Lauenburg, ein früher mit Holstein als deutsches Bundesland zu Dänemark gehöriges, seit 1865 aber in Personalunion mit Preußen vereinigtes Herzogtum, endlich seit dem 1. Juli 1876 als Kreis Herzogtum Lauenburg der preuß. Provinz 2de619eid. einverleibt, liegt am nördl. Ufer der Elbe, wird ½7 durch die Gebiete von Hamburg, Lübeck und Mecklenburg, die Provinz Hannover und den Kreis Stormarn und hat einen Flächeninhalt von 1183 qkm mit (1880) 49 466 meist prot. E. Das kleine Land zeichnet sich aus durch fruchtbaren Ackerboden, ausgedehnte Waldungen und zahlreiche, schön belegene Landseen. Unter den Waldungen ist besonders der sog. Sachsenwald, unter den Landseen der Ratzeburger⸗ und der Schallsee hervorzuheben. Die bedeutendsten Gewässer sind die Delvenau, welche bei Stadt L. in die Elbe, und die Stecknitz, die unweit Lübeck in die Trave mündet. Beide wurden schon 1392 durch einen Kanal miteinander verbunden, und diese ganze ulich mit d. zwischen Elbe und Trave wird gewöhnlich mit dem Namen Stecknitz (Stecknitzkanal) bezeichnet. Ackerbau und Viehzucht sind die Haupterwerbszweige. Es gibt im Kreise drei Städte (Ratzeburg, Mölln, L.), vier Landvogteibezirke und 22 adelige Güter, worunter die dem Fürsten Bismarck gehörige Fideikommißherrschaft Schwarzenbek mit dem Herrenhaus Friedrichsruh. Kreisstadt ist Ratzeburg (s. d.). Als Wappen führt L. einen silbernen Pferdekopf im roten Felde innerhalb einer schwarz-weißen Einfassung. An dem provinzialständischen Verbande von Schleswig-Holstein nimmt L. nicht teil. Zahlreiche lübeckische und mecklenburge-strelitzische Enklaven liegen innerhalb des Kreises zerstreut. Geschichtliches. Die vormalige slaw. Bevölkerung von L., die heidnischen Polaben (d. h. Anwohner der Elbe, slaw. Labe), wurde nach langen Kämpfen durch die Herzöge von Sachsen aus dem Stamme der Billunger und Welfen unterjocht und das Land, der südl. Teil des Limes Saxonicus, dem Christentum eröffnet und großenteils mit niedersächs. Kolonisten besetzt. Ein Teil, die Grafschaft Ratzeburg, ward 1143 als sächs. Afterlehn ausgegeben. Das übrige blieb bei dem Herzogtum Sachsen; Dm R Heinrich der Löwe stiftete 1154 das Bistum Ratzeburg. Nach der Demütigung Heinrichs kam das Herzogtum Sachsen an Bernhard von Anhalt aus dem askanischen (ascherslebener) Hause, welcher 1182 die Feste L. an der Elbe erbaute. Doch vermochte er sich nicht zu behaupten, und nach manchem Wechsel unterwarf 1202—3 König Waldemar II. von Dänemark sowohl das lauenburgische wie auch das ratzeburgische Gebiet seiner Herrschaft. Erst nach der Schlacht bei Bornhöved (1227) gelangte Bernhards Sohn, Albert I., wieder in den Besitz der L. und zog die Grafschaft Ratzeburg als erledigtes Lehn ein. Dagegen gestaltete sich das Bistum Ratzeburg (s. d.) zu einem reichsunmittelbaren Hochstift. Nach Alberts Tode (1260) erhielt dessen älterer Sohn Johann diese und einige andere niedersächs. Gebiete, insbesondere das Land Hadeln (s. d.) jenseit der Elbe. Seine Nachkommenschaft regierte in Sachsen-Lauenburg über 400 Jahre und war längere Zeit in zwei Linien gespalten, bis 1401 das Land wieder vereinigt wurde. Das vormals lauenburgische Amt Bergedorf (s. d.) ging 