Leinölfirnis ist ein Leinöl, dessen Trocknungsvermögen durch geeignete Behandlung erhöht ist. Die gewöhnlich angewandte Methode der Darstellung besteht in einer andauernden Erhitzung des Leinöls mit Bleioxyd. 100 kg Leinöl werden in einem Kessel, der höchstens zu drei Vierteln davon erfüllt wird, langsam erhitzt, bis das Öl keinen Schaum mehr bildet. Nach dem Abschäumen fügt man 3 kgemit etwas Leinöl angeriebener Bleiglätte oder Mennige in kleinen Portionen nach und nach zu und erhält damit das ol während zwei Stunden auf einer möglichst hohen Temperatur, ohne es jedoch zum Aufwallen, welches leicht mit überkochen verbunden ist, kommen zu lassen. Oder man vermischt 100 kg siedend heißes Leinöl mit 400 g Siccatif (borsaures Manganoxydul) und erhält dies kurze Zeit im Sieden. Auf kaltem Wege läßt sich L. durch Schütteln von 100 Teilen Leinöl, welches vorher mit 5 Teilen Bleiglätte abgerieben ist, mit 30 Teilen Bleiessig darstellen. Jeder L. sollte nach seiner Bereitung mehrere Wochen gelagert werden, um den beigemengten und aus dem Ole abgeschiedenen Stoffen Zeit zu lassen sich abzusetzen, worauf der ganz klare Firnis abgezogen wird. Will man ihn möglichst farblos haben, so wird er in Flaschen der Einwirkung des Sonnenlichts ausgesetzt. Der L. findet die verschiedensten Verwendungen. Er ist das Vehikel fast aller Slfarben, die zum Anstrich, zum Malen, zum Drucken dienen. Er bildet einen Bestandteil der meisten fetten Firnisse. Im Gemisch mit Schlemmkreide ist er der Glaserkitt. Er dient zum Olen von Leinwand, um diese undurchlässig für Wasser zu machen.