FeedBerusteinfirnis
NaturlehreBrockhaus 1882

Berusteinfirnis, eine Lösung von Bernsteinkolophonium in Terpentinöl, deren Konzentration dem beabsichtigten Zwecke angepaßt wird. Will man einen dickflüssigen, tiefschwarzen Firnis, so trägt man in schwach erwärmtes diefes⸗ so lange Bernsteinkolophonium ein, als dieses noch —. wird, und erteilt dem Firnis durch Zusatz von erpentinöl jeden beliebigen Grad von Flüssigkeit. Mit Leinölfirnis gemischter B. wird als Bernsteinlack bezeichnet. „Bernsteinkolophonium nennt man den durch Erhitzen und Schmelzen veränderten Bernstein. Durch diese Operation erleidet der Bernstein, auf gleiche Weise wie manche andere Harze eine wesentliche Umwandlung seiner Eigenschasten, die darin besteht, daß das im natürlichen Zustande in flüchtigen Slen unlösliche Harz sich nun mit Leichtigkeit in Terpentinöl u. dgl. löst und damit für die Degente und Lackbereitung vorzügliches Material liefert. Zur Darstellung wählt man die dunkelsten und geringwertigsten Sorten des Bernsteins, kleine Abfälle von der Verarbeitung u. dgl. Das Material wird in einer eisernen mit Helm und weitem Kühlrohre versehenen Destillierblase vorsichtig bis um Schmelzen erhitzt und dann so lange im geschmolyenen Zustande belassen, bis das anfangs uuhig, Ohn Aufwallen nachläßt und das Ganze ruhig, ohne mehr Heaunte werfen, fließt. Es ist hierbei sehr genaue Regulierung der Temperatur erforderlich, da die fertig geschmolzene Masse leicht durch zu starke Wärme verdorben wird. Ist der richtige Grad von Schmelzung erreicht, so läßt man das Iunaencler durch ein Abflußrohr in einen eisernen Kasten laufen, in welchen es nach dem Erkalten zu einer pechschwarzen, glänzenden, auf dem Bruche muscheligen Masse erstarrt. Während des Schmelzens entweichen reichliche Dämpfe, welche — teils im Helm und Kühlrohr zu fester Bernteinsäure (s. d.), teils zu Ol (s. d.) und Wasser ver-Bernsteinkilste, . Samland. ldichten. Bernsteinöl, ätherisches, wird gewonnen, indem man das bei der mdene 6 des Bernsteinkolo-Chimmern (. d.) entstandene ölige, grünlich blau immernde, undurchsichtige Destillat, das empyreumatische B., vom beigemischten Wasser trennt und aus gläsernen Retorten so oft rektifiziert, bis es völlig farblos erscheint. Die Farblosigkeit bewahrt das Ol jedoch nur, wenn es vor der Einwirkung von Luft und Licht auf sorgfältigste Weise bewahrt bleibt; die Fabriken, welche sich mit der Darstellung dieses Präparates —— pflegen daher das Öl unmittelbar nach seiner Bereitung in kleine, ganz davon erfüllte Flaschen zu verteilen, in denen es später zum Versand kommt, die Aufbewahrung erfolgt an einem dunkeln Orte. Trotzdem ist das Ol im Handel selten farblos zu treffen, meist ist es gelb. Das rektifizierte Ol ist ein Gemenge von zwei isomeren Camphenen (30 HI6e, von denen das eine bei 1107, das andere bei 260 siedet. Obgleich die Siedunkte der beiden Ole so weit voneinander liegen, ist eine scharfe Trennung derselben durch fraktionierte Destillation nicht möglich; es scheint der n01 ter rend 5e Anteil aus dem schwerer siedenden Ol uachen er Destillation durch Zersetzung hervorzugehen. ein organische Säure, deren Vorkommen im Bernstein schon 1550 von Agricola erkannt wurde. Sie findet sich außerdem vielfach verbreitet im Pflanzenreich wie auch im Tierkörper. Bei der Darstellung geht man