FeedLeeuwarden (fries. Lieuwert)
ErdkundeBrockhaus 1882

Leeuwarden (fries. Lieuwert), Hauptstadt und ehemalige Residenz des Erbstatthalters der niederländ. Provinz Friesland, an der Ee inmitten eines schönen Wiesenlandes gelegen, an der niederländ. Staatsbahn Harlingen-Nieuwe Schans, die hier nach Zutphen und Sneek abzweigt, durch mehrere Kanäle, von welchen sie durchschnitten wird, mit Harlingen, Franeker und Dokkum in Verbindung gesetzt, zählt (1883) 28 968 E. und ist gut gebaut, mit breiten und geraden Straßen und an der Stelle der frühern Festungswälle von schönen Anlagen umgeben. Der königl. Palast, Prinsenhof genannt, einst Residenzschloß des Statthalters, ist ein altes, unansehnliches Gebäude. Bedeutend sind dagegen das große, schöne Rathaus aus alter Zeit, mit einem neuen Ratssaal, der Stadtbibliothek, wichtigen Archiven und schönen Gemälden, das stattliche ehemalige Justizgebäude mit Säulenhalle, das Regierungsgebäude, die got. Kanzlei oder der frühere Gerichtshof von Friesland, jetzt Gefängnis, das große Männerzuchthaus für 800 Sträflinge. Unter den 12 Kirchen enthielt die reform. oder Jakobinerkirche, ein großer Bau mit ausgezeichneter Orgel und mit dem Monument des fries. Pädagogen H. Nieuwold, vor 1795 die Grabmäler der frief. Statthalter. Bemerkenswert sind außerdem der Oldehoof, ein antiker stumpfer Turm von 406m Höhe, der neue St. Jakobsturm mit Glockenspiel, das Schauspielhaus, der Konzertsaal und die Freimaurerloge. Ein Lieblingsaufenthalt der Bewohner ist der Prinsengarten, früher dem fries. Statthalter gehörig. An Bildungsanstalten hat L. ein Gymnasium, eine höhere Bürgerschule, eine Musik. schule (seit 1861), eine Zeichen⸗, eine Gymnastik- und eine Schwimmschule. L. ist der Mittelpunkt des sehr bedeutenden Getreide⸗ und Viehhandels der Provinz Friesland. Auch ist der Handel mit Butter und Käse, mit Cichorie, Flachs, Rindshäuten, Knochen, wollenen Manufakten und Kolonialwaren, Wein und Kornbranntwein sehr ansehnlich. Von industriellen Etablissements besitzt die Stadt gute Tischlereien, Spiegel⸗, Pianoforte- und Orgelfabriken, sowie eine ausgezeichnete Wagenbauanstalt. — L. wurde schon 1190 ummauert. Noch im 13. Jahrh. lag es an einem breiten Meerbusen, dem Mittelsee oder Borndiep, welcher allmählich durch Schlammanhäufung ausgefüllt wurde, sodaß der Ort jetzt eine Landstadt bildet. L. erhielt 1490 vom Herzog Albrecht ein Schloß und 1504 ward es Sitz des Rats von Friesland, 1559 auf kurze Zeit Sitz eines Bischofs. keewardinseln (Leeward islands), s. unter Antillen und Gesellschaftsinseln.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 894Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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