Kassai (Kasai, Kassabi), Fluss im Konzo-Becken, von welchem bis zu der unten bemerkten Reise des Leutnants Wissmann nur der Oberlauf bekannt war. Durch seinen westlichen Zufluss, die Ischikapa, nimmt das Kassai-Becken im Kibokwe seinen Anfang, am Osthange der Serra Mosamba. In seinem Oberlaufe durchschneidet der K. das Königreich des Muata-Djamvo. Bei Kikasse (im Reich Tupende), fanden die Reisenden Pogge und Wissmann den K. in einer Breite von 300-400 m. Eine Tagereise weiter stromauf, nahe der Stadt Mai-Munene, bildet der K. einen hohen Wasserfall. Nach Stanley sollte der . K. nur der Oberlauf des Ikelemba sein. Über die jüngsten Forschungen, welche Leutnant Wissmann über den K. und dessen Becken glücklich vollendet hat (1884), wird wie folgt berichtet: Wissmann befuhr den Kassai, den Pogge 1883 zwischen dem 21. u. 22. Grade östlicher Länge von Greenwich, überschritt, in der Meinung, dass er mit dem unter 0.25 Grad nördlicher Breite, 17.5 Grad östlicher Länge mündenden Ruki identisch sei. Jetzt zeigt sich, dass die Wissmann’sche Expedition durch die Mündung des Kuango (alle anderen Schreibweisen dieses Flusses sind willkürliche) unter dem 3. Grade südlicher Breite und unter 16.5 Grad östlicher Länge in den Kongo gekommen ist. Der Kassai muss also nordwärts vom 5. Grad, wo ihn Pogge überschritt, eine neue Bestätigung für die in letzterer Zeit aufgestellte Vermutung, dass das grosse zentralafrikanische Gebiet, welches wir jetzt als das „Kongobecken“ bezeichnen, sich im allgemeinen westwärts abflacht und so alle Zullüsse nordwärts und südwärts vom Kongo in eine fast, direkte oft westliche Bewegung bringt. Die Mündung des Kuango wird von den Eingeborenen Kua (Kwa) genannt. Daselbst befindet sich die Station Kua Mouth. Die Mündung wird aus den sich etwa 25 km ostwärts trennenden Felsen Mbihe und Mfini gebildet. Der Mfini, welcher nach den im Jahre 1877 von Stanley fälschlich erhaltenen Nachrichten auf unseren Karten Nkuta genannt wird, stellt sich nach der Befahrung desselben durch Stanley im Mai 1882 als der Ausfluss des Sees Leopold II., der nach den bisherigen Untersuchungen keinen weiteren Ab- und Zu. fluss hat. Darnach würden also der vou Süden kommende Mbihe zugieich die Wasser des Kuango und des Kassai (oder Kassali) mit sich führen, dementsprechend wird der Mbihe von den Eingehorenen als ein grosses, reissendes, für die Kahnschiffahrt sehr gefährliches Wasser bezeichnet. Beide Flüsse, der Kuango und Kassai, entspringen nahe dem 12. Grade südlicher Breitenach den fastnur von deutschen Forschern (Pogge, Wissmann, v. Mechow u. a.) angestellten Untersuchungen. Der Kuango hat demnach eine Länge von ungefähr 1200 Kilometern, während der Kasai wohl auf 1600— 2000 zu schätzen ist. Trotz ihrer beträchtlichen Länge und Wassermenge machte die Mündung des Kua doch auf Stanley keinen allzu grossen Eindruck, da die Ufer und die Inseln, sowie der Fluss selbst unübersehbare Schilfmassen trugen, wie bei so vielen anderen afrikanischen Flüssen. Man darf sich dabei nur an, die Schilderungen Schweinfurths von den Zuflüssen des oberen Nils erinnern.