FeedLeeds (spr. Lihds)
ErdkundeBrockhaus 1882

Leeds (spr. Lihds), der größte und volkreichste Ort der Grafschaft Nork, Municipalstadt, Parlamentsborough im West-Riding, Mittelpunkt der engl. Tuchfabrikation und des Tuchhandels, die vierte Manufakturstadt des Königreichs, liegt 298 EKm von London, 360 kmevon Edinburgh, in schöner, fruchtbarer Gegend an beiden Ufern des Aire, am nordöstl. Ende eines großen Kohlen- und Industriedistrikts, und steht durch den L.Liverpoolkanal, sowie durch zahlreiche Eisenbahnen mit den meisten Plätzen Großbritanniens in Verbindung. Die Stadt zählt (1881) mit ihren Vorstädten Holbeck, Uttle⸗ und Great-Woodhouse, Little-London, Newtown, Armley, Bentham, Wortley u. a. 309 119 CE., 1851 bereits 172270, 1775 dagegen erst 17100 und im 17. Jahrh., obgleich schon damals Hauptsitz der engl. Wollindustrie, nur 7000 E. Der alte Teil der Stadt ist eng und unregelmäßig gebaut, schmutzig und finster, der neuere freundlich, mit hübschen Plätzen und Gebäuden, aber doch im ganzen nicht schön. Nach dem Aire, welchen zwei Ketten⸗, drei Stein⸗ und zwei Eisenbrücken überspannen, führt die breite Hauptstraße (Briggate), welche so lebhaften Verkehr aufzeigt, wie irgend eine Straße in London. Wasserwerke versehen die Stadt täglich mit über 9 Mill. Liter Wasser, das von Arthington hergeleitet wird. L. hat ein in griech. Stile gebautes Stadthaus (davor die Bildsäulen Sir Rob. Peels und E. Baines'), einen Gerichtshof, ein Gefängnis, Kasernen, eine Börse, eine Kornbörse, drei ungeheuere Tuchhallen, welche aber außer Gebrauch gekommen sind, schöne Markthallen, 225 Kirchen und Kapellen, zwei Synagogen, ein großes Krankenhaus, eine Versorgungsanstalt, eine 1555 gestiftete Lateinschule, das 1875 errichtete Yorkshire-College für technisch wichtige Wissenschaften, und mehrere hundert andere öffentliche und Privatschulen. Auch besteht eine Kunstindustrie- und Arzneischule, eine öffentliche Bibliothek von 26 000 Bänden, die von Priestley gestiftete alte Bibliothek von 75000 Bänden, ein litteraisch-philos. Institut mit Museum und Bibliothek, ein Handwerkerinstitut mit großer Bibliothek, 12 Theater, eine Musikhalle und ein Konzertsaal. Unter den neuen, im monumentalen Stile gehaltenen öffentlichen Gebäuden ist vor allem zu erwähnen die 1866 errichtete Weiße Tuchhalle. Ein neues Theater wurde 1867, ein großartiges städtisches Krankenhaus 1868 vollendet. Als Metropole der engl. Tuchfabrikation und des Tuchhandels hat L. trotz aller Konkurrenz seinen alten Rang unvermindert behauptet. Noch immer werden in dem Distrikte, dessen Centrum es ist und dessen Durchmesser etwa 15 Em beträgt, mehr Tuchstoffe bester Qualität verfertigt, als in irgend einem andern Fabrikdistrikte Europas, wähvend der Handel mit diesen Stoffen über die ganze Erde hin betrieben wird. Die ganze Umgegend von L. und Bradford ist eine große Tuchmanufaktur mit zahlreichen großen Fabriken und Tausenden von kleinen selbständigen Hauswebern, die in der Regel ein kleines Besitztum mit einem Streifen Landes u. s. w. haben. Üüberhaupt herrscht hier, da die Wollmanufaktur weniger Schwankungen als die Baumwollindustrie unterworfen, mehr Wohlstand unter der Arbeiterklasse, als in andern Fabrikstädten. Die Fabrikation aus Kammgarn hat ganz aufgehört. Unter den übrigen Industriezweigen sind besonders die Flachsmaschinenspinnerei, dann die Verarbeitung von Eisen, die Anfertigung von Kleidungsstücken, vor allem die der Mützen, die Gerbereien und Schuhwerkfabrikation hervorzuheben. Ferner bestehen viele Olmühlen, ehemals berühmte, aber im Fabefen begriffene Fabriken für irdene Waren, Fabriken für Glas, Chemikalien und Papier. Schon unter Wilhelm dem Croberer war L. vorhanden. Es besaß ein festes Schloß, welches 1139 vom König Stephan belagert wurde und zum Gefängnis Richards II. (1399) diente. Karl I. gab der Stadt Privilegien und Karl II. eine Charte, die noch jetzt Gültigkeit hat. Die wachsende Bedeutung der Stadt wurde von neuem in der Reformbill von 1867 anerkannt, indem sie den sog. dreieckigen Parlamentsdistrikten zugezählt wurde, d. h. einen dritten Vertreter im Parlament erhielt. Der Leeds-Liverpool-Kanal, der großartigste von ganz England, 1770—1816 mit einem Kostenaufwand von 2 Mill. Pfd. St. erbaut, be-Refer im Norden von Liverpool mit zwei großen eservoirs, die 16 müber dem niedrigsten Stande des Mersey liegen, und geht nach L. zum Aire. Er ist 210 km lang und hat, über die Berge von Norkshire geleitet, 90 Schleusen, 135 Aquädukte und rücken und 7 Seiten⸗ oder Zweigkanäle. Bei langer un liegt sein höchster Punkt, ein 1600 m anger Tunnel.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 892Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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