FeedMahdi
GeschichteBrockhaus 1882

Mahdi nennt sich auch seit 1881 der Führer des im Sudan ausgebrochenen Aufstandes, Achmed Suleiman, geb. um 1844 in Oberägypten, welcher zu Kairo erzogen wurde und dort die für den höhern Staatsdienst erforderliche Vorbildung erhielt, dann im Sudan Generalkontrolleur der Finanzen wurde, aber wegen eines Zerwürfnisses mit dem Generalgouverneur den ägypt. Staatsdienst verließ und als Sklavenhändler und Kaufmann thätig war. Der begabte Mann gewann, als er die Fahne der Empörung erhob, bedeutenden Anhang unter den Arabern, schlug die gegen ihn ausgesendeten ägypt. Truppen in mehrern Gefechten und verstärkte sich durch deren Überläufer. Im Jan. 1883 nahm der M. das befestigte El Obeid ein und war nun Herr von ganz Kordofan. Er knüpfte mit Arabi Pascha Verbindung an und gedachte diesen im Kampfe gegen die Engländer zu unterstützen. Doch verhinderte die Niederlage der Agypter bei Tel el Kebir die Ausführung dieses Vorsatzes. Die Auflösung des ägypt. Heeres und die Verweigerung der vom Generalgouverneur des Sudan zur Bekämpfung des Aufstandes geforderten Mittel seitens der Regierung führten dem M. viele militärisch ausgebildete Elemente zu, mit deren Hilfe es ihm gelang, 3. Nov. 1883 bei Kaschgil ein starkes, gut bewaffnetes ägypt. Heer, welches der brit. General Hicks Pascha befehligte, nach dreitägigem Kampfe völlig zu vernichten. Dieser Sieg verschaffte ihm eine namhafte Zahl europ. Geschütze und Gewehre. sowie große Munitionsvorräte. Seine Unterfeldherren zogen bis nach Dongola und an die Küste des Roten Meeres, während der M. Chartum einschloß. Die Engländer hielten zwar die Hafenplätze Suakim und Massaua besetzt und ließen ein kleines Truppenkorps unter Baker Pascha südlich von Suakim, unweit des Fort Tokar, landen, doch erlitt dieses am 4. Febr. 1884 bei El Teb eine schwere Niederlage durch Osman Digma. Erst der am 13. März bei Tamanieb über Osman Digma von General Graham erfochtene Sieg vertrieb die Araber aus der Nähe von Suakim, konnte jedoch wegen der geringen Zahl der brit. Truppen nicht ausgenutzt werden. Inzwischen war der im Januar aus England mit bedeutenden Geldmitteln entsendete General Gordon im Februar in Chartum angekommen, hatte als Generalgouverneur die Leitung der Operationen im Sudan übernommen und sofort den M. als Beherrscher von Kordofan anerkannt, auch das Verbot des Sklavenhandels aufgehoben, um sich Anhang zu verschaffen. Ein von Gordon 16. März unternommener Ausfall wurde vom M., welcher Chartum eng umschlossen hielt, zurückgeschlagen, auch fiel Anfang Juni Berber in dessen Gewalt. Die brit. Regierung entschloß sich darauf hin, ein 7000 Mann starkes Heer unter General Lord Wolseley nach Chartum zu entsenden. Im Juli begannen bereits die Vorbereitungen für den Feldzug gegen den M., welcher sich inzwischen des unterhalb von Chartum gelegenen verschanzten Lagers von Umderman bemächtigt hatte und von dort aus den Zusammenfluß des Weißen und Blauen Nils durch Geschützfeuer beherrschte. Gordon vermochte hiernach durch seine bewaffneten Dampfer nur noch den Blauen Fluß für die Verpflegung seiner stark zusammengeschmolzenen Streitmacht auszunutzen und gab die Stadt Chartum auf, behielt jedoch zwei hochgelegene, feste Gebäude in derselben besetzt. Die die Expedition aus England, den Mittelmeerstationen, Agypten und Indien bestimmten brit. Truppen konnten erst nach mehrern Monaten den Vormarsch im Nilthale von Assuan aus antreten. Dieselben wurden teils auf dem Nil durch eine von Dampfern geschleppte Bootsflotille vorbewegt, teils marschierten sie auf der großen nach Chartum führenden Karawanenstraße bis nach Korti, wo Lord Wolseley im Jan. 1885 sein Hauptquartier nahm. Von Korti aus zog eine 1500 Mann starke Kolonne unter Oberst Stewart unter großen Beschwerden durch die Wüste nach Metammeh und lieferte den Arabern 17. Jan. bei Abu Klea ein blutiges Treffen, erreichte 20. Jan. nach mehrern Kämpfen den Nil oberhalb von Metammeh bei Gubat und erhielt dort am folgenden Tage mittels vier aus Chartum entgegengesendeter Dampfer eine Verstärkung von 500 Mann und einigen Geschützen. Oberst Stewart war verwundet worden, und seine Kolonne hatte auf dem kurzen Zuge gegen 300 Mann verloren. Eine zweite brit. Kolonne war von Korti unter General Earle in Stärke von 3000 Mann auf der nach Berber führenden Wüstenstraße vorgerückt, um von dort aus im Nilthal nach Schendi zu gelangen und sodann im Vereine mit Stewarts jetzt von Oberst Wilson geführter Kolonne das von 3000 Arabern besetzte befestigte Metammeh anzugreifen, wo seit 20. Jan. käglich Gefechte stattgefunden hatten. Sir Ch. Wilson war von Gubat mit drei Dampfern nach Chartum gefahren und hatte dort 28. Jan. Feuer erhalten. Der M. hatte sich ohne Kampf 26. Jan. Chartums bemächtigt und die Besatzung niedermachen lassen, wobei auch General Gordon den Tod fand. Die brit. Regierung beschloß nunmehr, von Suakim aus ein zweites Heer gegen den M. ins Feld zu stellen, und beauftragte Lord Wolseley (s. d.), die Operationen gegen den M. fortzusetzen. (Vgl. auch Sudan.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 348Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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