FeedLatifundien
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Latifundien (lat.) sind ungewöhnlich große Grundbesitzungen, die in einer Hand vereinigt sind. Sie können sowohl aus zahlreichen selbständigen Wirtschaftseinheiten (Landgütern) von mäßigem Umfange, als aus großen, extensiv bewirtschafteten Land⸗ und Weideflächen oder Waldungen, sowie auch aus Riesenfarmen, wie sie sich in der neuern Zeit in Amerika finden, bestehen. In den dicht bevölkerten und hoch kultivierten Ländern Europas herrscht die erste dieser Formen des Großgrundbesitzes vor, neben der die zweite meistens nur in wenig fruchtbaren Gebirgsgegenden auftritt. Rein technisch-wirtschaftlich betrachtet hat eine starke Konzentrierung des Grundbesitzes meistens keine Nachteile, häufig sogar Vorteile, wegen der rationellern und kapitalkräftigern Art der Bewirtschaftung der einzelnen Güter, die meistens an leistungsfähige Pächter vergeben werden. Als sozialer übelstand jedoch ist es zu betrachten, wenn die großen Grundbesitzer in einem Lande dergestalt vorherrschen, daß für einen selbständigen mittlern Bauernstand kein Raum mehr verbleibt. Solche Verhältnisse bestehen z. B. in England und noch mehr in Schottland, wo 170 Besitzer ungefähr zwei Drittel der Gesamtfläche in Händen haben. In Amerika, Australien und Südafrika hat der geringe Wert des Landes und das Bedürfnis einer extensiven Wirtschaft zur Bildung von L. geführt, die wahrschein⸗ — größtenteils nur die Bedeutung von Übergangserscheinungen haben. Anders allerdings verhalten sich die Riesenfarmen in dem weizenbauenden Westen der Vereinigten Staaten, die von großen Kapitalisten oder Gesellschaften 11 rationell ausgebeutet werden und eine Form des landwirtschaftlichen Großbetriebes bilden, die für die kleinern Wunte⸗ e. amerik. Landwirte gefährlich werden könnte. (S. Grundeigentum.) „Latimer (Hugh), ein Märtyrer der Reformation in England, geb. 1490 zu Thurcaston in der Grafschaft Leicester, anfangs heftiger Gegner der Reformation, wirkte später ebemo entschieden für sie. Als volkstümlicher Prediger gewann er bedeutenden Einfluß, wurde 1530 Prediger in Westkingston, auf Cranmers Empfehlung Kaplan der Königin Anna Boleyn und 1535 Bischof von Worcester. Als Heinrich VIII. die Annahme der sechs Blutartikelo von ihm forderte, zog er sich in die Einsamkeit zurück, wurde aber später in den Tower ½7 Eduard VI. gab ihm die Freiheit zurück, und er trat mit Cranmer und Ridley an die Spitze der Protestanten, ohne jedoch ein Amt anzunehmen. Als die Königin Maria zur Regierung kam, forderte ihn Gardiner vor den Staatsrat. Er hätte entfliehen können, erschien aber, wurde 13. Sept. 1553 mit den übrigen prot. Bischöfen in den Tower gesetzt und schließlich mit Ridley zum Feuertode verurteilt. Beide bestiegen 16. Okt. 1555 zu Oxford den Scheiterhaufen und starben mit Standhaftigkeit. Eine neue Ausgabe von L.s Worksv, von denen sich besonders die zuerst 1570 erschienenen Predigten durch ihren kernigen Stil auszeichnen, wurde von Corrie veranstaltet (4 Bde., Lond. 1845). Demaus schrieb eine Biographie L.s (Lond. 1869).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 836Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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