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GeschichteAfrika Hand-Lexikon 1885

Brazza, Peter, Graf Savorgnan de, einer der hervorragendsten Afrika-Reisenden der Gegenwart, anfangs der fünfziger Jahre zu Rom geboren als Nachkomme eines alten Adelsgeschlechtes, kam in früher Jugend nach Frankreich, trat 1868 durch Vermittelung des Admirals de Montaignac in die Marineschule und oehörte als Leutnant 1870 dem G6eschwader an, welches die deutschen Nordseehäfen blockierte, wurde 1871 an der algerischen Küste, 1873 am Kap, 1874 am Gabon und Senegal stationiert. Von hier aus trat er mit dem Angebot an die französische Regierung, den Ogowe in seinem Oberlauf zu erforschen. Im August 1875 trat er seine erste Ogowe-Reise an in Begleitung des Arztes Ballay, des Marineoffiziers Hamon und des Naturforschers Marche. Im Gebiete der Sebbe traf er mit Lenz zusammen und zog mit ihm bis in das Gebiet der friedlichen, dem Handel obliegenden Aduma. Hier verweilte B., um auf Ballay zu warten, welcher ihm einen Warentransport nachführen sollte. Nach dem Eintreffen seines Gefährten reiste er aber, um seine Gesundheit zu restaurieren, nach Lope zurück und traf erst im April 1877 wieder bei dem Katarakt von Dume mit Marche und Ballay zusammen, Marche, welcherinzwischen auf dem vorher sehon von Lenz .begangenen Wege bis zur Mündung des Lekele gelangt war, kehrte, ebenfalls heftig ‚erkrankt, nach B,s Ankunft nach- Europa zurück. Aber erst im März 1878 gelang es B., den vorausgegangenen Dr. Ballay im Gebiete der Avumbo einzuholen, wo der Ögowe sich in zwei unbedeutende, nicht schiffbare Quellflüsse, den Rebagni und Passa, spaltet. Während Ballay von hier aus den Rückweg antrat, drang B. bis in das von: Stanley durchzogene Kongo-Gebiet vor, entdeekte die beiden, von West nach Ost fliessenden schiffbaren Flüsse Alima und Licona, mit deren Anwohnern, den wilden Apfurus, erheftige Kämpfe zu bestehen hatte, sah sich aber ebenfalls zur Umkehr genötigt, holte Ballay noch ein und wandte sich mit ihm der Küste wieder zu, welche er krank und in völlig entblösstem Zustande unter grossen Strapazen wieder erreichte. Die Pariser Geogr. Gesellschaft verlieh ihm für diese Reise die goldene Medaille. Seine zweite grosse Reise trat B. Ende Dezember 1879 an, sobald er Kunde von der Entdeckung des Kongo-Laufes durch Stanley erhalten hatte. Er war nunmehr überzeugt, dass die von ihm entdeckten Flüsse Alima und Lieona zum System des Kongo gehörten und dass vom obern Ogowe aus der schiffbare Teil des mittlern Kongo mit geringerer Mühe zu erreichen sein würde, als durch Umsehung der Katarakten und Stromschnellen auf einem stark coupierten und zerrissenen Terrain. Er befuhr den Ogowe stromaufwärts, legte im Juni 1880 die Station Franceville am Zusammenflusse des Passa mit dem Rebagni an, entsandte Mitte Juni den Ingenieur Michaud mit einer Flottille von 44 Pirogen nach den Faktoreien am Unterlaufe des Ogowe, um seine Begleiter Dr. Ballay und Leutn. Mizon, sowie das für den Kongo bestimmte Dampfboot nach der Station zu bringen. Da dieselben an der Küste noch nicht eingetroffen waren, trat B. schon im Juli seinen Zug landeinwärts an, nachdem er seinem letzten europäischen Begleiter Noguez die Leitung der Station übertragen hatte. Durch das sandige und waldarme Gebiet der Bateke, über das von den Zuflüssen des Kongo durchbrochene ca, 800 m hohe Plateau gelangte B. in das zwischen dem Lekeli, einem südl. Nebenarm des Alima, und‘ dem Mpama gelegene Gebiet der ackerbauenden Aschikuya und das zwischen dem Mpama und Kongo gelegene Gebiet der Schiftfahrt und Handel treibenden Aboma. Auf dem Lefini (Stanleys Lawson) fuhr