Kanem, Land im nördlichen Sudan, an der nördlichen Grenze von Bornmu. Es bildet das nördliche und nordöstliche Uferland des Tschad - Sees, im Osten grenzt es an Wadai, im Nordenan das Land der Tibbu oder Tebu. Es liegt etwa zwischen dem 14. und dem 16.° nördl. Br. und dem 12. und 14. östl. L. Es ist ein flaches, von zahlreichen Dattelthälern durchschnittenes Land. Ein grosses Wadi (von den Arabern Bachr -el - Ghasal, von den Kanemleuten Burrum, von den Tıbbu Fede genannt, schneidet das Land an seiner Ostgrenze von Nord nach Süd. Die Hauptstadt ist Mao; sie liegt etwa 60 km vom östlichen Ufer des .Tschad-See. In früherer Zeit war die Hauptstadt von K. Njmiye, nordwestlich vom Tschad-See. Seit langer Zeit verfallen und verlassen, ist Njmiye durch die aussetretenen Wassers des T'schad- See zerstört worden. Am Abhang eines Hügels, in einer etwas höhern Lage, wurde ein neues Dorf Ngegimi, gebaut. Mao ist ein grosses Dorf, das heute nach den Berichten der Eingeborenen etwa 8 —4U00 Einwohner zählt, obwohl seine Umwallung, wie es im Sudan Brauch, von einer bedeutenden Ausdehnung ist. Seine Einwohner werden von den Tebu „Beranema* genannt (was an den Namen Berauna erinnert, welcher den Tebu von den Fessaniern gegeben wird) K. hat ehemals in der Geschichte des Sudan eine bedeutende Rolle gespie!t. Leo Africanus berichtet, dass die ersten Herrscher dem Tibbu- oder Teda-Stamme von Bardoa angehörten. Im 11. Jahrhundert drang der Islam nach K. Die Sultane breiteten ihre Macht binnen kurzer Zeit über alle Stämme der östlichen Sahara aus. Zu Anfang des 12. Jahrh. dehnte sich ihr Reich, nach dem Berichte arabischer Reisenden, vom Fezzan bis an die Grenzen von Ägypten und Nubien. Bornu war damals ein Teil seines Gebietes. Im 14. Jahrh. zerfiel das Reich K. infolge von Kriegen, die zwischen den einzelnen Stämmen ausbrachen. Zu jener Zeit schwang Bornu sich zum selbständigen Reiche auf, dessen Herrschern es zu Anfang des 16. Jahrh. gelang, K. unter seine Botmässigkeit zu bringen. Seitdem ist K. nur noch ein Weideland, dessen Besitz sich die Unterthanen der Sultane von Bornu und von Wadai, desgleichen die aus dem Syrtengebiet ausgewanderten Araberstämme wechselseitig streitig machen. Bis zur Stunde ist K. noch von keinem Europäer vollständig erforscht worden; wir besitzen nur einzelne Tourenberichte. Barth zog nach K. mit dem auf einem Raubzug dorthin begriffenen Stamme der Uled-Sliman (3. Bd. seines grossen Reisewerkes). Beurmann wurde im Februar 1863 zu Mao ermordet. Nachtigal, dessen Sudanreise (1869 —74) die Kenntnis K.s bedeutend gefördert hat, musste sich des gleichen Mittels wie Barth bedienen, um auf der Reise nach Borgu K. zu durchschneiden.