Garden heißen gegenwärtig nicht allein die Leibwachen der Fürsten, sondern auch diejenigen Heeresabteilungen, welche durch Auswahl der Mannschaften bestimmt sind, eine musterhafte Kerntruppe zu bilden. Sie sind gewöhnlich in den Hauptstädten konzentriert und durch glänzendere Uniform und andere Vorzüge ausgezeichnet. Leibwachen gab es schon in den ältesten Zeiten. Die Herrscher des Orients umgaben damit ihre Person und liehen ihren Hoflagern Glanz und Schutz; so die ägypt., so besonders die pers. Könige mit ihren Unsterblichend. Die «Krethi und Plethio Davids, aus fremdem Volk gemischt, sind sprichwörtlich geworden. Auch Alexander d. Gr. hatte seine Leibwache. In den röm. Heeren des Kaiserreichs waren es die Prätorianer (s. d.). Die Herrscher des Mittelalters bildeten ihre Leibwachen zuweilen aus fremden Söldnern. Kaiser Friedrich II. z. B. hielt eine sarazenische, die letzten Paläologen in Konstantinopel hatten eine warägische (normannische) Leibwache. In der spätern Zeit waren es die franz. Könige seit udwig XI., welche ihre G. (vom franz. garder, bewachen) vermehrten, bis unter Ludwig XIV. die Reiterei derselben unter dem Namen Maison du roi (Haus des Königs) den höchsten Glanz, allerdings auch durch Kriegsruhm, erreichte. Bei den Reformen des Kriegsministers Saint-Germain 1776 beschränkt, blieben nur die Gardes du corps nebst den Gendarmes und als Fußgarden die Gardes françaises und die Schweizer, welche in der Revolution teils untergingen, teils aufgehoben wurden. Viele Fürsten Europas, besonders Friedrich I. von Preußen, hatten Ludwig XIV. auch darin nachgeahmt, daß sie zahlreiche und glänzende G. errichteten. Friedrich Wilhelm I. von Preußen hatte nur sein eigenes Garde-Grenadierregiment, dessen Mannschaft sich durch riesige Größe auszeichnete. Friedrich d. Gr. vermehrte die G. wieder, welche in den Kriegen besonders rühmlich kämpfte. Die Bestimmung der G., als Kern und letzte Reserve der Heere zu dienen, ist besonders durch Napoleon J. begründet worden. Derselbe errichtete zuerst als Konsul eine Konsulargarde, welche nachher als Alte G. vom Kaiser nach und nach bedeutend vermehrt wurde. Die Kaisergarde war 1812 (mit der als Vorschule dienenden Jungen G.) 56 000 Mann stark. Die Alte G. ist die erste Truppe der Welt gewesen, an Kriegstüchtigkeit von keiner andern erreicht. Jeder Unteroffizier der Alten G. konnte als Offizier in die Linie eintreten; das Kreuz der Ehrenlegion zierte einen großen Teil. Eine enge Kameradschaft, ohne Unterschied der Waffen, herrschte im ganzen Korps. Diese ausgezeichneten Soldaten, mit ihren kleinen Eigentümlichkeiten: dem kurzen, gepuderten Zopf, den Ohrringen, den Tättowierungen auf Arm und Brust, fanden meist in Rußland ihren Untergang. Der Rest wurde wieder formiert und die G. durch neue Truppen der Zahl nach imposant verstärkt, aber sie war die frühere nicht mehr. Die Trümmer der Alten G. erlagen bei Waterloo, doch ist der Ruf: „Die Garde stirbt, aber sie ergibt sich nicht lo durch glaubwürdiges Zeugnis in Abrede gestellt worden. (S. Cambronne und Halkett.) Nach 1815 hatten die Bourbonen auch ihre G.; durch die Julirevolution wurden sie abgeschafft; Napoleon III. aber errichtete 1854 wieder eine Kaisergarde, welche nach den Niederlagen von 1870 nicht mehr hergestellt wurde. Von den in den übrigen europ. Heeren vorhandenen G. ist das russ. und preuß. Gardekorps, besonders trefflich; letzteres wurde in den Feldzügen 1866 und 1870—71, gleich den andern Korps, in erster Linie verwendet. Österreich hat nur Leibwachen am Hoflager, keine G. in der Armee.