FeedLeim
NaturlehreBrockhaus 1882

Leim (frz. colle, engl. glue). In dem Organismus hauptsächlich der höhern Tiere finden sich gewisse Gebilde, welche die Eigenschaft besitzen, in kaltem und heißem Wasser unlöslich zu sein, durch fortgesetztes Kochen mit Wasser aber sich zu lösen und beim Verdampfen der Lösung eine beim Erkalten gelatinierende Masse (Gallerte, s. d.) zu bilden, die beim Austrocknen den L. gibt. Dieses Umwandlungsprodukt der sog. leimgebenden Gewebe oder der L. dient zum Zusammenfügen der Holzarbeiten und in der Buchbinderei und Kartonnage zum Leimen des Papiers, als Klärmittel, als Kitt, zur Imitation von Schildpatt, Elfenbein und Perlmutter und zu künstlichem Holze. Die leimgebenden Gebilde kommen organisiert im Tierkörper vor; man rechnet zu ihnen das Zellgewebe, die Bänder, die Sehnen, die Knorpel, das Corium, das Hirschhorn, die Knochensubstanz (Ossein), die Schwimmblase der Fische u. s. w. Der aus den verschiedenen leimliefernden Stoffen gewonnene L. zeigt, je nach seinem Ursprunge, einige Unterschiede, namentlich hatman in chem. Hinsicht zwei verschiedene Leimarten zu unterscheiden, nämlich den Knochenleim (Glutin) und den Knorpelleim (Chondrin). Den Knochen- oder Lederleim stellt man aus dem Leimgut, aus Abfällen der Gerberei, Fellen, Ochsenfüßen, Pergamentabschnitzeln, Flechsen, Gedärmen, Lederabfällen, durch Versieden desselben mit Wasser, Formen der entstandenen Gallerte und Trocknen des L. auf aus Bindfaden gefertigten und ausgespannten Netzen dar. Den Knorpelleim gewinnt man aus den Knochen, die fast zum dritten Teil aus Knorpel bestehen, indem man die vorher entfetteten Knochen mit Salzsäure von der Knochenerde befreit und den Knorpelrückstand durch Kochen mit Wasser in Lösung bringt, aus welcher dann durch Abdampfen der L. gewonnen wird. Einzeln bringt man den L. nicht in getrocknetem Zustande, sondern in Form von Gallerte (Leimgallerte) in den Handel. Essigsäure und Salpetersäure verhindern das Gelatinieren eines L., worauf die Bereitung von flüssigem Leim beruht. Aus Hausenblase bereitet man Fischleim. Mit arab. Gummi und Zucker vermischt, bildet der L. den Mundleim, mit Glyzerin oder Sirup versetzt das Material zu den Buchdruckerwalzen. Außer dem gewöhnlichen tierischen L. stellt man auch Kleberleim und Caseinleim dar, die anstatt des L. hier und da Anwendung finden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 922Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

In anderen Lexika 1

Alle Lexika nebeneinander →

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Naturlehre 6