Tausend und eine Nacht (arab. Alik laila Va laila) ist der Titel einer der berühmtesten, in arab. Sprache geschriebenen Sammlungen von Märchen und Erzählungen, welche aus verschiedenen Ländern und aus verschiedener Zeit stammen, deren Hauptheld aber der Kalif Härun-al-Räschid (s. d.) ist. Als Antoine Galland (gest. 1715), welcher das Buch im Orient kennen gelernt, dasselbe durch seine franz. Übersetzung in Europa eingeführt hatte, gewann es eine ungemein schnelle Verbreitung und erregte ein sehr großes Interesse, welches den Blick aller auf die Märchenwelt des Orients lenkte. Das Buch ist sehr reich an Gest ten einer lebhaften Einbildungskraft, an prächtige in glühendem Farbenreichtum gemalten Bilder an lieblichen Liedern, aber auch ein unerschöpflich Schatz mannigfaltiger Lehre und Lebensweishe Es gibt kaum ein Buch, welches geeigneter wär den Leser in das reiche Leben des Orients einz führen und ihn mit seinen Sitten, mit seinem ga zen Denken und Fühlen bekannt zu machen. Arabers ritterlicher Sinn, seine Tapferkeit, se Hang zu Abenteuern, seine Gewandtheit, sei glühender Haß und seine Rachsucht, die List sein Frauen, die Zudringlichkeit seiner Bettler, die B stechlichkeit seiner Richter, der Liebe Lust und de Liebe Leid; alles das wird dem Leser in anmutige und sinnreichen Erzählungen vorgeführt und fessel ihn an einen Boden, auf welchem er sich leicht un gern mit der Wunderpracht einer ihm sonst frem den Welt innig befreundet Der Rahmen, in welchen diese fesselnden Ge mälde des orient. Lebens eingefaßt sind, ist folgen der. Ein pers. König Scheherbän, der sich vor der Untreue seiner Frau überzeugt hatte und aue dieser Erfahrung auf die Untreue aller Frauei schließen zu müssen glaubte, beschloß, jedesma nachdem er eine Nacht mit einer Jungfrau seines Reichs zugebracht, dieselbe am darauffolgender Morgen durch seinen Wesir töten zu lassen. Zum Schrecken der Frauen seines Landes wurde dieser Beschluß längere Zeit hindurch ganz regelmäßig vollführt. Des Königs Wesir nun hatte zwei Töchter, Schehersad und Dinarsad, von denen die ältere, Schehersad (oder Schehrezade) sich durch Verstand und Mut besonders auszeichnete. Sie kannte Geschichten, Volkstraditionen und Reden der Weisen und der Könige und verstand es, interessant zu erzählen. Diese beschließt, das Land von dem furchtbaren Unglück zu befreien und den König von seinem unheilvollen Wahn zu heilen, und bittet ihren Vater, sie dem König in der nächsten Nacht zuzuführen. Der lange widerstrebende Wesir gibt endlich den Bitten seiner Tochter nach, und diese weiß den König durch ihre Erzählungsgabe tausendundeine Nacht lang so zu fesseln, daß er, immer auf den Schluß einer angefangenen, aber durch den Anbruch des Morgens unterbrochenen, oder auf eine weitere, ihm als ganz besonders interessant angekündigte Erzählung begierig, sie zu töten unterläßt und von seinem Frauenhaß geheilt wird. Die Zeit des Ursprungs (ogl. S. de Sacy, KRecherches sur 'origine du récueii de contes intitulé; les mille et une nuits »„ Par. 1829) der in verschiedenen Recensionen auf uns gekommenen, im Orient selbst sehr oft und in mannigfachster Weise nachgeahmten Sammlung ist kaum sicher zu bestimmen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß dem Ganzen ein pers. Original zu Grunde liegt, vielleicht die Hezar efsäne (d. i. Tausend Erzählungen) des Rasti. Als im 8. Jahrh. unter dem Kalifat des Mansür und seiner Nachfolger die Araber vorzüglich auf Anregung der Syrer ihre Blicke auch den nicht arab. Litteraturen zuwandten und vieles das Arabische übersetzten, soll schon eine ähnliche Märchensammlung entstanden sein, welche reiche Beiträge aus dem Schrifttum der Perser und Inder aufnahm. Möglicherweise bildete diese, als zderen Sammler Dschehestavigenannt wird, den Hrundstock, an den sich noch viel Reues im Laufe er Zeit nach und nach anschloß, was bei dem d lockern Faden, an welchen diese Erzählungsperlen sich anreihen, sehr leicht möglich war. Die Redacen, tion, in welcher gegenwärtig der größere Teil der rn, her Sammlung vorliegt, stammt sicher aus Agypten eit. und geht etwa in die Mitte des 15. Jahrh. zurück, doch wurden ihr auch noch im folgenden Jahrhunre, dert die verschiedenartigsten Erzählungen hinzugefügt. Die erste lunvollständig gebliebene) Ausgabe des arab. Textes erschien zu Kalkutta, 1814 und 1818, in zwei Bänden, und 1829. Andere Ausgaben des arab. Originals lieferten M. Habicht und H. L. Fleischer (12 Bde., Bresl. 1825 fg.), Macnaghten (4 Bde., Kalk. 1839), und wiederholt wurde dasselbe in Agypten (2 Bde., Bulak 1835, u. 4 Bde., 1862 u. öfter) gedruckt. Europa wurde zuerst durch A. Galland, welcher das Werk unter dem Titel Les mille et une uuits“ (12 Bde., Par. 1704½) in übersetzung veröffentlichte, mit der Sammlung bekannt gemacht, und bald folgten viele andere teils franz. Bearbeitungen, teils deutsche, englische u. s. w. übersetzungen. Das Buch machte ein ungeheueres, vollkommen verdientes Aufsehen in der litterarischen Welt, bei jung und alt, und hat ohne Zweifel mehr als andere Erzeugnisse des orient. Geistes die Blicke Curopas auf den Orient hingelenkt und ihm und seiner reichen Poesie zahlreiche Freunde erworben. Die vollständigste deutsche lübersetzung ist die von M. Habicht und von der Hagen besorgte (zuerst in 15 Bdn., Bresl. 1824 fg. und dann öfter), welche allerdings vieles enthält, was sicher nicht zu dem ursprünglichen Original 1von Tausend und eine Nacht gehört; nur die zwei letzten Bändchen sind von Habicht unmittelbar aus dem Arabischen übersetzt. Neue, durchgängig selbständig nach dem Original gearbeitete Übersetzungen gaben G. Weil (4 Bde., Stuttg. 1837, und vollständig umgearbeitet 1866) und der Engländer Lane (3 Bde., Lond. 1839 u. später). Das Interesse, welches Gallands lübersetzung erregte, reizte zu Nachahmungen, und so erschien von Petit e la Croix und Lesage unter dem Titel Les mille et un jourso (5 Bde., Par. 1710, deutsch von F. H. von der Hagen mit mannigfachen Zusätzen, 11 Bde., Prenzl. 1839) die Bearbeitung eines im Orient sehr beliebten Märchenwerks EI-Faradsch baẽd el-Schidda, d. i. «Nuf Leid folgt Freud