Chartum oder Khartum, Hauptstadt des ägypt. Sudan, in 335 m Meereshöhe, am Vereinigungspunkte des Weißen und des Blauen Nil, dicht am linken Ufer des letztern. Es ist eine Schöpfung Mehemed-Alis von Agypten, der das elende Dörfchen C. seit 1823 zur Stadt ausbauen ließ und 1830 zum Sitz des Generalgouverneurs bestimmte. Der Ort blühte als der südlichste Hauptposten des ägypt. Handels in der afrik. Wildnis durch seine günstige Lage rasch auf; die Zahl der Bewohner wird auf 50000 geschätzt. Als Handelsstadt ist es an die Stelle des ältern Schendi getreten: zwar von Kordofan und Darfur nimmt der Verkehr mit Agypten immer noch lieber den Weg über Dongola, aber für die südl. und östl. Länder ist C. der Hauptstapelplatz. Inmitten einer sterilen, mißt, sind unter K aufzusuchen. von einem Erdwall umgeben, bildet C. eine einförmige, schmutziggraue Masfe von Häusern aus Luftziegeln, hat eine Hauptstraße und große (mit Weizen, Palmen, Citronbäumen u. s. w. bepflanzte) Gärten in seiner Mitte, und in der Regenzeit sehr schmutzig. Das Klima ist bei der großen Hitze nachmittags durchschnittlich 31, zuweilen über 37² R. im Schatten) und bei der ungemeinen Feuchtigkeit der Luft sehr erschlaffend und ungesund. Zahlloses Ungeziefer, Skorpione, Taranteln, Hornissen, Eidechsen und Vipern erfüllen jeden dunklern Fleck. Bemerkenswert sind zwei ganz nach europ. rt gebaute Regierungspaläste, die Moschee, ein Lazarett, eine Kaserne und ein Pulvermagazin, eine Mifsionsanstalt nebst Schule, eine kath. und eine kopt. Kirche. Der Markt oder Bazar ist reichlich versehen mit Lebensmitteln und Waren aller Art. Die Einwohner sind der Hauptmasse nach Nubier im weitern Sinn, daneben Agypter, Abessinier, Juden, Neger u. s. w., daneben eine Garnison von etwa 1000 Mann, meist Schwarzen, ein ganzes Heer ägypt. Beamten. Auch europ. Kaufleute sind dort, wie auch die wichtigsten europ. Staaten durch Konsuln vertreten sind. Bis 1871 war es Sitz des ägypt. Generalgouverneurs für Nubien und Ostber Lär seither ist die administrative Einteilung dieer Länder etwas geändert, und hat das Gebiet von C., wie das von Dongola und Berber, Sennaar und Fassogl, Kordofan, Bahr-el-Abiad besondere Mudirs, d. 6. Provinzialgouverneure. Mit Agypten besteht Post⸗ und Tele graphenverbindung. In neuerer Zeit war C. der Ausgangspunkt verschiedener Entdeckungs⸗ und Eroberungse editionen nach den suüdl. Nilländern, z. B. der Bakerschen. Auch die Mission hat sich dort festgesetzt, die katholische, zugleich Sitz des Bistums von Nigritien, entstand 1846 durch die Bemühung des österr. Marienvereins, die protestantische durch die Brüder von Crischona bei Basel. Die Industrie beschäftigt sich außer den unentbehrlichsten Handwerken fast nur mit Filigranarbeiten in Gold und Silber zu Armbändern, Ringen, Tassen u. s. w., die in ganz Agypten wegen ihrer Zartheit und Eleganz berühmt sind. Die Haupteinfuhrartikel für den Sudan sind Gewehre, Pulver, Blei, Jagdrequisiten, Spirituosen, engl. Baumwollstoffe, Glasperlen aus Venedig und Böhmen. Die Ausfuhr besteht in Elfenbein und Nilpferdzähnen von den Ländern des Weißen Nil, dann Gummi, Sennesblättern und Tamarinden, Strauß⸗ und Marabutfedern, Häuten u. s. w. Aber auch der Sklavenhandel, obwohl er gesetzlich verboten, hat in C. noch immer einen Hauptsitz, da die Sklavenjäger als Elfenbeinhändler noch oft von dort aus ihre Raubzüge organisieren.