Palme. Die Palme ist in allen ihren Spezies einer der segenbringendsten Bäume Afrikas. Wir kennen 5 Hauptspezies derselben: die Ölpalme, Fächerpalme, Weinpalme, wilde Dattelpalme u. Kokospalme. „Die wichtigste und verbreitetste ist die Ölpalme (Elaeis guineensis), Im ästhetischen Sinne darf man ihr neben der stammlosen Raphia unter den Fiederpalmen aller Erdteile einen sehr’ hohen Rang anweisen, tadellos entwickelten Individuen sogar den ersten Preis der -Sehönheit zugestehen. Ihr kräftiger gerader Schaft, die breit ausgelegte sehr volle Krone von leicht gebogenen mit beweglichen Fiedern besetzten Wedeln stehen im olücklichsten Ebenmass zu einander. So ist sie eine ausgeglichene Pflanzengestalt, ein Typus kraftvoller Anmut und — was von den wenigsten Palmen gesagt werden kann — auch eine Schattenspenderin.“ Sie liefert in erster Reihe für den Handel das Palmöl, ihr fettes entfasertes Fruchtfleisch, welches angenehm bitter schmeckt, dient den Eingeborenen als Speise, und zur Zeit der Not bilden auch die Kerne ihrer Nüsse ein nicht zu unterschätzendes Nahrungsmittel. Ferner liefert sie, ohne dabei Schaden zu leiden, grosse Mengen ihres erfrischenden Saftes zur Bereitung des Palmweines. Die stattlichen Wedel lassen sich zu Umzäunnngen der Gehöfte, zu Fischereianlagen in Flüssen verwenden, und man verfertigt aus ihnen auch leichte und doch dauerhafte Tragkörbe. Die Rippen der Fiederblätter werden zu Besen verarbeitet, die festen Gefässbündel der Wedelstiele ersetzen die Darmseiten bei Musikinstrumenten, und die Rippen und Streifen der Fiederblätter verwendet man als dauerhaftes Flechtmaterial zum Überziehen geschlossener Körbe. Das Verbreitungsgebiet der Olpalme erstreckt sich von der Westküste Afrikas weit nach Osten ins Land hinein, bis an das Westufer des Nyassa, an das Ostufer .des Tanganika und in das Land der Monbuttu. „Ihre nördlichen und südlichen Verbreitungsgrenzen im Innern des Kontinents sind noch nicht zu bestimmen, an der Küste fallen dieselben etwa mit den (rebieten des Gambia und Cunene zusammen. Auf den Guinea-Inseln kommt sie ebenfalls vor, in ungewöhnlicher Menge namentlich auf der Ostseite von Fernando-Po, wo sie nach Baikie noch 900 Meter über dem Meere gedeiht. Im Innern Angolas wächst sie gleichfalls noch in bedeutender Höhe, nach Soyaux aber nicht mehr in voller Kraft u. Schönheit.* — Die Fächerpalme besitzt einen säulenartigen Stamm, welcher durchschnittlich 10 bis 12, selten bis 20 Meter Höhe erreicht. „Die mattgrünen, langgestielten und stark gekrümmten fächerförmigen Blätter sind tief gespalten, aber ziemlich tief und unbeweglich. Zwölf bis zwanzig bilden im Durchschnitt die Krone des Baumes; über 31 wurden nicht gezählt. . Solange sie lebenskräftig sind, stehen die Hälften der Blätter gegeneinander aufgerichtet, und zwar um so steiler je jünger sie sind, die absterbenden älteren Fächer breiten sich dagegen flach aus und sinken allmählich abwärts. Da sie äusserst zähe sind und schwierig verwittern, da ferner der Baum die Stiele nicht abstösst, so bilden die vertrockneten und niedergesunkenen Blätter vieler Jahrgänge um den oberen Teil des Stammes eine eigenartige glockenförmige Um. hüllung, eine grosse dichte Krause, welche der Palme ein sehr auffallendes Aussehen verleiht.