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NaturlehreAfrika Hand-Lexikon 1885

Lenz, Oskar, hervorragender Afrikareisender, geb. 13. April 1845 zu Leipzig, studierte daselbst Naturwissenschaften, namentlich Mineralogie und Geologie, und wurde dann an der geologischen Reichsanstalt in Wien beschäftigt. Nachdem er verschiedene Gebirgspartieen der österreichisch-ungarischen Monarchie bereist, erhielt er 1874 von der Deutschen Afrikanischen Gesellschaft den Auftrag, an der Westküste Afrika’s entweder mit der Güssfeldt’schen Expedition zusammen oder selbständig im Ogowegebiet zu forschen. L. untersuchte; nachdem er 17. Juni 1974 gelandet, zunächst den Munifluss und seinen Nebenfluss Nundi, erreichte auch einige Dörfer der Fan und ging dann an den Munda und Gabun, befuhr auch den Ogowe zuerst bis zur Mündung des Nguniö, dann bis Lope, wobei er den grossen Stamm der wilden kannibalischen Oscheba und das verkümmerte Volk der Abongo kennen lernte: 1876 konnte L. mit Hilfe der Oscheba (Fan), deren König Mbia er in seiner Residenz besuchte, von seiner am Ofue errichteten Station unter grossen Anstrengungen bis zum Schebe, einem rechten Nebenfluss des Okonda, vordringen, von wo er die Rückreise zur Küste und nach Europa antrat. 1879 begab sich L. wieder im Auftrage der Deutschen Afrikanischen Gesellschaft nach Marokko, um das Atlasgebirge genauer zu untersuchen und sich zugleich zu einer Expedition durch die westliche Sahara nach Timbuktu vorzubereiten. Diese letztere Aufgabe sollte er wider Erwarten schnell und glücklich lösen. Nachdem er nämlich Ende 1879 von Tanger aus eine kurze Exkursion nach Maktar gemacht hatte, trat er 22, Dez, bereits die Reise nach Timbuktu an, Er zog von Tanger über Fes, Mekines (am Abhange des Arungebirges) nach Marokko Bi von da, als Muselmann verkleidet und unter dem Namen Hakim Omär ben Ali, über Tarudant, wo er in Lebensgefahr schwebte, nach Dlesh und Diski, wo er bei Scheich # Ali freundliche Aufnahme und Unterstützung fand. Bei Taodeni fand dann L. den tiefstgelegenen Punkt seiner ganzen Tour “durch die Sahara und zwar 148 m ü. M., so dass von einer absoluten Depression durchaus nicht die Rede sein kann. Über Arauan weiterziehend, erreichte er 1. ui © 1880 glücklich Timbuktu, das jetzt ca. 20000 Einw. hat und nur en Schatten seiner einstigen Grösse sein soll. Am 17. Juli brach er in südwestlicher Richtung nach Senegambien auf und traf nach 20 Tagen in Basıkunnu und 2. Nov. in Medine, der äussersten französischen Militärkolonie im Senegal, ein. L. ist der vierte Europäer, dem es gelungen, Timbuktu zu erreichen, und der von da in westlicher Richtung wieder‘ zur Küste gelangte. Er kehrte, nachdem er nochmals nach Tanger gegangen, um seine Sammlungen abzuholen, über Spanien nach der Heimat zurück. Er redigiert jetzt die geogr. Wochenschrift „Aus allen Welttheilen“ und an 1884 die Leitung der öster-Westafrika (Kongo und Niger).

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 2, S. 826Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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