FeedMachdi (Mahdi)
Sagen & MythenAfrika Hand-Lexikon 1885
Machdi (Mahdi).
Machdi (Mahdi).

Machdi (Mahdi), [das heisst „der von Gott Geleitete“]J, mit dem bürgerlichen Namen Mohammed Achmed, der fanatische Aufwiegler des ägyptischen Sudan, stammt aus der Landschaft Dongola, arbeitete eine Zeitlang als Schiffszimmermann in Chartum und lernte hier lesen und schreiben, um Fakih (Priester und Ausleger des Korans) zu werden, Nachdem er etne Zeitlang in Tamaniat, nördlich von Chartum, sich aufgehalten, siedelte er sich auf der Insel Abo im Weissen Nil als Eremit an. Hier erlangte er bald durch seine Schlauheit und den Schein der Gottgefälligkeit, den er durch asketischen Lebenswandel zu verbreiten wusste, einen grossen Einfluss. Im Juli 1881 trat er zum ersten mal in den Vordergrund, indem er, gestützt auf die in der ganzen mohamedanischen Welt bekannte Prophezeiung, sich für den Mahdı ausgab, dessen Erscheinen mit dem Beginn des 14. Jahrh. (am 1. Moharrem 1300 = 12. Novbr. 1882) erwartet wurde. Die ägyptische Regierung entsandte auf diese Kunde einen Beamten nach der Insel Abo, um M. nach der Hauptstadt zu bringen. Derselbe musste aber unverrichteter Sache zu rückkehren. Eine Militairexpedition von 200 Mann, die zu dem gleichen Zweck ausgerüstet wurde, fand infolge der Uneinigkeit‘ der drei Befehlshaber, sowie des Mangels an allen Vorsichtsmassregeln, durch die die Lanzenträger des Mahdi ihren Untergang. Von allen Seiten strömten ihm jetzt Anhänger zu, die er durch den Hinweis auf den nunmehr beginnenden Triumphzug nach Mekka noch fester an sich zu knüpfen verstand. Die Regierung des Sudan 20g nun bei Kaua (Gawa) Streitkräfte zusammen, richtete aber nichts aus; vielmehr gelang es dem M. im Dezbr. d. J., den Mudir von Faschoda, welcher mit 400 Mann Soldaten und 100 Schilluknegern zur Unterdrückung des Aufstandes ausgezogen war, zu vernichten. Eine im März 1882 von Chartum ausrückende Truppenmacht, um den Mahdi im Tekeleegebirge, wo er sich festgesetzt hatte, aufzuheben, wurde durch einen in ihrem Rücken, in Sennär ausbrechenden Aufstand zum Rückzug genötigt. Im Juni desselben Jahres brachte der M. der ägyptischen Hauptarmee unter Yussuf Pascha bei Gebel Geon eine vernichtende Niederlage bei; seine Anhänger unterbrachen die Verbindung zwischen den Hauptpunkten in Kordofan und Darfur mit dem Weissen Nil; im Januar 1883 fiel die Hauptstadt Kordofans El Obeid in seine Hände, kurz darauf auch Bara, so dass der M. nun von der Österenze Darfurs bis zum Weissen Nil unbestrittener Herr war. Während die ägyptische Regierung durch den gleichzeitigen Aufstand Arabi-Paschas beschäftigt war, entsendete der M. seine Derwische überallhin, und es gelang denselben, sogar die den Verkehr zwischen Suakin und Berber vermittelnden Küstenstämme der Hadendoa- und Bischarin-Beduinen in den Aufstand hinein zu ziehen. In den ersten Tagen des November (wahrscheinlich am 4. und 5.) vernichtete er in der Nähe von Allula (zwischen Rahad und Kaschgil) die gesammte Armee‘ des ihm entgegenrückenden Generals Hicks Pascha. Ziemlich gleichzeitig (im Oktbr. und Noybr.) gelang es den aufständischen Beduinen unter dem Befehl seines Parteigängers Osman Digma, bei Suakim drei ägyptische Truppenabteilungen aufzureiben und die Inselstadt Suakim selbst zu bedrohen. Diesen Siegen folgte, nachdem auch Baker-Pascha und General Graham unterlegen waren, anfangs Januar die Zurückdrängung der englischen Armee unter Wolseley’s Befehl und endlich am 26. Januar 1885 die Eroberung des von Gordon Pascha verteidigten Chartum, sowie kurz darauf auch diejenige von Kassala. In der Zeit von Juli bis August soll der Machdi an den Pocken] gestorben sein.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 2, S. 847Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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