FeedLlenos (los)
ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885

Llenos (los), Stadt auf der kanarischen Insel Palmas; 4000 Einw. der Baobab, Baumwollenbaum, Papaya, Mango, die Banane, Sandelholz, Papyrus, Zuckerrehr ete. Von wilden Tieren leben hier der Gorilla, das Flusspferd (Hippopotamus), Rhinoceros, Elefanten, Leoparden, Hyänen etc. Das Klima an der etwa 200 Meilen langen L.-Küste ist für den Europier weniger gefahrvoll wie an den meisten anderen Orten der afrikanischen Westküste. Die Krankheiten, unter welchen Europäer hier am meisten zu leiden haben, sind Fieber, Hautkrankheiten, Affektionen der Unterleibsorgane. Die Fieber nehmen nur in der Regenzeit einen bösartigen Charakter an und herrschen überhaupt nur, wie überall, in den sumpfigen Niederungen der Flussmündungen, während das innere Land und ganz besonders das Gebirge fieberfrei ist. Sehr zu statten kommt es hier dem Europäer, dass das Gebirge sich nahe an das Meer erstreckt, daher überall Gelegenheit vorhanden ist, rasch ein fieberfreies Gebiet zu erreichen. Die ersten Europäer, welche sich hier festsetzten, waren die Portugiesen. Ihr Handel ist aber ganz bedeutend zurückgegangen, trotzdem ihre Flagge in der ihnen durch die Berliner Afrikanische Konferenz zuerkannten Kolonie noch heute weht. Den grösseren Teil der portugiesischen Faktoreien hat die holländische Handelsfrma Kerdyk & Pinkoff (Rotterdam), jetzt: Afrikaansche Handelsvereeniging, angekauft. Neben derselben haben Hatton, Cookson & Co., Stuart, Douglas und andere englische und französische Firmen sich niedergelassen. Der Handel ist ein sehr einträglicher. -Eingeführt werden: Baumwoll- und Wollstoffe; Rum, Gin und Liqueure; Pulver und einläufige Steinschlossgewehre; Töpfer-Waren; Messingstäbe u. Messingringe; säbelähnliche Buschmesser, sog. Macheten; Seife; Salz; Tischmesser, Rasiermesser und Scheren; Flügelhörner; Edelkorallen; Messingbecken (sogenannte Neptunes); Spiegel; rote Schärpen, Fizhüte (nicht Zylinder), gewirkte rote Mützen, Uniformen und Livreeröcke; Schwerter, Säbel und Paradestöcke; Spielkarten, Harmonikas, dunkelblaue Perlen und Schmuckgegenstände, Die einläufigen . Steinschloss - Gewehre, welche die Loango-Neger immer noch fast ausschliesslich führen (Karabiner kommen selten vor), liefert England. Es sind zum Teil alte Musketen, die Hauptmasse aber wird in England nach alten Mustern fabriziert, und man sagt ihnen nach, dass die Läufe oft Ähnlichkeit mit alten Gasröhren haben, was nicht überraschen kann, wenn der Preis eines solchen Gewehres zwischen 5 u. 6 Mark schwankt. Unbedingt notwendig ist, dass der Schaft sehr lang, die Pfanne von Messing und das Zündloch genau in der Mitte angebracht ist. Dieser elenden Waffe entspricht das Pulver, das grobkörnig und von geringer Qualität ist. England und Holland teilen sich in die Einfuhr desselben. Es kommt in Fässchen von 3 Grössen auf den Markt, deren jedes 14, 7 oder 4 Pfund enthält, und für die sich die Geschäftsbezeichnung „Mann“, „Weib“ und „Kind“ herausgebildet hat. Deutschland (Hamburg) liefert im Verein mit Marseille Spirituosen, vorzüglich Rum, eine schlechte Sorte, die vor dem Verkauf noch verdünnt und mit spanischem Pfeffer versetzt wird. Das Getränk ist jedoch nicht so abscheulich wie das in Senegambien getrunkene ähnliche Gemisch. Gleich dem Rum gilt auch Tabak, der im Lande wild wächst, nur als Kleingeld und Scheidemünze, und als „dash“ (Zugabe) bei Einkäufen, Die Preise der Waren sind auffallend niedrig. Ein „Mann“ Pulver = 14 Pfund) kostet z. B. vier Cortado ( a8 Mark Wert), 1 Gallon Rum (5 Fa schen) 1 Cortado, eine gestrickte Jacke 1, bis 1 Cortado, ein Uniformrock 1 Cortado. Ausgeführt werden Palmöl und Palmkerne, Kautschuk, Gummi-Kopal, Erdnüsse, Sesamsamen, in oeringen Posten auch Elfenbein, ferner Orseille und einige andere Landes-Erzeugnisse. Das Palmöl steht in den Exportkisten an oberster Stelle, ihm zunächst kommt der Kautschuk, der es sogar eine Zeitlang zurückgedrängt hatte. Der geregelten Kopal-Gewinnung steht der das Umwühlen der Erde verbietende Aberglaube im Wege. Die Eingeborenen der Loangoküste sind die Bafiöte, ein stattlicher, dem europäischen Körpertypus in vielem ähnelnder Menschenschlag. Ihre Glieder sind wohl proportioniert, die Füsse meist klein, und der Kopf mit der stark gewölbten Stirn weist oft ein geradezu römisches Profil auf. Die Lippen der Bafiöte sind zwar voll, aber nicht so wulstig, wie bei den meisten anderen Negern, der Bartwuchs ist spärlich (meist.nur Backenbart), an den Lidern über den grossen feurigen Augen befinden sich lange Wimpern. Hervorstekende Backenknochen trifft man selten, dagegen bei Männern und Frauen einen ungemein üppigen Haarwuchs, sogar die Körperhaut ınit feinen Härchen bedeckt. Das Haupthaar ist schwarz und dicht gekräuselt. Die Hautfarbe der Bafiote ist ein zartes Braun, das im Alter um einige Nüancen dunkler wird, bei neugeborenen Kındern aber etwa der Mulattenfarbe gleichkommt. Zu Loango gehören noch eine Anzahl kleinerer Reiche, wie Santa Catharina (Konia) an der gleichnamigen Bai, Majumba, Kakongo, Ang0y0, Sonjo. Unter den Einwohnern finden sich schwarze (klimatisch ausgeartete) Juden, Nachkommen der 1492 aus Portugal vertriebenen Juden. — 2) Auch Name der Hauptstadt des alten Loangoreichs (die bisweilen auch „Boally genannt wird). Sie ist eine Meile von der Küste entfernt und liegt in einer weiten fruchtbaren Ebene; etwa 10—15 000 Einwohner und englische und nordamevikanische Handels- Faktoreien. Die Kenntnis der Loango-Küste wurde durch die deutsche Expedition dorthin 1873—76, welcher die Forschungs-Reisenden Güssfeldt, Falkenstein, Pechuel-Loesche, Lenz, v. Mechow, Lindner, Soyaux, Lux, Pogge, v. Homeyer, Schütt, Buchner angehörten, in ganz hervorragender Weise gefördert, wie das grosse, von Dr. Güssfeldt, Dr. Falkenstein und Dr. Pechu@l-Loesche herausgegebene Prachtwerk: „Die Loango-Expedition, ausgesandt von der Deutschen Gesell-. schaft zur Erforschung Äquatorial-Afrika’s 1873 — 76“. (Leipz. 1879) beweist.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 2, S. 834Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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