* Die Früchte sind kugelrund und fast faustgross, nach erlangter Reife orangefarben, in überreifem Zustande goldbraun. Die aus den Blattachseln entspringenden Fruchtstände stehen anfangs steif seitwärts, aber mit zunehmender Schwere der massenhaft sich entwickelnden Früchte senken sie sich bald abwärts, und die Früchte hängen gleich riesigen Trauben zwischen den Blättern. Der wertvollste Bestandteil der Fächerpalme sind jedoch nicht die Früchte, sondern die Blätter, welche in Streifen geschnitten ein sehr zähes und werk liefern. Man verfertigt aus fingerbreiten Blattstreifen Säcke zum Transport der Erdnüsse. (In Europa angekommen werden die Säcke an Papierfabriken verkauft.) Augenblicklich wird die Fächerpalme noch am wenigsten unter allen Palmenarten Afrikas ausgenutzt. Man verwendet ihren Saft nur selten zu Palmwein, da er jenem anderer Palmensorten an Güte weit nachsteht. Ihr Fleisch ist trocken, schmeckt widerlich süss, und wird daher selten genossen. Aus dem bläulich weissen Kern, den die ausserordentlich harte Nuss einschliesst, kann Oel gepresst werden. Auch würde sich die Schale der Nuss zur Anfertigung von Knöpfen und anderen Kleinigkeiten eignen. Das Ausdehnungsgebiet der Fächerpalme erstreckt sich nicht weit landeinwärts, sondern sie hält sich stets an der Meeresküste. Die Weinpalme, Raphia (siehe Abbildung) ist unstreitig die imposanteste unter allen Fiederpalmen. „Ihre ungeheuren reich belaubten und zu mächtigen, weit ausladenden Garben vereinigten Wedel erreichen, je nach Art und Standort, durchschnittlich 8 bis 10 oder, 12 bis 15 oder 18 m Länge und in der vollen Rundung. ihrer Schäfte an der stärksten Stelle 20 bis 32 cm Umfang. Die sich bis zu 2 m Länge entwickelnden Blütenstände entspringen aus den Achseln der jüngeren Wedel und gleichen riesigen starren Ähren. Sie sind mit einem wunderbar zarten Duft geschmückt, der in soldigen, rötlichen und blauer Farben wie angehaucht auf ihnen liest und leicht verwischt werden kann. Die einen grossen harten Kern in sich schliessenden und je nach der Art verschieden gestalteten Früchte erreichen die Grösse eines Gänseeies und sind ähnlich wie die Ananas schuppenartig gegliedert, jedoch hart und fest geschlossen. Wie poliert schimmern sie inhochroten und goldbraunen Farben, die dunkler abgetönt sind. An manchen Ähren sitzen sie zu Hunderten, und ein grosser, frisch abgelöster Fruchtstand bildet daher eine tüchtige Last für einen Mann.“ Die Raphia wird von den Eingeborenen noch lange nicht so verwertet als sie es werden könnte. Das Mark, welches ein sagoähnliches Nahrungsmittel liefern könnte, bleibt unbenutzt. Dagegen verwendet man ihre Schäfte, Fiederblätter und Wedel I beim Häuserbau, zur Verfertigung 7 von Geräten und allerlei Gewändern, An der Loangoküste wird aus der sehr dauerhaften Oberhaut der Blätter verschiedenerlei Zeug gewoben, darunter als feinste Gattung ein geschmeidiger, seidenartig "glänzender Stoff von goldigem Sehinmen da je doch wegen der "Schwierigkeit der Beschaffung des Materials solche Gewänder sehr kostbar sind, werden sie nur von Fürstinnen getragen. 