Leinpflanze gewonnenes fettes, trocknendes Ol. Bei kaltem Pressen erhält man etwa 20 Proz. vom Gewicht des Samens eines fast farblosen Ols, während durch warmes Pressen die Ausbeute auf etwa 28 Proz. zu steigern ist, wobei ein Ol von gelblicher bis gelber Farbe gewonnen wird. In frischem Zustande ist das Ol durch beigemengten Pflanzenschleim mehr oder weniger getrübt, beim Lagern scheidet sich der Schleim ab, und es kann dann das völlig klare Ol abgezogen werden. Das L. bleibt noch bei hohen Kältegraden flüssig, es erstarrt erst bei —34 C. In siedendem Alkohol löslich, in kaltem Alkohol nur wenig löslich. Es ist seiner Hauptmenge nach ein Glyzerid der Leinölsäure. An der Luft nimmt es Sauerstoff auf und verharzt; soll es vor dieser Veränderung bewahrt bleiben, so ist es in ganz gefüllten Gefäßen aufzubewahren. Durch Einwirkung des Lichts wird es gebleicht. Das kalt geschlagene Ol dient in manchen Gegenden als Speiseöl, doch ist es zu diesem Zwecke nicht zu empfehlen, da es für den nicht daran Gewöhnten einen unangenehmen Beigeschmack hat. Seine Hauptverwendung findet es in der Technik zur Darstellung von Leinölfirnis (s. d.). In Rußland benutzt man es in der Seifensiederei. Auch hat man es als Brennöl verwandt, wozu es sich jedoch wenig eignet, da es mit rußender Flamme brennt und kostspieliger als andere Brennöle ist.