Larochefoucauld, ein altes, berühmtes, vielverzweigtes franz. Geschlecht, das bis ins 11. Jahrh. hinaufreicht und dessen Stammsitz die kleine Stadt Larochefoucauld unweit Angouléme ist. — Foucauld de Laroche wird seit 1019 genannt und ist der Stammvater des Geschlechts. Seine Nachkommen spielten eine wichtige Rolle in den Kriegen der Guyenne vom 11. bis 15. Jahrh. — Franois de L., Kammerherr Ludwigs XII., hob 1494 den spätern König Franz I. aus der Taufe, erhielt 1515 die Grafenwürde und starb 1517. — Sein Sohn, Frangoisde L., führte zuerst den Titel eines Fürsten von Marsillac. In den Religionstriegen standen seine Nachkommen auf seiten der Protestanten. Frangois VI., Herzog von L., geb. 15. Dez. 1613, war mit der Herzogin von Chevreuse, der Vertrauten der Königin Anna, in die Intriguen gegen den Kardinal Richelieu verwickelt und mußte bis zum Tode Ludwigs XIII. den Hof meiden. Hierauf nahm er an den Unruhen der Fronde teil, og sich dann ins Privatleben zurück und machte sein Haus zum Sammelplatz aller glänzenden Gei⸗ „ster jener Epoche. Seine Mémoires de la ré- .gence d'Anne d'Autricheos, in denen er meisterhaft die Geschichte seiner Zeit erzählt, erschienen 1zusammen mit den «Mémoireso de Lachastres 1Göln 1662; Amsterd. 1723 u. öfter). Im J. 1665 bveröffentlichte er Maximes et réêflexions moralesv )Ideutsch von Hörlek, Lpz. 1875), welche als Muster klassischer franz. Prosa gelten. Als scharfer Beobachter schildert er die Sittenverderbnis der höhern Stände seiner Zeit. L. starb 17. März 1680. Seine %Oeuvres complèteso gab Depping (Par. 1818), die Oeuvyres inéditeso (Par. 1863) Barthelemy heraus. Alexandre, Herzog von L., Urenkel des vosrigen, geb. 29. Sept. 1690, zeichnete sich in den Kriegen Ludwigs XIV. als t aus und befehligte als General während des Kriegs in Spanien unter der Regentschaft. Er starb 4. März 1762 ohne männliche Nachkommen. Seine beiden Töchter vermählten sich mit zwei Vettern aus der Seitenlinie der Grafen de L.⸗Roucy. — Aus der Che der ältern Tochter, Nicole de L., mit dem Herzog d'Anville (gest. 1746) entsprang ein Sohn, Louis Alexandre, Herzog de L. und de Larocheguyon, geb. 11. Juli 1743. Vor der Revolution Pair von Frankreich, trat er früh in die Armee und wurde 1789 von dem Adel der Hauptstadt zur Versammlung der Generalstaaten geschickt, wo er sich dem dritten Stande anschloß. Als Gemäßigter mußte er 1792 aus Paris entfliehen. Er wurde indessen verhaftet und starb zu Gisors 14. Sept. 1792 an den Folgen eines Steinwurfs, den er beim Transport durch die Stadt von der wütenden Menge erhielt. — Marie de L., die jüngere Tochter Alexandres, Herzogs von L., heiratete Louis von L. de Roye, Graf de Roucy, welcher 1737 den Titel eines Herzogs von Estissac erhielt und 1783 starb. Dessen älterer Sohn, Frangois Alexandre Frédérie, Herzog de L.⸗Liancourt, bekannt als Philanthrop, geb. 11. Jan. 1747, gründete auf seinem Landgute Liancourt bei Clermont eine Musterschule, die 1788 den Namen Ecole des enfants de la patriep erhielt, weil die Zöglinge aus armen Soldatenkindern bestanden. In der Versammlung der Generalstaaten vertrat er den Adel von Clermont. In der Nationalversammlung zeichnete sich L. besonders in seinen Berichten über das Elend des Volks, das Armenwesen und die Hospitalpflege aus. Inmitten der polit. Wirren stiftete er 1790 auf seinem Landsitze eine große Baumwollspinnerei. Nach dem Schlusse der Nationalversammlung erhielt er als Generallieutenant das Kommando in den Departements der Normandie, bot, als die Gefahr für den Hof wuchs, dem König Rouen als Zufluchtsort an und lieh demselben eine große Geldsumme. Nach der Katastrophe vom 10. Aug. floh er nach England und machte später eine Reise nach Nordamerika, die er in der berühmten Schrift (Voyage dans les Etats-Unis d'Amérique fait en 1795—979 (8 Bde., Par. 1798 u. öfter) beschrieb. Nach dem 18. Brumaire kehrte er nach