meist von Bernstein aus und erhält sie im unreinen Zustande als Nebenprodukt bei der Fabrikation des Bernsteinkolophoniums (s. d.). Die rohe Säure wird, soweit es thunlich ist, mechanisch vom beigemischten Ol befreit, in siedendem worauf beim Erkalten eine reichliche ttef braun einer durch gelöstes und verändertes Ol tief braun gefärbten, unangenehm riechenden Säure erfolgt. Diese wird von der tief gefärbten Mutterlauge getrennt, von neuem in heißem Wasser gelöst, unter Zusatz von gepulverter Holzkohle gekocht, krystallisiert und diese Umkrystallisation wird so oft wiederholt, bis die Krystalle nur noch soerag gelb gefärbt sind. — diesem, noch durch Ol verunreinigten Zustande bildet sie das als Acidum benzolcum offizinelle Präparat der Deutschen Pharmokopöe. Will man sie chemisch rein erhalten, und sie von den dur stallisation kaum entferntern Anteilen von Öl befreien, so fügt man der partiell gereinigten Säure in kochender Lösung etwas Salpetersäure zu und kocht damit bis die Flüssigkeit entfärbt erscheint und sich das Ol in ein rötliches Harz verwandelt hat. Läßt man nach dem Filtrieren dann erkalten, so erhält man meist vollkommen farblose und geruchlose Krystalle; ist dies beim ersten male nicht erreicht, so kocht man zum zweiten male mit Salpetersäure und läßt wieder krystallisieren. Eine andere Darstellungsweise, die jedoch für die Bereitung des offizinellen Präparates nicht geeignet ist, gründet sich auf die Zersetzung, welche der apfelsaure Kalk durch Gärung erleidet. Apfelsaurer Kalk (s. Apfelsäure) wird mit Wasser angerührt, dann mit faulendem Käse als Fermentträger versetzt, worauf man die Mischung 8—14 Tage lang an einem warmen Orte, am besten bei einer Temperatur von 20—30 stehen läßt. Die Apfelsäure spaltet sich dabei bei normalem Verlauf der Gärung in Bernsteinsäure, Essigsäure, Kohlensäure und Wasser: Nach beendigter Gärung hat sich ein körnig krystallinischer Niederschlag, ein Gemenge von bernsteinsaurem und kohlensaurem Kalk gebildet, der mit Wasser ausgewaschen und mit Schwefelfäure ersetzt wird. Die vom schwer löslichen schwefelauven Kalk abfiltrierte Flüssigkeit liefert nach dem enbolle unreine Krystalle von B., die durch wiederholte Krystallisation gereinigt werden. Die reine B. krystallisiert in großen gut ausgebildeten, farblosen, rhomboidischen Prismen von intensiv saurem Geschmack. Sie ist löslich in 23 Teile kaltem, in etwa 1 Teil heißem Wasser, leicht in Alkohol, schwierig in Ather, schmilzt bei 1805, siedet bei 235 unter Verbreitung eines erstickend wirkenden Dampfes, und geht dabei zugleich in Bernsteinsäure⸗ nhydrid über, das durch Kondensation des Dampfes als Sublimat erhalten wird. Mit Basen verbindet sich die B. zu bernsteinsauren Salzen oder Succinaten; da sie eine zweibasische Säure ist, so bestehen zwei Reihen, neutrale und saure Salze; die neutralen Salze der Alkalien und der Magnesia sind löslich und krystallisierbar, die der übrigen Basen fast ausnahmslos unlöslich. H eine alte deutsche Familie, deren Glieder seit dem 12. Jahrh. als Erbherren auf Bernstorff und Teschow in Mecklenburg bekanm sind. Andreas Gottlieb von B., geb. 1640, der zur Erlangung der Kurwürde für Hannover und zur Erhebung +* I. auf den engl. Thron beigetragen, wurde 8. Okt. 1715 in den Reichsfreiherrnstand erhoben und starb 1726 als