FeedLanze
GeschichteBrockhaus 1882

Lanze, eine Stoßwaffe, die, im ganzen 2,5 bis 3,5 melang, aus einer hölzernen Stange (dem „Schaft) mit eisernem Schuh und einer scharfen eisernen Spitze (oft auch noch einem Fähnchen) besteht. Sie ist eine der vielen Ouugiw des Spießes, der schon im Altertum die Hauptwaffe des Fußvolks war und sich als solche bis zum Anfange des 18. Jahrh. erhalten hat. Noch Montecuculi (nach dem Dreißigjährigen Kriege) nennt sie die Königin [der Waffen. Im Mittelalter führten die schwergeharnischten Ritter eine kürzere L., deren Schaft hinten dick, mit einem Einschnitt zum Umfassen versehen und sehr schwer war; sie diente dazu, beim [Anlauf den Gegner aus dem Sattel zu werfen. Nach der Einführung der Ordonnanzkompagnien in Reuerernn (. Gendarmen) wurde die schwere eiterei nach L. berechnet: eine volle L. (lance fournie) war sechs Reiter stark. Bei den Burgundern umfaßte eine L. acht bewaffnete Männer: den homme d'armes oder Reissigen, einen Diener, zwei Bogenschützen zu Pferd, zwei Büchsenschützen, zwei Pikeniere zu Fuß. Aus den L. wurden Kompagnien gebildet. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. wurde die L. als Waffe der Reiterei durch das Reterlanze Etre gänzlich verdrängt. Die jetzige eiterlanze ist tatar. Ursprungs und von dort zu den Kosaken und Polen übergegangen, wo ihr Gebrauch sehr gepflegt und die Waffe eine wahre Nationalwaffe wurde. Die Erfolge derselben bewirkten, daß in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. und im Anfang des 19. auch in den übrigen europ. Heeren die L. Eingang fand und eine als Ulanen (. d. oder Lanci ers bezeichnete Kavalleriegattung damit bewaffnet wurde. Die L. ist besonders vorteilhaft zum geschlossenen Angriff und zur Verfolgung. Im Einzelgefecht verlangt sie einen freien Spielraum, der im Handgemenge gewöhnlich fehlt. Gegenwärtig, wo großer Wert auf das Feuergefecht der Kavallerie gelegt wird und auch für die Ulanen das Bedürfnis einer bessern Feuerwaffe, als die bisherige Pistole war, entstanden ist, kollidiert die

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 810Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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