Leibgarde ist die seit dem Ende des 15. Jahrh. üblich gewordene Benennung der zum Schutze und der persönlichen Verteidigung des Fürsten bestimmten Truppe. Derartige Leibwachen haben zu allen Zeiten bestanden, bei den pers. Königen und deren Satrapen waren es deren Haustruppen, in der röm. Kaiserzeit die Prätorianer, bei den oström. Kaisern die Palatinarier und Scholarier, bei den türk. Sultanen die Mameluken, bei den russ. Zaren die Strelitzen, im Mittelalter die Gefolgschaften der großen Lehnsherren, in der Landsknechtszeit die Trabanten. In Frankreich wurden unter KarlVIII. und Ludwig XII. die Schweizergarde und Garde du Corps errichtet, und im 17. Jahrh. stellten fast alle Fürsten L. als stehende Truppen nach franz. Muster auf, welche im Frieden den Sicherheits- und Ehrendienst bei der Person des Fürsten ausübten und im Kriege dessen Bedeckung bildeten. Die Stärke der L. war deshalb anfänglich gering, wurde jedoch später erhöht. Damit ergab sich auch ine erweiterte Bestimmung derselben, im Kriege als Kerntruppe zur Schlachtenentscheidung mitzuwirken. (S. Garden, Leibtruppen und Maison du Roi.) Die franz. Garde du Corps wurde 1440 errichtet und durch die Revolution wieder aufgelöst, 1815 wieder errichtet und 1830 aufgelöst. Napoleon III. errichtete die Centgardes. In Brandenburg-Preußen wurde 1542 die Trabantengarde zu Fuß errichtet, 1571 die L. der einspännigen Knechte zu Roß, welche der Große Kurfürst sehr vermehrte und Kurfürst Friedrich III. 1692 Garde du Corps benannte. Diese löste König Friedrich Wilhelm I. 1713 auf, doch errichtete König Friedrich d. Gr. dieselbe 1740 wieder. Jetzt bestehen in Deutschland an wirklichen L. nur noch die preuß. Schloßgardekompagnie, die bayr. Hartschierenleibgarde, die württemb. Schloßgardekompagnie und die hess. Gardeunteroffizierkompagnie. In Ssterreich-Ungarn sind die königlich-kaiserlichen L., die Hofburgwache und die königlich ungar. Kronwache, in Rußland die Kompagnie der Palastgrenadiere und der Convoi des Kaisers, in England die Veomen of Queen's Guard und die Gentlemen at Arms, am päpstl. Hofe die Schweizergarde, Nobelgarde und Schloßgarde, in Spanien die Mouteros de Espinosa, die Alabarderos und die L. zu Pferd als noch jetzt bestehende wirkliche L. zu nennen.