Lebensdauer, d. h. die einem organischen Wesen bestimmte Lebenszeit, ist je nach der Gattung und Art, welcher ein solches Wesen angehört, verschieden. Die längste L. findet man scheinbar bei manchen Bäumen, von denen einige ein Alter von mehrern tausend Jahren unter günstigen Umständen erreichen können. Doch muß man diese, gleich den Korallenstämmen, als eine Kolonie von Individuen betrachten, wo die jungen (die jährlich neu entstehenden Triebe) auf den erstarrenden Leichen ihrer Vorgänger und Erzeuger fortwuchern. Die kürzeste L. zeigen manche Infusorien, die nur wenige Stunden leben. Unter den Tieren zeichnen sich mehrere Amphibien, einige Fischarten, auch . verschiedene Säugetiere 0 B. der Elefant, der gegen 200 Jahre lebt) durch ihre L. aus. Die höchste L. des Menschen beträgt gewöhnlich 60—80 Wire, und Fälle, in denen Menschen 100 Jahre und länger leben, sind sehr selten. Die mittlere L. schwankt dagegen in unserer Zeit zwischen 35 und 40 Jahren. Die Sterblichkeit ist im ersten Lebensmonat ungemein groß, geringer bis zum Ende des ersten Jahres, wiewohl immer noch von 100 Geborenen nur etwa 75 ein Jahr alt werden. Am wenigsten sterben aus dem Alter von 8 bis 20 J., gleichfalls noch nicht viel mehr bis zum 45. Jahre. Unter den liberlebenden nimmt dann die Sterblichkeit wieder zu. Etwa die Hälfte der Geborenen erreicht das 40. Lebensjahr. Die L. ist natürlich unter verschiedenen Verhältnissen verschieden. Die Wohlhabenden leben ungleich länger als die Armen, die Verheirateten im allgemeinen länger als die Ledigen. Die geistigen Berufsarten Angehörigen weisen eine hohe L. auf, namentlich wenn sich mit ihrer Beschäftigung eine gewisse Behaglichkeit verbindet, wie Geistliche, Professoren u. dgl. Weniger günstig gestaltet sich die L. bei solchen geistig Thätigen, die großen Aufregungen ausgesetzt sind, ändter geordnet leben Golitiker, Schriftsteller, Künst er, Schauspieler), am ungünstigsten unter diesen bei Arzten und Lehrern. Am größten ist die L. bei solchen, die sich bei mäßiger Muskelanstrengung viel im Freien aufalten (Bauern, Soldaten im Frieden, Fuhrleute, andwirte, Forstleute). Die Sterblichkeit ist in den größern Städten im Sommer und Herbst größer als die auf dem flachen Lande, im Winter dagegen etwas geringer. Auch das Klima ist von Einfluß auf die L. Ob die L. des Daruheru egen früher zu-oder abgenommen hat, darüber sind die Ansichten der Statistiker geteilt nach Engels eingehenden Untersuchungen scheint die menschliche L. in den letzten Jahrzehnten u abe Jahrhunderts eher eine Abnahme erlitten 51 aben. Hebung des Wohlstandes und der Bildung der Bevöl erung, Verbesserung der Atmungsluft und des Trinkwassers, vorzüglich in großen Städten, und Befreiung des Bodens von Verunreinigung und Kotdurchtränkung sind im allgemeinen die Bedingungen, welche eine Verminderung der Sterblichkeit ermöglichen. (S. Mortalität.) Vgl. Ssterlen, Handbuch der medizinischen Statistiks (Tüb. 1865); Engel, (Sterblichkeit und Lebenserwartung im preuß. Staater in der Zeitschrift des königl. preuß. Statistischen Bureaus-Gahrg. 1861 fg.); Oldendorff, „Der Einfluß der Beschäftigung auf die L. des Menschen⸗ Gerl. 1877).