FeedLegierungen
NaturlehreBrockhaus 1882

Legierungen (frz. alliages, engl. alloys) nennt man durch Zusammenschmelzen erhaltene Verbindungen der Metalle unter sich. Die L. des Quecksilbers mit den übrigen Metallen werden Amalgame (s. d.) genannt. Die technischen Eigenschaften der L. lassen sich aus denen der Bestandteile selten vorausbestimmen; dennoch gibt es einige Punkte, über die allgemeine Angaben gemacht werden können. Hierzu lassen sich folgende Wetl 1) Die L. sind stets spröder als das weichste Metall unter den Komponenten; die Sprödigkeit eines Metalls nimmt durch Legieren mit einem noch sprödern Metall niemals ab. 2) Die Härte der L. ist größer als die Härte des weichsten Metalls der Bestandteile; ein weiches Metall wird durch Legieren mit einem härtern Metall niemals weicher, wohl aber meist härter. Durch Hämmern und Ablöschen im glühenden Zustande kann die Härte erhöht werden. 3) Die L. sind stets minder streckbar als das streckbarste der Metalle der Komponenten. Ein dehn- und streckbares Metall wird durch Legieren mit einem weniger dehnbaren nie zäher, sondern verliert oft durch Zusatz eines spröden Metalls seine Dehnbarkeit fast gänzlich. Die beiden Metalle Antimon und Arsen machen die meisten übrigen Metalle hart und spröde. 4) Die L. zeigen selten das aus ihrer Zusammensetzung sich berechnende spezifische Gewicht; in der Regel findet eine Verdichtung (Zunahme des spezifischen Gewichts) oder eine Volumenvergrößerung (Abnahme des spezifischen Gewichts) statt. Letztere findet statt bei Gold und Silber, Gold und Kupfer, Silber und Kupfer, Zinn und Blei, Zinn und Antimon; Verdichtung dagegen bei Kupfer und Zink, Kupfer und Zinn, Blei und Antimon. 5) Der Schmelzpunkt der L. liegt in den meisten Fällen niedriger als der des am leichtesten flüssigen Metalls, aus dem sie bestehen. Platin schmilzt bei 1480, Blei bei 332* und trotz dieser gewaltigen Unterschiede in den Schmelzpunkten vermag eine kleine Menge Blei, in einem Platintiegel geschmolzen, denselben durch Bildung einer leichtflüssigen L. zu durchlöchern. Die Zunahme der Leichtflüssigkeit ist häufig auffallend groß, wie die bekannten leichtflüssigen L. von Wood, von Rose u. a. zeigen, deren 4. ogteichid bis auf 68 erniedrigt werden kann, obgleich der Schmelzpunkt des leichtflüssigsten Metalls der Komponenten, des Zinns, bei 230 liegt. Manche L. haben die Eigentümlichkeit, beim Erstarren der geschmolzenen L. sich un entmischen. C. Künzel, dem man ausgedehnte Untersuchungen über verschiedene L., namentlich Bronzelegierungen, verdankt, hat gezeigt, daß ein Zusatz von Phosphor zu gewissen L. (insbesondere Bronze, s. Bronze und Phosphorbronze) deren Eigenschaften wesentlich verändert und die Metallmischung zu neuen technischen Anwendungen geeignet macht; durch einen Zusatz von Mangan wird die Festigkeit und Dehnbarkeit mancher L. erhöht. (S. Manganbronze.) Durch Strecken und Walzen können Elasticität und Härte gewisser L., wie z. B. der Stahlbronze von General Uchatius, noch bedeutend erhöht werden. Wichtige L., die in den Metallgewerben, der Maschinenindustrie und dem Münzwesen vielfache Verwendungen finden, sind Glockenmetall, Geschützmetall, gewöhnliche sowie Phosphor- und Stahlbronze, Medaillen⸗ und Statuenbronze (. Bronze), Messing (s. d.), Tombak, deutsches Scheidemünzmetall für Kupfer⸗ und Nickelmünzen, Neusilber, Britanniametall, Letternmetall, Aluminiumbronze, Zapfenlagermetall und die Silber- und Goldlegierungen, welche zur Herstellung der Gold⸗ und Silbermünzen und der Silber⸗ und Goldarbeiten dienen. Üüber die einzelnen Legierungen s. die Spezialartikel. Vgl. Bischof, « Das Kupfer und seine L.y (Berl. 1875); Ledebur, Die Verarbeitung der Metalle auf mechan. Wegey (Braunschw. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 899Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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