Wadai (in der Schriftsprache auch Dar Salah), einer der mächtigsten Staaten im Sudan, grenzt im W. an Kanem und Bagirmi, im N. an das Land der Tebu, im O. an Darfor. Die Grenze gegen das südl. Negerland Dar Runga, welches an W. Tribut zahlt, bildet der Fluß Bahar-es-Salamat. Das Land, 319000 qkm groß, ist vorwiegend Niederung und, abgesehen vom südl. Teile, Steppengebiet, mit einzelnen kahlen Berggruppen besetzt. Perennierende Wasserläufe scheinen nur im Süden vorzukommen, wo sich das Flußsystem des Aukadebbe, eines mächtigen Nebenflusses des Schari, findet. Unter den Wadis, die im größten Teile Wis die Flüsse ersetzen, sind der Bahar-es-Salamat und der Batha (in der Mitte des Landes) die bedeutendsten. Letzterer sammelt in der Regenzeit das Gewässer in dem Fittri-See, im Osten der Schari-Mündung. Die Flora und Fauna ist diejenige des Sudan. Hauptnahrungsmittel sind Ducha (Pennisetum typhoideum), Weizen und Reis. Man züchtet ausgezeichnete Kamele, Pferde und Rinder. Die Haupthandelsartikel sind Straußfedern, Elfenbein und Sklaven. Die Zahl der Einwohner wird auf 3—6 Mill. geschätzt. Zu der einheimischen Negerbevölkerung sind Fulbe und Araber eingewandert; im Norden wohnen Tibbu. Die herrschende Religion ist der Islam; doch ebe es namentlich im Süden viele Heiden. Die frühere Hauptstadt Wara ist verlassen; die jetzige Residenz Abeschr zählt 9—10000 E. W. ist kein altes Reich. Salah, der Stammvater des Herrscherhauses, wohnte in der Landschaft Schendi im Nilthal. Seine Familie zog nach For und hielt sich hier in der Berglandschaft Wodaldaher W.) auf. Ihr gehörte Abd-el-Kerim an, welcher sich in der Gegend der spätern Wara ansiedelte und dort versuchte, unter dem heidnischen Volke der Tundzur den Islam auszubreiten. Er gründete endlich, nach Totung des letzten Tundzurkönigs Daud, 1635 das Reich W., legte die Hauptstadt Wara an und baute die erste Moschee. Er regierte 20 Jahre, zahlte aber Tribut an For und an Bornu. Der weiseste und kräftigste seiner Nachfolger, Abd-el-Kerim-Sabun, regierte w1803 — 13. Sultan Ali, seit 1859, regiert streng und gerecht und hat die in W. ewig gärenden Parteien zum Schweigen gebracht. Auch eroberte er die Osthälfte Kanems, das Land Runga und neuerdings Borku, im Norden W.s. Die Handelsstraßen aus W. führen über Kufra nach Bengasi am Mittelmeer und über Borku nach Tripoli; der alte Weg über Darfor nach Agypten hat an Bedeutung verloren. Der erste Europäer, der W. betrat, war Eduard Vogel (s. d.). Erforscht wurde das Land erst 1873 durch Gustav Nachtigal (s. d).