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ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885

Afar (Afer; s.v. w. „Umherschweifende“; von den Arabern der Küste gewöhnlich Danakil, von den Abessiniern Adal, in Tadschurra Adel oder Adajel genannt), ein den Bedja und Galla verwandtes Nomaden-Volk, welches die Küstenstrecken und Inseln südlich von der Adulisbai bis zum Tadschurragolf bewohnt (ungefähr zwischien dem IV, und 195. nöral. Br, und dem 38. und 41. östl. L. von Paris). Das Land der A. hat die Form eines Dreiecks, dessen Grundlinie im Süden, dessen Spitze im Norden liest; sein Flächenraum beträgt 80000 -85000 DT] km (ca. 1. des Deutschen Reichs). Sie zerfallen in zahlreiche (ca. 150) Stämme („Kabail“); die wichtigsten sind: die Abail (am Golf von Tadschurra), dle Taltal (auf den Hochebenen im Innern), die Debenek (Debeni oder Dubbani), deren Wohnsitze zwischen jenen der Mudaito (die wieder in Abudaito, Ads-Homra, Ysa-Harabe, Galila, Kura etc. zerfallen) und Woema liegen; ferner die Ably, Adneto, Dachel, Darmele, Dettagora, Dinserra, Dondametta, Habasa (Hasaba), Nacher, Ruchba. — Die A. der Küste sind dem Islam fanatisch ergeben; im Innern hängen verschiedene Stämme noch dem Heidentum an; dem Christentum sind sie entschieden feind. Sie sind unruhig, wild, streitsüchtig und g: ausam und verteidigen ihr armseliges Heimatland mit Tapferkeit. Sie bilden keinen Gesamtstaat unter Einem Häuptling oder Scheikh, sondern jede Kabile (Stamm) betrachtet sich als unabhängig, folgt ihrer besondern Fema (Art Staatsrat\ und hat ihren besondern Akil (Schekh). Sie treiben Sklavenhandel und einigen Warentransit, führen auch die Karawanenzüge zwischen dem Roten Meere und Abessinien; die auf den Inseln hausenden A. beschäftigen sich mit Fischfang und Wassertransport. Ackerbauer sind sie nicht; ihre Haustiere sind Kamele, Ziegen und Schafe, deren Milch ihre Hauptnahrung bildet. — Die A. sind (nach Hartmann) wohlgebaut, hager und mittelgross; ihr Profil ist vorgebaut, gleich jenem der Bescharin und Agau; die Nase gebogen, die Lippe fleischig und oft aufgeworfen; die Haare sind kraus und werden meist über der Stirne emporgekämmt. Die Männer tragen einen kurzen Hüftschurz von weissem oder buntkarriertem Baumwollenzeug, um die Schultern die Schama oder ein Fell, an den Füssen Sandalen, Als Waffen dienen ihnen eine 6—7 Fuss lange Lanze, oben in eine mindestens fusslange Spitze auslaufend, unten mit Metall umgeben, ein2-3 Fuss breiter Schild aus Beesa- oder Büffelhaut, ein grosses krummes Messer, das sie in einem breiten Ledergurt befestigen, und eine grosse starke Holzkeule. Die Weiber schlagen einen rindsledernen Schurz um die Hüften und befestigen ihn mittelst eines Gürtels; die Haare fallen in zahlreichen, eng geflochtenen Strähnen vom Scheitel; die Verheirateten bedecken den Kopf mit einem Stück durch Hauteinschnitte, tragen zinnerne Arm- und Knöchelbänder, Glasperlen um den Hals und Spiralen von Messingdraht an den Ohren. Das Land der A. oder Danakil ist wasser- und vegetationsarm; nur spärliche oasenartige Striche tropischen Pflanzenwuchses unterbrechen den an dunklen vulkanischen Felsen und Erden, wie an salzigen Ausschiessungen reichen Boden. Im Norden und Westen wird es vom Hawasch durchströmt, aber sein belebender Einfluss erstreckt sich nicht über seine Thalgrenzen hinaus. Am untern Hawasch zwischen der Tadschurrabai und den schoanischen Alpen muss der Charakter des Landes ein günstigerer sein; die Anmut des Aosathales (s. Aosa) ist vielfach gerühmt worden; indessen sind diese Landstriche, aus denen noch kein Europäer zurückgekommen ist, wenn er sich dorthin gewagt hatte, noch so gut wie unbekannt. Die Hauptorte des A.-Landes sind: Tadschurra (an der gleichnamigen Bai), wo der Grossschekh oder Sultan der Adail residiert, Aosa (s. d.) und Rahhaita. Das Land der A. war den Kulturvölkern des Altertums nicht unbekannt; ihre Erdbeschreibungen überliefern uns viele Namen von Küstenortschaften, deren Form sich in der heute noch üblichen leicht wiederfinden lässt. Zur Zeit der arabischen Herrschaft ist viel zur Erforschung der Afarküsten geschehen; die wertvollsten Nachrichten hat uns aber der syrische Araber Makrisi (1435) gegeben, dessen Werk unter dem Titel „Historia regum islamiticorum in Abyssinia“ von Rinck (179V, in 4°) übersetzt wurde. In neuerer Zeit war es besonders Beke, welcher im April 1839 mit Harris, beinahe gleichzeitig mit den Missionären Isenberg und Krapf, Forschungsreisen durch das A.-Land unternahm; ihnen folgte im August desselben Jahres und zum zweiten male 1342 Rochet d’Hericourt, endlich der vom ägyptischen Chedive 1872 zum Generalgouverneur des östlichen Sudan ernannte Munzinger Pascha, der die abessinischen Grenzländer wiederholt bereiste, aber im November 1874 auf einem von der Tadschurrabai aus landeinwärts unternommenen Kriegszug "im Aosathal von dem Afarstamme der Mudaito überfallen und ermordet wurde; endlich 1885 der Patrizier Antinori (s. d.). Afarik, ein Berberstamm in der algerischen Provinz Constantine.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 1, S. 30Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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