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TierreichBrockhaus 1882

Larven nennt man in der Naturgeschichte jugendliche, zur geschlechtlichen Fortpflanzung der Regel nach unreife Tiere, welche eine von den geschlechtsreifen Tieren abweichende Gestalt besitzen und meist provisorische Organezeigen, die bei der Umwandlung zur Reife abgeworfen, verändert oder einer andern Funktion anheimgegeben werden. Die Entwickelung durch L. findet namentlich dann statt, wenn die Tiere im jugendlichen Zustande in andern äußern Lebensbedingungen verweilen als im reifen Zustande, also bei Schmarotzern und festsitzenden Tieren, die in der Jugend frei herumschwimmen und dazu mit Bewegungs⸗ und Sinnesorganen ausgerüstet sind, bei Land⸗ und Lufttieren, die sich in der Jugend im Wasser befinden etc. Fast alle wirbellosen Tiere mit wenigen Ausnahmen (3. B. Spinnen) entwickeln sich aus L. Die bekanntesten Larvenzustände sind diejenigen der Insekten (Raupen der Schmetterlinge, Maden der Fliegen u. s. w.). Unter den Wirbeltieren kommen L. nur bei nackten Amphibien (unter dem Namen der Kaulquappen), sowie unter den Fischen bei einer Reihe von Knochenfischen (3. B. Aalen) und bei dem Neunauge vor, wo die L. als besondere Fischgattung (AKmmocoetes) beschrieben wurde. Die Kenntnis der L. und ihrer Umwandlungen gibt oft die überraschendsten Aufschlüsse über die Verwandtschaft scheinbar sehr unähnlicher Tiere. Eine interessante Entdeckung der Neuzeit ist die Fortpflanzungsfähigkeit gewisser L. (Pädogenesis). Dieselbe ist beobachtet bei gewissen Fliegen (Cecidomyia), bei Blattläusen, sowie beim mexik. Kolbenmolche (Axolotl).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 823Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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