hannöv. Staatsminister. Da er keine Söhne besaß, so vererbte er das von ihm gestiftete Familien-Fideikommiß Gartow-Wotersen auf seinen Schwiegersohn und Neffen, den kurhannöv Kammerherrn und außerordentlichen Gesandten Freiherrn Joachim von B. auf Rüting (geb. 1678, gest. 1737). Die beiden Söhne des Letztgenannten, der berühmte dän. Minister Joh. Hartwig Ernst von Bernstorff (s. 3 auf Wotersen und Andreas Gottlieb von B. auf Gartow (geb. 1708, gest. 1768 als kurhannöv. Land⸗, Kriegs- und Schatzrat), wurden 14. Dez. 1767 mit ihren des dan. Descendenten in den Lehnsgrafenstand es dän. Reichs erhoben. Joh. Andr. Wottlie starb ohne Nachkommen; sein Bruder Andr. Gottlieb hinterließ jedoch zwei Söhne, welche die Stifter der beiden noch blühenden Linien des pe Emr wurden: die ältere oder Gartowsche Linie wurde von Graf Joachim Bechtold von B. (geb. 1734, gest. 3. Dez. 1807 als königl. ehen Sohn, der Geheimrat) begründet und von dessen Sohn, dem Grafen Ernst von B. (geb. 12. Juli 1768, gest. 2. Mai 1840), fortgeführt. Der Sohn des Letztern, Graf Bechtold von B., geb. 25. Okt. 1803, vormals erbliches Mitlied der hannöv. Ersten Kammer und unt derd des taatsrats, ist das gegenwärtige Haupt der Linie sowie auch Senior des Hauses. Die jüngere oder Wotersensche Linie hatte den zweiten Sohn des obengenannten Andr. Gottlieb, den Grafen Andr. Peter von Bernstorff (s. d.) ebenfalls bekannt als dän. Minister, zum Stifter. Letzterer hinterließ fünf Söhne. 1) Der älteste, Johann Hartwig Ernst, wurde Begründer der Speziallinie Gyldensteen-Wotersen, welche gegenwärtig durch Enkel, den Grafen 5. Wurll. von B., geb. 18. Jan. 1815, königl. preuß. Wirkl. Geheimrat und dän. Kammerherrn und Hofjägermeister, repräsentiert wird. 2) Der vierte, Graf Friedrich von B. (geb. 24. duie 1773, gest. 3. April 1838), stiftete die Spezialinie Dreylützow⸗-Stintenburg, an deren Spitze 940. 12. Ser sein Enkel, Graf Hermann von B., geb. 12. Sept. 1856, steht. Ein Oheim des letztern war der preuß. Minister Graf Albrecht von Bernstorff (s. d.. 3) Graf Magnus Karl von B., Erbherr auf Bernstorff in Seeland und dän. Oberst, est. 8. Dez. 1836, von welchem noch ein Enkel, Maguns, geb. 15. Sept. 1841, preuß. Hauptmann, lebt. 4) Graf Christian Günther von B., geb. 3. April 1769 zu Kopenhagen. Derselbe kam nach vollendeten Studien zur dän. Gesandtschaft in Berlin, dann als Gesandter nach Stockolm, worauf er ohne Anstellung in Kopenhagen ebte. Nach dem Tode seines Vaters, 1797, wurde er Minister des Auswärtigen, trat jedoch 1810 von seinem Posten zurück und ging als dän. Gesandter den Hof nach Wien, wo er auch 1814 dem Kongreß als dän. Bevollmächtigter beiwohnte. Hierauf lam er in gleicher KWienon nach Berlin, während sein Bruder ihm in Wien als Gesandter und nber-Er trat 1818 in den preuß. Staatsdienst und über nahm als Wirkl. Geh. Staatsminister das Departement der auswärtigen Angelegenheiten; in dieser Stellung u Nie er mit Entschiedenheit dem Metternichschen Reaktionssystem zu. Seit 1831 in Jogchim versetzt, starb er 28. Iaeh5. U 5) Graf darb im Friedrich von B., geb. 5. Okt. 1771, tarb 26. Okt. 1835 als dän. Geh. Konferenzrat und Gesandter am österr. Hofe.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 870Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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