Lambert (Joh. Heinr.), scharfsinniger, der Leibnizschen Schule angehörender Philosoph und Mathematiker, geb. 26. Aug. 1728 zu Mülhausen im Elsaß, kam in seinem 18. Jahre als Sekretär zu Iselin nach Basel und zwei Jahre darauf als Hauslehrer zu dem Präsidenten von Salis in Chur. Im J. 1756 begleitete er seine Zöglinge nach Göttingen, 1757 nach Utrecht und 1758 auf einer Reise nach Paris, Marseille und Turin. Hierauf lebte er an verschiedenen Orten, bis er 1764 nach Berlin ging, wo ihn Friedrich d. Gr. zum Oberbaurat und zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannte. In Berlin starb er 25. Sept. 1777. Er war in Mathematik, Logik und Metaphysik als der größte Analytiker seiner Zeit anerkannt. Die Lehre von der Messung der Intensität des Lichts begründete er zuerst als Wissenschaft in seiner Photometria, seu de mensura et gradibus luminis, colorum et umbraer (Augsb. 1760); auch entdeckte er die Theorie des Sprachrohrs. Um die Philosophie und besonders um die Erkenntnistheorie erwarb er sich Verdienste durch sein Neues Organon, oder Gedanken über die Erforschung und Beziehung des Wahrend (2 Bde., Lpz. 1764), in welchem er mit Hilfe der Mathematik eine bessere Methode der Philosophie als die Wolfsche Schule aufstellen wollte, und durch die Anlage zur Architektonik, oder Theorie des Einfachen und Ersten in der philos. und mathem. Erkenntniso (2 Bde., Riga 1771). Außerdem sind seine tiefgedachten «Kosmologischen Briefe über die Einrichtung des Weltbauesd (Augsb. 1761) zu erwähnen. Seinen Briefwechsel mit Kant findet man in dessen kleinen „Vermischten Schrifteno. Im J. 1828 wurde ihm in seiner Vaterstadt ein Denkmal errichtet. Vgl. Huber, «L. nach seinem Leben und Wirkeno (Bas. 1829); R. Zimmermann, 4L., der Vorgänger Kantso (Wien 1879).