B. mittels eines Flosses stromabwärts bis Ngampey, dann über eine öde, nur hier und da von tiefen Schluchten, in denen Granitfelsen emporragten, durchschnittene Sandwüste an den auf dieser Strecke Olumo genannten Kongo. Hier gelang’es ihm. mit dem Makoko der Bateke, welcher auf das Nordufer des Kongo vom Lefini bis zum Stanley Pool Ansprüche erhebt, einen Vertrag abzuschliessen, welcher ihn in Besitz eines Gebietes am Stanley Pool brachte. Auf einer fünftägigen Kanoefahrt legte B. die Strecke bis dorthin zurück und errichtete am 3. Oktober 1850 zwischen den Einmündungen der Flüsse Impila und Djue oder Ine (Stanleys Gordon Bennett River) die von dem französischen Komittee Brazzaville genannte Station. Am 18. Oktbr. 1880 brach B. wieder nach der Küste auf, die er Ende Novbr. 1880, nach einem kurzen Aufenthalt bei Stanley in dessen Station Mdambi Mbongo, Ende Novbr. 1850 wieder erreichte. „Do war es dem unerschrockenen französischen Offizier gelungen, mit seiner kleinen T'rägerkolonne sich des wichtigen Knotenpunktes am Stanley-Pool, welcher die Pforte zu den noch unerforschten Gebieten im Innern des Kontinentes bildet, zu bemächtigen, bevor Stanley selbst mit seinem grossen Apparate von Fahrzeugen, Waren, Provisionen und seinem ungeheuren Tross von Arbeitern die ihm sich entgegenstellenden Hindernisse in dem zerrissenen und koupierten Terrain längs des Kongo überwinden konnte.“ Nachdem B. am 15. Dezbr. 1380 in Libreville, dem Hauptort der Kolonie Gabon, gelandet war, ohne seine Gefährten Ballay und Mizon dort mit dem für den Stanley-Pool bestimmten Dampfboot vorzufinden, kehrte er nochmals nach Franceville zurück, um Leuten Provisionen zu senden. In Lawmbarene am untern Ogowe traf er mit dem Ingenieur Michaud zusammen, welcher bereits zweimal unverrichteter Sache die Fahrt stromauf unternommen hatte, und erreichte Mitte Februar 1881 Franceville, wo der Bau und die Pflanzungen der Station inzwischen so weit vorgeschritten waren, dass die Bewohner derselben nicht mehr auf Proviant von der Küste her angewiesen waren. Um die Erlaubnis zur Anlage eines neuen Postens am Alima zu erlangen, reiste B. von hier aus wiederholt in das Gebiet zwischen Ogowe, Alima und Leketi, liess Brücken über den letztern und seinen Nebenfluss Ngialiku schlagen und gründete im September 1851 die Alima-Station. Weil aber inzwischen von Dr. Ballay aus Gabon die Nachricht eingelaufen war, dass er durch notwendige Reparaturen an’ dem zu transportierenden Fahrzeuge zu längerm Aufenthalt gezwungen sei, übertru& B. die Leitung der Station Franceville an Mizon und brach im Dezember 1881 nach Dorf Npango am Mpama auf, folgte dessen Laufe aufwärts, überschritt die sandige Wasserscheide zwischen Kongo und Ogowe abermals und entdeckte am 8. Februar 1882 die eigentliche Quelle des Ogowe, gelangte anfangs März in südlicher Richtung an den in den Kuilu mündenden Niari, überschritt den Djue oder Gordon Bennett River und gelangte in westlicher Richtung am 17. April nach Landana, nachdem er auf dem Plateau zwischen Niari und Lundima einen Strauss zu bestehen gehabt. In Frankreich gelang es ihm durch unermüdliche Agitation, die Regierung für seine kolonisatorischen Pläne zu gewinnen. Die Kammern saben dem von ihm mit dem Bateke-Makoko gRschlossenen Vertrag ihre Zustimmung und bewilligten Kür die Anlage neuer Stationen, nloRe die » Verbindung ZWischen kan vorgeschobenen Posten herstellen sollen, unter anderen vier neue Stationen zwischen Franceville und

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 1, S. 258Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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