Paris zurück. Im J. 1800 erschien von ihm Les prisons de Philadelphies, in welcher Schrift er die Gefängnisreform erörterte und auf Abschaffung der Todesstrafe antrug. Mit der ersten Restauration erhielt L. die Pairswürde. Während der Hundert Tage wurde er in die Deputiertenkammer erwählt; nach der zweiten Restauration trat er in die Pairskammer zurück. Als Präsident der Gesellschaft für christl. Moral, als Mitglied des Generalconseil für die Gefängnisse, für den Ackerbau, für die Manufakturen, für die Hospitäler u. s. w. entfaltete er nun eine umfassende Frandreich Auch gründete er die erste Sparkasse in Frankreich. Seine Opposition gegen die Politik des Hofs bewog 1823 das Ministerium, ihn seiner Amter zu entsetzen. Er starb 27. März 1827 und hinterließ drei Söhne. Der älteste derselben, Francois, Herzog von L., Pair von Frankreich, geb. 8. Sept. 1765, während der Kaiserzeit Marechal-de-Camp, starb 27. Nov. 1848. — Er hinterließ vier Söhne, von denen der Kurds Frangois, Herzog de Larochefoucauld u. s. w., geb. 13. Dez. 1794, 11. Dez. 1874 starb und drei Söhne hinterließ, von denen der älteste, Herzog François, geb. 14. April 1818, gest. 4. Dez. 1879, Vater des gegenwärtigen Chefs der Familie, des Herzogs François, geb. 21. April 1853, war. —Alexandre, Graf de L., der zweite Sohn des Herzogs de L.Liancourt, geb. 1767, trat 1792 in die Armee Lafayettes, mußte aber geächtet entfliehen, weil er mit seinem Vater bei der Entweichung des Königs mitgewirkt hatte. Erst nach der Revolution vom 18. Brumaire verließ er seinen Zufluchtsort. Napoleon ernannte ihn 1802 zum Geschäftsträger am sächs. Hofe, 1805 zum Gesandten in Wien und 1808 in Holland. Während der Restauration war er mehrmals Mitglied der Deputiertenkammer; 1833 jedoch erhielt er die Pairswürde. Er starb 2. März 1841. — Sein ältester Sohn, Alexandre Jules, Graf de L., geb. 22. Jan. 1796, trat 1812 in die Armee. Er erhielt 1819 den Auftrag zur Abfassung der Geschichte des Kriegs in Deutschland für das Kriegsdepöt und wurde 1828 Adjutant des Herzogs von Orléans. Nachdem er seit 1830 als Kammermitglied thätig gewesen, erhielt er 1839 die Pairswürde, indem er Herzog von Estissac wurde. Nach der Februarrevolution von 1848 zog er sich ins Privatleben zurück. Er starb 21. April 1856.— Roger Paul Louis Alexandre de L., Herzog von Estissac, ältester Sohn des vorigen, geb. 17. Mai 1826, ist gegenwärtig Haupt dieses Familienzweigs. Frédéric Gaätan, Marquis de L.⸗Liancourt, der jüngste Sohn des Herzogs de L.Liancourt, geb. 5. Febr. 1779, bekleidete unter der Kaiserregierung mehrere Präfektenstellen, wendete sich mit der Restauration den Bourbons zu und wirkte seit 1827 als Abgeordneter in der Kammer, wo er sich stets als Verteidiger der konstitutionellen Freiheiten auszeichnete. Außerdem veröffentlichte er eine ganze Reihe von Schriften poetisch-litterarischen und publizistischen Inhalts, darunter L'esprit des écrivains du XVIIIL siècles (Par. 1809). Auch gab er 1825 die Oeuvres complètesd seines Vaters, sowie 1827 dessen Leben heraus. Nach der Februarrevolution von 1848 trat er nicht mehr im öffentlichen Leben auf. Er starb 15. April 1863. Sosthenes, Marquis de L., Herzog von Doudeauville, einem Seitenzweige der Familie angehörend, geb. 15. Febr. 1785, war 1814 Adjutant des Generals Dessolles und dann des Grafen von Artois. Nach der zweiten Restauration wurde er ein eifriges Mitglied der sog. Chambre introuvable. Er starb 7. Okt. 1864. Er veröffentlichte Mémoireso, in welchen er seine Wallfahrt nach Görz beschreibt (5 Bde., Par. 1835), dann Peuséesp (Par. 1835). — Sein ältester Sohn, Augustin tarie Matthieu Stanislas de L., Herzog von Doudeauville, geb. 9. April 1822, ist jetzt Haupt dieses Zweigs, aber kinderlos. — Marie Charles Gabriel Sosthenes, Graf de L., Bruder des vorigen, geb. 1. Sept. 1825, seit 1851 Herzog von Bisaccia, war Botschafter in London.