7 -Ausserdem liefert das faserreiche ge schmeidige Mark gute Flaschenstöpsel, pinselartig aufgespaltene trockene Schaftstücke dienen als Fackeln, auch benutzt man die schnurgeraden, vollkommen runden, sehr elastischen u. haltbaren Schäft- als Tragstangen für Hängematten und zum Transport von Waren. Die Raphia tritt bestandbildend auf, namentlich in den Flussniederungen, denn sie bevorzugt den Wald sowie sumpfigen oder wenigstens feuchten Boden. Ihr Verbreitungsgebiet ist noch nicht genau bestimmt. An der Loangoküste reicht dasselbe über den Kuilu hinaus nach Süden, nordwärts soll die Weinpalme ausschliesslich am Nyanga und noch am Seth vorkommen. — Die zierlichste der Fiederpalmen ist die Dattelpalme (s. d.). — Die Kokospalme, Cocos nucifera, wird häufig als die Königin unter den Palmen bezeichnet. — Die nusstragende Kokospalme (Cocos nucifera L.) erhebt auf dem dünnen schlanken Stamm ihre Krone bis zu einer Höhe von 80 oder gar 100 Fuss. Die 12—14 Fuss langen gefiederten, dunkelgrünen Blätter sind hart und steif, und zwischen ihnen sieht man das ganze Jahr hindurch sowohl die traubenförmigen Blüten als die Früchte. Der Baum entwickelt sich ungemein rasch. Schon im vierten Monat, nachdem man die Nuss in die Erde gesenkt hat, sprengt der Kern die Schale, und die junge Pflanze kommt aus dem lockern Sand hervor. Sie muss dann allerdings gar sorgsam gepflegt, mehrmals täglich begossen, der Boden ringsum monatlich mit Salz und Asche be- ‚streut, später jährlich einmal aufgegtaben und gedüngt werden, und wenn sie 2 oder. 5 Jahre alt ist, wird sie umgepflanzt und in einen gedüngten Boden versetzt, den man ‚sorgsam durch Gräben vor dem Regenwasser schützt. Oft trägt ein Baum schon im ersten Jahre nach der Umpflanzung Früchte — in trockeneren Gegenden allerdings erst nach 10—12 Jahren — und dann bleibt er oft ein ganzes Jahrhundert: fruchttragend. Bis zum 70. Jahre ist seine Kraft ungeschwächt, dann nimmt aber der Ertrag ab und endet zuweilen schon mit dem 80. Jahre. Welch unendlichen Nutzen gewährt aber der Baum während dieser Zeit! Die unreifen Nüsse liefern das Lieblingsgetränk der Eingeborenen, die Kokosmilch; die jungen Blätter, der sog. Palmenkohl, sind ein vortreffliches Gemüse, das aber sehr teuer ist, weil man in das Herz der Palmenkrone nicht tief einschneiden kann, ohne den Baum zu vernichten; die Blattrippen und die Stämme werden beim Häuserbau verwendet, und aus den ausgewachsenen Blättern flechten die Eingeborenen Körbe und Säcke oder verwenden- sie zur Bedeckung ihrer Häuser. Endlich wird aus dem Safte der Kokospalme noch der Palmenwein gewonnen, indem man den Stamm anbohrt oder eine Blütentraube abschneidet und an der Schnittstelle eine Kürbisflasche befestigt, genau so, wie es die Neger der Westküste zu thun pflegen. Das Wertvoliste, was die Kokospalme liefert, ist aber die - :Kopra, die jetzt auch in Sansibar einen bedeutenden Handelsartikel bildet. Mit schweren hippenartigen Messern werden die reifen Nüsse halbiert und, nachdem die Flüssigkeit ausgelaufen ist, zum Trocknen ausgebreitet. Das milchweisse Fleisch, welches ihr Inneres bildet, wird unter dem Einfluss der Sonnenstrahlen bald gelblich und schliesslich hornartig durchscheinend, es zieht sich zusammen und löst sich von der Schale los, worauf man es herausnimmt und es nochmals zum Trocknen ausbreitet. Früher pflegte man die getrocknete Kojra. zu zerschneiden und in Säcke verpackt zu versenden, während man jetzt gleich an Ort und Stelle das reichlich in ihr vorhandene Ol auspresst, was den Vorteil gewährt, dass man nicht die ganze Masse, welche nach Anspressung des Öls wertlos ist, transportieren muss. Das aus der Kopra gewonnene Öl wird bekanntlich jetzt massenhaft zur Seifenbereitung verwendet, da es viel billig-ı ist als Olivenöl, und demselben an Güte nicht