 durch Rudolf von Habsburg dem Deutschen Conversations-Lexikon. 13. Aufl. X. Reiche wiedergewonnen. In den Fehden der Cillyer und in den Türkenkriegen sah sich die um 1416 neu befestigte Stadt wiederholt belagert. Das Bistum wurde 1461 gestiftet, war 1788—1806 Erzbistum und erhielt 1806 den Fürstentitel. Von Okt. 1809 —13 war die Stadt Sitz des franz. Generalgouverneurs der Illyrischen Provinzen. Bekannt geworden ist L. durch den Laibacher Kongreß, welcher im Dez. 1820 von Troppau (s. d.) hierher verlegt wurde. Im Jan. 1821 erschienen zu L. die Kaiser von Osterreich und von Rußland, der König beider Sicilien und der Herzog von Modena. Preußen, Frankreich, Britannien, Sardinien und die andern ital. Staaten waren durch Gesandte vertreten. Der Kongreß wurde 26. Jan. 1821 eröffnet und dauerte bis in den Mai; er führte das Recht der bewaffneten Intervention (s. d.) in die innern Angelegenheiten eines durch Parteien bewegten Nachbarstaats in das positive europ. Völkerrecht ein und beschloß die Wiederherstellung der Ruhe in Neapel und Piemont. Ani

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 752Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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