1420 an die Hansestädte Hamburg und Lübeck verloren. Mit dem Tode des Herzogs Julius Franz 1689 erlosch die askanische Dynastie, und verschiedene Fürstenhäuser: Anhalt, Braunschweig-Lüneburg, Mecklenburg, Sachsen u. s. w., erhoben Erbansprüche. Kaiser Leopold I. verfügte eine Sequestration; doch Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg-Celle setzte sich gewaltsam in Besitz und ward von der lauenburgischen Ritter⸗ und Landschaft durch den Landesrezeß vom 15. Sept. 1702 als Landesherr anerkannt. Nach Georg Wilhelms Tode, 1705, fiel L. an dessen Neffen Georg I., Kurfürsten von Hannover und später König von England, dessen Besitzrechte 1728 durch den Spruch des Reichskammergerichts und kaiserl. Belehnung sanktioniert wurden. Seitdem teilte das Land die Schicksale Hannovers, wurde 1806 von den Franzosen besetzt und 1810 dem Departement der Elbmündungen einverleibt. Nach der Schlacht bei Leipzig 1813 kam L. wieder unter hannov. Herrschaft, wurde aber 29. Mai 1815 an Preußen und von diesem 4. Juni 1815 an Dänemark tauschweise abgetreten. Doch blieb das Land Hadeln, das Amt Neuhaus und der südlich von der Elbe belegene Teil des Amts L. beim Königreich Hannover. Die wirkliche übergabe des Herzogtums an Dänemark erfolgte erst 26. Juli 1816. Die dän. Regierun schonte die provinziellen Eigentümlichkeiten; au die oktroyierte Verfassung vom 20. Dez. 1853 schloß sich an den Landesrezeß von 1702 an. Nach dem Tode des Königs Friedrich VII. erhoben sowohl der Erbprinz Friedrich von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg wie auch die Fürstenhäuser Anhalt, Mecklenburg und Sachsen beim Bundestage Ansprüche auf das Herzogtum (21. Nov. 1863). Im Frieden zu Wien, 30. Okt. 1864, trat König Christian IX. seine Rechte auf L. an die beiden deutschen Großmächte ab. Ssterreich überließ durch den Vertrag zu Gastein, 14. Aug. 1865, gegen eine Geldzahlung (2½ Mill. dän. Thlr. — 5625000 Mark;) seinen Anteil an den erworbenen Rechten an Preußen, worauf König Wilhelm J. durch Patent vom 13. Sept. 1865 von dem Herzogtum Besitz ergriff und zu Ratzeburg (26. Sept.) die Erbhuldigung entgegennahm. Derselbe übereignete seinerseits das durch den Rezeß von 1871 ausgeschiedene Domanium als Dotation dem Reichskanzler Fürsten Bismarck. Für L. begann jetzt eine neue Zeit, indem die Reichsgesetzgebung energisch in die veralteten Zustände eingriff und zahlreiche altherkömmliche Mißbräuche beseitigte. Dagegen verzögerte sich die Inkorporation in Preußen noch länger. Erst in der Frühjahrssession 1876 ward der betreffende Gesetzentwurf von dem preuß. Landtage und 2. Juni auch von der lauenburgischen Ritter-und Landschaft angenommen, worauf das Gesetz 23. Juni die königl. Sanktion erhielt. Mit dem Tage der Vereinigung, 1. Juli 1876, trat für L. die preuß. Verfassung in Kraft. Vgl. von Kobbe, 4«Geschichte und Landesbeschreibung des Herzogtums L.v (3 Bde., Altona 1836— 37); Duve, WMMitteilungen zur Staatsgeschichte des Herzogtums L.» (Ratzeb. 1857); Knauth, «Das Herzogtum L.v (Langensalza 1866); Glagau, «Spaziergänge durch L. und Lübeck (Berl. 1866); «Archiv des Vereins für die Geschichte des Herzogtums L.» (Ratzeb. 1884 fg.).