nachsteht. Die Eingeborenen gewinnen aus demselben "auch Speiseöl, das sehr wohlschmeckend ist. Nachdem man den Inhalt der Nuss in solcher Weise ausgenutzt, liefert die unerschöpfliche immer noch neuen Gewinn. Die Faserhülle der Schale wird gleich unserem Flachs geröstet, in Seewasser gelegt und monatelang darin faulen gelassen, hierauf herausgenommen, geklopft und geeben. und nachdem sie in Raser ereinigt wor.'en, zum Trocknen ausgebreitet. Das Werg benutzt man zur Verfertigung von Stricken und Tauen, welche letzteren auch auf europäischen Fahrzeugen Verwendung finden, da Fotenich die aus Kor: fasern verfertigten Ankertaue an Dauerhaftigkeit und Festigkeit den besten aus Hanf veıfertigten gleichkommen. Wie unverwüstlich die Kokos’asern sind, beweisen die aus Kokosstricken verfertigten Fussveiniger, welche auch bei uns massenhaft in den Handel kommen. Häufig wird das Werg auch zum Kalfatern der ‚Schiffe benutzt. Die Eingeborenen ‚aber verfertigen daraus Besen, Pinsel zum Anstreichen der Häuser, benutzen es zum Stopfen von Polstern, Matratzen, Sätteln u. s. w., und ziehen so aus ihrer Palmenpflanzung hundert- -fältigen Gewinn. Kein Wunder daher, wenn der Neger trotz seiner angebornen Faulheit keine Mühe scheut, wenn es sich um seine Kokospalmen handelt, und wern er mit einer Sorgfalt, deren man ihn kaum für fähig halten möchte, darüber wacht, dass seine Pflanzung stets in gutem Stande bieibt. Wenn einmal ein Sturm eine Anzahl Bäume entwuüurzelt hat, wırd der Besitzer der verwüsteten Pflanzung gewisssofort neue Nüsse pflanzen, um die entstandene Lücke auszufüllen, ja er ist für solche Unglücksfälle jederzeit gerüstet, indem er einen mehr oder minder grossen Raum zur Anlage von Samenbeeten benutzt und dort neue Bäumchen heranzieht, die er an die Stelle der vom Sturm gebrochenen setzen kann. So wird die Kokospalme zu einem Segen für die Eingeborenen, leider aber gleichzeitig auch zu einem Haupthindernis des kulturellen Aufschwungs, da sie dem Neger alles bietet, was er braucht. Wer einen Palmenwald gepflanzt hat, hinterlässt seinen Nachkommen bis” ins zweite und dritte Glied eine Rente, welche sie fast aller Arbeit überhebt. Allerdings mag auch die Kokospalme auf den Menschen fördernd eingewirkt haben, bis er eine gewisse Kulturstufe erreicht hatte, aber über diese hinaus wird sie zu einer Fessel seiner" weitern Entwickelung. — Auf San-! sibar, wo die Kokospalme die höchste Bedeutung für die Bevölkerung er langt hat, gedeiht auch noch die Sage: palme (Oyeas cireinalis L.), aber sie” ist dort nicht recht heimisch geworden und wird nur als Zierbani in Gärten gezogen, nicht wie in In dien wegen der Sagogewinnung ge" pflanzt. — Zahlreiche Palmenarten, ” die bisher noch von keinem Bote niker beschrieben wurden, kommen” auf Madagaskar vor. An der West küste der Insel sind auch die Fächer palmen vielfach vertreten. „Als wir) schreibt James Sibree, „kamen wit” mehrere Stunden lang: Ausch einen” Wald; während unser Boot in der" schienen die hohen Stämme, die, wien Säulenschäfte am Rande des Wassen "emporstiegen, und die herrliche grünen Fächerkronen, die sich scharl von dem Himmel abhoben, wie das schönste Oyklorama an uns vorüberzuziehen. An der Nordwestküste werden ihre grossen Blätter zum Decken der Dächer benutzt, und ein derartiges Dach zeichnet sich durch besondere Dichtigkeit und durch das zierliche Ansehen seiner Unterseite aus.“